Umwelt : Die glorreichen Zehn

Opel will die Brennstoffzelle im Alltag testen. Der neue Hydrogen-4-SUV bringt es mit 440 Zellen Wasserstoffantrieb auf satte 100 PS im Elektromotor.

Wolfgang Gomoll

BerlinDer Rahmen ist vergleichsweise schlicht. Wo andere Autohersteller mit aufwändigen Prachtbauten wuchern, begnügt sich Opel mit einem Zelt. Die Botschaft ist das Ziel. Es geht um die Zukunft der automobilen Mobilität, zumindest, so wie Opel sie sich vorstellt. Genauer gesagt, um den Brennstoffzellenantrieb. Da lenkt überflüssiger Tamtam nur vom Hauptdarsteller ab.

Der steht fast etwas verschämt in der Ecke des Zelts und ist auf den ersten Blick ein schlichter SUV – ein GM Equinox. Wäre es nicht mit blau-türkisen Molekülen und Hydrogen-4-Schriftzügen übersät, könnte man das Fahrzeug beinahe übersehen.

Das unscheinbare Vehikel hat es allerdings in sich – es fährt mit Wasserstoff. Unter der Motorhaube befindet sich anstelle eines herkömmlichen Motors das Herz des Hydrogen-4-SUVs. Der sogenannte Brennstoffzellen-Stack besteht aus 440 Zellen. In ihnen reagieren Wasserstoff und Sauerstoff räumlich getrennt mithilfe eines Katalysators in einem elektrochemischen Prozess zu Wasser und produzieren dabei Strom.

Diese Energie treibt den 100 PS starken Elektromotor an und sorgt für durchaus ansehnliche Fahrleistungen. Den Sprint von null auf hundert absolviert der Hydrogen 4 in zwölf Sekunden. Die Spitzengeschwindigkeit des frontgetriebenen Fahrzeugs liegt bei etwa 160 km/h. Eine Tankfüllung – 4,2 Kilo Druckwasserstoff, der in drei Tanks untergebracht ist – reicht für 320 km. Im Gegensatz zu einer Befüllung mit flüssigem Wasserstoff verflüchtigt sich das Gas bei dieser Speichermethode nicht. Das Auto hat also auch nach einer längeren Standzeit noch Sprit. Außerdem könne dieser Motor jetzt auch noch bei minus 15 Grad gestartet werden, verspricht Opel. Dazu verweisen die Opel-Männer stolz auf den Alltagsnutzen des Autos, der sich kaum von dem eines benzingetriebenen Fahrzeugs unterscheiden soll. Vier Personen haben Platz. ESP? ABS? Alles an Bord.

Ab Mitte des nächsten Jahres sollen weltweit 100 dieser Fahrzeuge mit Elektroantrieb im Dauereinsatz getestet werden. Jeder Erdteil bekommt eine gewisse Anzahl dieser Hightechautos. Nach Europa kommen Mitte nächsten Jahres im Rahmen der so getauften „Clean Energy Partnership“ nur zehn – alle nach Berlin. Für GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster ist die Bundeshauptstadt „eine Leuchtturmregion“, weil es hier bereits zwei geeignete Wasserstoff-Tankstellen gibt. Wie die Testfahrer ausgewählt werden, steht noch nicht fest. Vermutlich aber über eine Bewerbung per Internetseite.

GM verfolgt einen ehrgeizigen Plan: Bereits 2010 soll der Brennstoffzellenantrieb wettbewerbsfähig sein. Allerdings fehlt eine ausreichende Infrastruktur, Tankstellen etwa. Für Forster ist klar: „Das Auto von morgen fährt elektrisch.“ Nur so könne der gesteigerte Energiebedarf gedeckt werden. Denn 2030 wird weltweit 75 Prozent mehr Energie benötigt werden als noch 2004, so die Schätzungen.

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