Auto : Umgesteuert

Wie viel Geld der Fiskus fürs Auto verlangt, hängt nun neben dem Hubraum auch vom CO2-Ausstoß ab

Im Gerede sind die Stinker unter den Automobilen schon lange. Jene Autos gelten als nicht mehr zeitgemäß, zu deren Merkmalen ein hoher Verbrauch und reichlich schädliche Abgase zählen. Nur Konsequenzen hatte das für Käufer nicht. Nun aber will man die Stinker stärker bestrafen. Mittel zum Zweck ist die Reform der Kraftfahrzeugsteuer, die am kommenden Mittwoch in Kraft tritt – Stichtag 1. Juli. Künftig werden nicht mehr nur die Hubräume der Motoren zur Berechnung der Steuer herangezogen, auch der CO2-Ausstoß wird fortan berücksichtigt.

Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart hält die Reform für „einen Einstieg in die notwendige Ökologisierung der Autosteuer“. Die Änderung würde immerhin auch einen Anreiz zum Kauf effizienterer Fahrzeuge darstellen – weil weniger CO2-Ausstoß auch eine niedrigere Steuer bedeuten. Jedoch findet Hillgärtner in dem neuen Modell auch „Konstruktionsmängel“. Besser gefallen hätte dem ACE ein Steuerkonzept, das allein den CO2-Ausstoß berücksichtigt und dabei gänzlich auf die Einbeziehung des Hubraums verzichtet.

Tatsächlich beruht die Berechnung der Kfz-Steuer ab Juli auf einem Mischkonzept. Auf der einen Seite steht die bekannte Berechnung nach dem Hubraum: Nach dem Willen des Gesetzgebers werden bei Benzinern 2 Euro pro 100 Kubikzentimetern Hubraum berechnet, bei Diesel sind es 9,50 Euro. Neu ist die Komponente Schadstoff: Jetzt fließt zusätzlich der CO2-Ausstoß in die Berechnung der Steuerlast ein. Dabei gilt vorerst ein Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer (g/km). Stößt der Wagen weniger CO2 aus, muss der Halter dafür überhaupt keine Steuer zahlen. „Bei einem CO2-Ausstoß ab 120 Gramm pro Kilometer sind dann für jedes Gramm zwei Euro zu zahlen“, erläutert Andreas Hölzel, Sprecher des ADAC in München. Im Laufe der Zeit wird es immer schwieriger werden, in den Genuss einer schadstoffbedingten Befreiung zu kommen: Ab 2012 wird der Schwellenwert auf 110 Gramm gesenkt, ab 2014 muss ab 95 g/km Kfz-Steuer gezahlt werden.

   Das alles bezieht sich aber nur auf jene neuen Autos, die ab dem 1. Juli 2009 zugelassen werden. Alles, was derzeit noch mit mehr oder weniger dicken Abgaswolken unterwegs ist, zahlt weiter Kfz-Steuer nach dem alten Modell. Das wiederum gilt aber nicht für alle Zeiten. Die Experten gehen davon aus, dass eine Änderung in Richtung des neuen Modells für die alten Autos 2013 folgt.

   Aber natürlich wären all diese Regeln nichts ohne Ausnahmen. Die Ausnahme gilt für Neuwagen, die seit Ende 2008 zugelassen wurden, so Andreas Hölzel. „Für Autos, die in der Zeit zwischen dem 5. November 2008 und dem 30. Juni 2009 zugelassen werden, gelten befristete Steuerbefreiungen.“ Die Länge der Befreiung liegt zwischen einem und zwei Jahren und hängt davon ab, welche Abgasnorm erfüllt wird. Wenn die Befreiungen – je nach Modell – spätestens Ende 2010 ausgelaufen sind, muss auch für diese Fahrzeuge Kfz-Steuer bezahlt werden – ob nach altem oder neuem Modell, hängt vom Einzelfall ab. Wenn die Steuerbefreiung für das jeweilige Fahrzeug endet, wird eine Günstigkeitsprüfung durchgeführt. Das bedeutet, dass die Behörden ausrechnen, welches Steuerschema für den Halter günstiger ist, und dieses dann zugrunde legen.

   Ob die zuständigen Ämter bei diesen Berechnung alles richtig machen werden, ist durchaus eine Frage wert. Fachleute wie Andreas Hölzel weisen aber darauf hin, dass nachrechnen und vergleichen nicht schaden kann. „Man hat auch in der Vergangenheit schon von falschen Steuerbescheiden gehört.“ dpa

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