Auto : Und tschüs – aber wie zahl’ ich den Neuen?

Kaum einer, der sich für die Abwrackprämie entschieden hat, zahlt bar. Ein Wegweiser durch den Finanzierungsdschungel

Ingrid Laue
255408_0_3813c522.jpeg
Presse-Freiheit. Vom treuen Begleiter auf allen Wegen zum handlichen Quader, so schnell kann’s gehen. Und die wenigsten haben...

Wer sich entschließt, ein Auto zu kaufen, hat mehrere Möglichkeiten, den Wagen zu bezahlen: Barkauf, Kredit von der Auto- oder Hausbank, Drei-Wege-Finanzierung (Ballonkredit) oder Leasing. Welche die günstigste Finanzierungsform ist, hängt von der persönlichen Situation ab – und lässt sich oft nur mit spitzem Bleistift ermitteln.

KAUF AUF KREDIT

Vor allem wenn der Absatz stagniert, werben Autobanken der Hersteller verstärkt mit ihren zinsgünstigen Darlehen. „Kaufinteressenten sollten sich jedoch nicht allzu schnell von den scheinbar supergünstigen Finanzierungsangeboten blenden und davon abhalten lassen, Alternativen durchzurechnen“, sagt Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Superkonditionen gelten meist nur für einige Modelle, deren Absatz gezielt gefördert werden soll. Verbraucher sollten dabei auch auf Kriterien wie Spritverbrauch, Kfz-Steuer und Versicherungskosten achten.

Dabei haben Autokredite vom Händler durchaus ihre Vorteile: Bereits im Auto salon kann der Kunde die Finanzierung unter Dach und Fach bringen. Doch oft trügt der Schein. Der Super-Effektivzins allein macht es nicht. Die Höhe der Anzahlung und die Laufzeit des Kredits sind genauso wichtig. Bei zehn Prozent Preisnachlass oder mehr auf den Kaufpreis ist ein Kredit von der Bank oder Sparkasse nicht viel teurer als die 1,9-Prozent-Finanzierung beim Autohändler.

Beim ersten Kontakt mit dem Autohändler sollte der Kaufinteressent übrigens am besten offen lassen, wie er es finanzieren will. Gut beraten ist, wer sich Möglichkeiten und Konditionen, wie Rabatte, Sonderausstattungen und Zugaben, vom Händler nennen lässt und dann geschickt und hartnäckig verhandelt und feilscht. Die verschiedenen Kreditangebote werden dann mit Hilfe des effektiven Jahreszinses verglichen. Der Effektivzins ist nämlich unter Berücksichtigung aller mit der Finanzierung zusammen hängen den Kosten ein Spiegelbild der realen Kosten, die auf den Käufer zukommen. Wer den Kredit über eine Restschuldversicherung absichern möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass diese Kosten bei der Berechnung des Effektivzinses berücksichtigt werden.

Nach den Erfahrungen der Stiftung Warentest bezahlt nur etwa ein Viertel der Autokäufer das Auto bar. Von denen, die eine Ratenzahlung wählen, entscheiden sich mehr als die Hälfte für eine Drei-Wege-Finanzierung (Ballonkredit). Hierbei entscheidet der Kunde am Ende der Laufzeit über Kauf, Weiterfinanzierung oder Rückgabe des Fahrzeugs. Für die monatliche Rate muss man nur halb so viel hinblättern wie bei einer klassischen Finanzierung. „Wer das Auto aber kaufen will, muss am Ende eine Schlussrate von 30 bis über 50 Prozent des Kaufpreises zahlen“, gibt Kerstin Backofen zu bedenken. Der Vergleich von Finanzierungsangeboten von 25 Autobanken für elf beliebte Neuwagenmodelle ergab, dass der Kunde sowohl mit dem klassischen Ratenkredit als auch mit der Drei-Wege-Finanzierung nicht viel mehr zahlt als beim Barkauf.

Wer seine Finanzierung nicht über den Autohändler machen möchte, kann sich das Geld auch von einer Bank oder Sparkasse leihen. Was im speziellen Fall günstiger ist, sollte sorgfältig geprüft werden. Beispiel: Die Herstellerbank bietet die Finanzierung für einen effektiven Jahreszins von 3,9 Prozent an (Laufzeit 36 Monate). Verlangt die Hausbank dagegen neun Prozent, muss der Kunde einen zusätzlichen Rabatt von sieben Prozent auf den Kaufpreis herausschlagen. Verlangt die Hausbank statt neun Prozent Zinsen nur sieben Prozent Zinsen, reicht ein Rabatt von vier Prozent aus.

AUTO-LEASING

Eine andere Art der Finanzierung ist das Leasing. Dabei erwirbt der Kunde im Unterschied zum Käufer kein Eigentum am Auto. Er erhält gegen monatliche Mietzahlung lediglich ein Nutzungsrecht und wird im Kfz-Brief als Halter des Autos geführt. Wartung und Reparaturen gehen stets auf seine Rechnung. Die Händler werben vor allem mit der niedrigen Monatsrate. „Sie beträgt oft nur ein Drittel der Rate für eine klassische Finanzierung“, sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Das Fahrzeug bleibt Eigentum der Leasinggesellschaft. Nach Ablauf des Leasingvertrages gibt der Leasingnehmer das Fahrzeug an den Händler zurück. Der vom Kunden insgesamt zu zahlende Betrag setzt sich zusammen aus einer häufig zu Beginn zu entrichtenden Sonderzahlung (meist 20 bis 30 Prozent des Neuwagenpreises) und den monatlichen Raten, in die neben Nutzungsgebühren Kreditzinsen, Verwaltungskosten und der Gewinn der Leasinggesellschaft einfließen.

Autoleasing ist dann günstig, wenn der Leasingnehmer das Fahrzeug auch oder überwiegend geschäftlich nutzt. Kalkulierbarkeit der Kosten, der neueste Stand der Technik, Liquidität und steuerliche Gesichtspunkte sind für diese Entscheidung maßgebend. Für Privatpersonen lohnt sich Leasing aus steuerlicher und finanzieller Sicht eher nicht. Doch wer die Vorteile, wie beispielsweise die niedrigen Raten, wenig Reparaturen bei Neuwagen und die Möglichkeit, alle zwei bis drei Jahre auf ein neues Modell umzusteigen, schätzt, kann Leasing in Erwägung ziehen.

Dabei haben sich zwei Vertragsarten durchgesetzt: Vertrag mit Übernahme des Restwertrisikos und Vertrag auf Basis einer Kilometerabrechnung. Bei der Vertragsvariante mit Übernahme des Restwertrisikos und Mehrerlösbeteiligung wird der kalkulierte Gebrauchtwagenwert (Restwert) dem tatsächlichen Wert des Fahrzeugs bei Ende des Vertrages gegenübergestellt. Liegt der Wert des Autos bei seiner Rückgabe über dem bei Vertragsbeginn veranschlagten Wert, erhält der Leasingnehmer einen vertraglich festgelegten Prozentsatz des Mehrerlöses zurück (was jedoch selten vorkommt). Ist das Auto allerdings weniger wert, als veranschlagt wurde, muss der Leasingnehmer für die Differenz bis zu 100 Prozent aufkommen. Wer sich für diese Variante entscheidet, sollte das Risiko bedenken. Bei einem Leasingvertrag mit Kilometerabrechnung ist die finanzielle Gesamtbelastung genau kalkulierbar: Der Leasingnehmer gibt das Fahrzeug bei Vertragsende einfach dem Händler zurück. Er rechnet lediglich eventuelle Mehr- oder Minderkilometer ab. Ist das Auto jedoch in einem Zustand, der nicht dem Alter und der Fahrleistung entspricht, beschädigt oder nicht mehr verkehrssicher, wird der Leasingkunde zur Kasse gebeten.

Kompliziert wird allerdings der Preisvergleich zwischen den unterschiedlichen Finanzierungsvarianten für das Leasing. Denn hier steht der Kunde am Vertragsende ohne Fahrzeug da. Daher müssen nicht nur die Sonderzahlung und die Höhe der Raten berücksichtigt werden, sondern auch der Restwert des Autos nach Ablauf der Leasingzeit. Je nach Vertragsgestaltung kann der Restwert schon im Leasingvertrag festgeschrieben werden. Die Regel ist das nicht. Um Leasing mit Kredit- und Barkauf vergleichen zu können, wird unterstellt, dass der Kunde nach Vertragsablauf ein vergleichbares Gebrauchtfahrzeug auf dem freien Markt erwirbt. Hierzu muss er selbst anhand der einschlägigen Schätzlisten (DAT, Schwacke) einen realistischen Gebrauchtwagenpreis ermitteln.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar