Auto : Und jetzt nochmal von vorn

Zum ersten Mal gibt es einen Land Rover nur mit Frontantrieb – aber der Freelander hat trotzdem einiges zu bieten

Reiner Friedrich
In allen Lagen.
In allen Lagen.

Geänderte Ansprüche von König Kunde führten bei den traditionsbewussten Briten, nunmehr in indischer Hand, zum Tabubruch: Erstmals seit mehr als 60 Jahren kommt ein Land Rover ohne Allrad! Das neue Basismodell des 2011er Freelander verzichtet auf den bislang so geheiligten Antrieb aller vier Räder. Ein fast überfälliger Schritt, werden diese so beliebten SUV überwiegend artfremd gehalten: Wer fährt schon ins Gelände? Vielmehr sollen die dicken Dinger möglichst wenig saufen.

Wie Land Rovers neue Sparbüchse: Der Freelander eD4E mit 150 PS starkem Diesel wiegt 75 Kilogramm weniger als die Allradversion, ist 1700 Euro billiger als diese und verbraucht nur noch sechs Liter pro 100 Kilometer. Das bullige SUV, das wie ein zu heiß gewaschener teurer Range Rover auftritt, startet fortan bei genau 28 200 Euro. Damit ist dieser Landy sogar knapp 500 Euro günstiger als ein frontgetriebener VW Tiguan mit 140-PS-Diesel. Das Beste: Auch ohne das aufwendige Allradsystem Terrain Response mit den vielen elektrischen Fahrhilfsprogrammen für jeden Untergrund muss keiner Furcht haben, wenn er mit dem Fronttriebler mal vom Wege abkommen will. Denn auch der besitzt, wie der Allradler, 21 Zentimeter Bodenfreiheit, und auch er kann in 50 Zentimeter tiefem Wasser waten. Außerdem fährt er steilere Hänge hoch und runter, als man glaubt. Wir haben es ausprobiert.

Die äußeren Änderungen: vorn LED-Tagfahrlicht und eckige statt runde Einfassungen für die Nebelscheinwerfer, hinten andere Heckleuchten, innen geänderte Instrumente, neue Stoffe und Farbkombinationen. Wichtiger sind die verfeinerten Motoren. Der 233 PS starke V6-Benziner mit Sechsstufenautomatik dürfte hierzulande weiter in seiner teuren Nische bleiben – erst ab 38 000 Euro. Den 2,2-Liter-Turbodiesel gibt es jetzt in zwei Leistungsstufen: 150 PS (181 km/h Spitze; 11,7 s von Null bis Tempo 100; 6,0 Liter) und jetzt auch mit 190 PS (190 km/h Spitze; 9,5 s von Null bis Tempo 100; 7,0 Liter). Wir sind beide gefahren. Und? Der schwächere reicht! Nur er ist als günstige Frontantriebsversion zu haben. Bei der 190-PS-Maschine (erst ab 36 400 Euro) sind stets Allradantrieb sowie die weich schaltende Sechsstufenautomatik an Bord. Aber kein Start-Stopp-System, denn das gibt's nur in Verbindung mit der exakten Sechsgang-Handschaltung beim schwächeren Diesel!

Geblieben sind die Vorzüge: hohe Sitzposition, bequeme Sessel, viel Platz, komfortables Fahrwerk. Hinzu gekommen ist eine hörbar bessere Geräuschdämmung. Das alles gipfelt in einer stimmigen Ausgewogenheit, die diesen Freelander zu einem angenehmen, repräsentativen Reiseauto macht. Leider haben die Briten bei dieser Überarbeitung nicht diese unsinnige Start-Prozedur verändert: Erst Schlüssel in den Schlitz stecken, dann das Auto per Extraknopf starten. Das ist überflüssiger Kram ohne Tradition.

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