Auto : Und so geht Polo auf Spanisch

Wo steht geschrieben, dass Kleinwagen wie Einkaufskörbe auf Rädern aussehen müssen? Seat bringt heute den neuen Ibiza in die Läden. Mit dem fährt man gut – und günstig

Ingo von Dahlern

Für Autos, die nicht gut aussehen, sieht es schlecht aus. Denn neben den Verbrauchswerten bleibt das Design eines der wichtigsten Kriterien bei der Kaufentscheidung. Vor diesem Hintergrund kann man die Macher des neuen Seat Ibiza nur beglückwünschen. Denn das, was sie als vierte Generation ihres Brot-und Butter-Autos Ibiza auf die Räder gestellt haben, sucht in der Kompaktklasse seinesgleichen.

Nachdem schon Walter da Silva, ehemals Chefdesigner der Spanier, den lange Zeit recht biederen Modellen von Seat erste Gefühle eingehaucht hatte, ist es seinem Nachfolger, dem ehemaligen Lamborghini-Designer Luc Donckerwolke, nun gelungen, aus dem neuen Ibiza ein echtes Emotionsbündel zu machen: Ob man die aggressivere Front betrachtet, mit großem Lufteinlass und Motorhaube, die zusammen mit Leuchten und Grill eine Pfeilspitze bildet, die attraktiv gegliederten Flanken, das markante Heck oder Details wie die Scheinwerfer und die Rückleuchten – die Linie lässt keine Langeweile aufkommen. Im Inneren setzt sich das fort – so denkt man zum Beispiel bei den Rundinstrumenten eher an Alfa als an Seat. Emotion, bei Seat schon lange Programm, ist mit diesen Formen endlich Wirklichkeit geworden. Und damit haben die Spanier beste Voraussetzungen geschaffen, den Ibiza, der immerhin rund die Hälfte der Produktion ausmacht, in der neuen Variante zu einem Erfolgsmodell werden zu lassen.

Doch eine gute Form allein ist zu wenig, um die jungen und jung gebliebenen Kunden froh zu machen, die Seat ganz besonders im Visier hat. Und dass man in Sachen Qualität in der Vergangenheit einige Probleme hatte, ist kein Geheimnis. Beim Neuen scheint Seat die Lektion allerdings gelernt zu haben. Denn wir wissen zwar nicht, wie der Ibiza nach zehn oder zwölf Jahren dastehen wird, neu präsentiert er sich aber auf einem Qualitätsniveau, das eine ganze Klasse besser ist als gewohnt. Das gilt gleichermaßen für die Qualität der verwendeten Werkstoffe wie auch für die Oberflächen und die Verarbeitung. Das alles hat durchaus schon einen Hauch von Premium.

Das gilt auch für Technik unterm Blech des Ibiza, der als Fünftürer am heutigen Samstag zu den Händlern kommt. Denn mit ihm hat die neue VW-Plattform für Kompakte Premiere, auf der künftig auch der neue Polo gebaut werden wird. Und mit sieben Zentimetern mehr Länge, die nun 4,05 Meter erreicht, sieben Millimetern mehr Radstand und einer um 30 und 33 Millimeter breiteren Spur steht der Ibiza richtig satt auf der Straße. Ebenfalls ein Vorteil der leicht gestiegenen Außenmaße: Der Kofferraum ist um 25 auf 292 Liter gewachsen, wer alle Möglichkeiten nutzt, kann sogar bis zu 847 Liter Gepäck unterbringen.

Und er steht nicht nur satt, er bietet auch die dazu passende Dynamik. Es bereitet Freude, mit diesem Auto auch bei flotterer Gangart eine kurvige Straße anzugehen und zu spüren, wie sicher der Ibiza dem Straßenverlauf und den Kommandos seines Lenkers folgt. Man kann jederzeit fühlen, dass man ihn sicher im Griff hat. Wer es mit der passenden Motorisierung sportlich liebt, wird nicht enttäuscht. Aber auch wer ein solides und sicheres Alltagsauto sucht, sanfter aufs Gas tritt und mehr an gutem Fahrkomfort als an Kurvengeschwindigkeiten denkt, kommt beim Ibiza auf seine Kosten.

Damit das so ist, hat Seat ein breit gefächertes Motorenprogramm zusammengestellt. das den verschiedenen Interessen Rechnung tragen sollte: Bei den Benzinern beginnt das mit dem 1,2-Liter mit 70 PS, gefolgt vom 1,4-Liter mit 85 PS und einem 1,6-Liter mit 105 PS, den man durchaus schon sportlich bewegen kann. Alle drei Motoren wurden überarbeitet, sind mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert und emittieren dank gesenkter Verbrauchswerte weniger als 160 Gramm CO2 je gefahrenem Kilometer.

In der Leistung identisch mit dem stärksten Benziner, beim Anzug dank mehr Drehmoment (240 Newtonmeter) sogar spürbar flotter, ist der 1.9 TDI mit 105 PS, der als einziger Diesel zum Marktstart verfügbar ist. Der Motor verbraucht laut Hersteller durchschnittlich nur 4,5 Liter Diesel je 100 Kilometer und emittiert 119 Gramm CO2 pro km – ist also bedeutend sparsamer als der Benziner. Dem Diesel werden schon bald eine Variante mit 90 PS sowie der bereits vom Vorgänger bekannte 1,4-Liter-Turbodiesel mit 80 PS zur Seite treten – alle drei ausgestattet mit Partikelfilter.

Mit zu den geringen Verbrauchswerten aller Motoren trägt bei, dass es Seat gelungen ist, den Ibiza trotz größerer Dimensionen sogar um einige Kilo leichter zu machen – und das trotz deutlich gesteigerten Komforts. Zu den aktiven Sicherheitssystemen gehören ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, außerdem erstmals bei allen Versionen die Fahrdynamikregelung ESP mit Traktionskontrolle, die außerdem auch noch den Reifendruck überwacht. Ebenfalls integriert ist ein Berganfahrassistent. Bei den ersten Probefahrten konnte der bei einem Wendemanöver am Hang gleich beweisen, wie praktisch es ist, wenn der Wagen nach dem Lösen der Bremse noch zwei Sekunden lang festgehalten wird – und zwar sowohl vorwärts als auch rückwärts.

Neu bei der Ausstattung sind außerdem Abbiege- sowie Kurvenlicht für die Bi-Xenon-Scheinwerfer. Die Furcht vor engen Parklücken nimmt eine Einparkhilfe hinten. Und: Auch beim Ibiza sorgen nun AUX-in- und USB-Schnittstellen dafür, dass sich iPods, andere MP3-Player und USB-Massenspeichergeräte anschließen lassen. Für mobile Navigationsgeräte gibt es ein Anschlussmodul, außerdem eine ins Radio integrierte Bluetooth-Schnittstelle.

Bleibt die Frage nach den Preisen: Die sind in den drei Ausstattungsvarianten Reference, Stylance und Sport sogar um 800 Euro niedriger geworden. Inklusive Frühbucherrabatt beginnen sie nun bei 11 490 für den Dreitürer, der dem Fünftürer im Spätsommer folgt. Und auch damit sieht der Ibiza ziemlich gut aus.

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