Auto : Und fahre mich nicht in Versuchung

Ford spendiert seinem Verkaufsschlager Transit neue Motoren – für sportliche Lieferanten gibt es sogar einen blauen Rennanzug

Eric Metzler

An der Börse geht antizyklisch so: Kaufen, wenn alle alles losschlagen und die Kurse in den Keller rauschen; abstoßen, bevor die Anleger im Boom die Bodenhaftung verlieren. Antizyklisch verhält sich auch Ford. Der aktuelle Transit, seit Sommer 2006 auf dem Markt, verkauft sich wie geschnitten Brot. Die Versuchung, sich auf dem Erfolg auszuruhen, wäre also groß. Ford hat widerstanden – und bietet für den Transit jetzt ein dickes Paket an Neuerungen an.

Die Auffälligste ist indianapolisblau und trägt auf der Frontpartie einen weißen Rallyestreifen. Bei einem Mini Cooper oder einem Sportcoupé wäre so etwas nicht der Rede wert. Aber ein Transporter im Rennanzug? Ford hat es einfach mal probiert; zunächst mit einem auf 500 Exemplare limitierten Sondermodell. Weil die sonderbaren Kastenwagen schneller verkauft waren, als man sie auf den Hof mutiger Händler gestellt hatte, geht der Transit Sport nun in Serie. Wundern Sie sich also nicht: Es könnte gut sein, dass Ihr Raumausstatter bei der nächsten Renovierung mit 18-Zoll-Rädern, Breitreifen, Seitenschwellern und Ledermöbeln vorfährt. In Verbindung mit den dunkel getönten Seitenscheiben sieht das richtig schick aus und gar nicht mal prollig. Handwerker und Lieferanten mit Sinn für die Optik bekommen den Sport Van für 28400 Euro netto – mit kompletter Ausstattung und einem 2,2-Liter-Diesel.

Dieses Common-Rail-Aggregat gibt es seit dem 30. Oktober für alle Transit mit Frontantrieb. Nominal leistet der TDCI zwar nur 10 PS mehr als sein Vorgänger mit 130 PS, der bislang meistverkauften Transit-Maschine. Gefühlt ist der Fortschritt größer. Den meisten Ford-Kunden mag der technische Hintergrund dessen schnurz sein. Das Ergebnis von einem „neu kalibriertem Motormanagement“ und dem „Turbolader mit variabler Turbinengeometrie“ ist gleichwohl verblüffend. Für eine Kennenlern-Tour über Landstraßen haben wir 400 Kilo im Ladeabteil des Ford vertäut – und verspüren unterwegs nie das Gefühl, zu schwach auf der Brust zu sein. Gut gefallen hat uns die Kombination des vibrationsarmen Motors mit dem erstmals erhältlichen Sechsganghandschalter. Im Vergleich zum Fünfganggetriebe ist der erste Gang spürbar kürzer übersetzt, was das Anfahren im Stand oder das Ziehen schwerer Anhänger erleichtert; der „lange“ sechste Gang ermöglicht sparsame Autobahnfahrten mit gemäßigter Drehzahl. Neu und serienmäßig für alle Diesel ist der Berganfahrassistent, der einem akrobatische Übungen mit der Handbremse erspart: Das Anfahren an einer Steigung wird zum Kinderspiel, weil der Wagen zweieinhalb Sekunden ohne Zurückrollen auf der Stelle verharrt.

Richtig zugelangt hat Ford am oberen Ende der Modellpalette 2008. Zum einen gibt es zwei neue Schwerlastvarianten. Beim neuen FT 460 steigt die Nutzlast auf maximal 2,7 Tonnen. Damit sind mehr Um- oder Aufbauten möglich als bisher. Interessant ist das für Krankenwagen, Polizeivans oder Werkstattfahrzeuge. Ford will also zunehmend Spezialanwender für die Marke gewinnen. Zum anderen wird für die Transit mit Heckantrieb nun ein Fünfzylinder aus eigener Entwicklung angeboten. Seine Leistung von 200 PS schöpft der Common-Rail-Diesel aus einem Hubraum von 3,2 Litern.

Städter können derlei Werte getrost ignorieren. Aber wer Güter und Arbeit weit über Land zu den Kunden chauffiert, sollte eine Probefahrt wagen: Der stärkste Transit zieht seine Bahn mit beeindruckender Kraft (maximales Drehmoment 470 Newtonmeter) und bemerkenswerter Laufruhe, mehr noch, auf anspruchsvollen Strecken macht er dank speziell abgestimmtem Fahrwerk fast schon zu viel Spaß – den Wagen sollte vom Chef nur bekommen, wer genügend Abstraktionsvermögen hat, ihn so vernünftig zu fahren, wie es sich für einen Transporter geziemt.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar