Unterwegs mit dem Kia Soul : Jenseits der Öffentlichen

Autofahren ist in Berlin nichts für Zartbesaitete und oft auch wenig sinnvoll, weil man am Ende mit Bus und Bahn doch schneller unterwegs ist. Dennoch hat sich unser Autor als überzeugter BVG-Kunde auf den Weg gemacht, nach langer Zeit die Stadt mal wieder auf vier Rädern zu erkunden.

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Die markante Frontansicht vom Kia Soul.
Die markante Frontansicht vom Kia Soul.Foto: Kia

Seit fünf Jahren bin ich nicht mehr Auto gefahren, und der letzte Wagen, den ich besaß, war ein Audi100 aus dem Jahr 1989. Eine tolle Limousine mit vielen Extras, wie Klimaautomatik, elektrischen Fensterhebern und Außenspiegeln. Aufgrund der vollverzinkten Karosserie waren so gut wie keine Rostspuren zu erkennen und der Lack glänzte zum Teil noch besser als bei vielen neueren Autos. In Sachen Aerodynamik war Audi ebenfalls ein Vorreiter, eben eine Avantgarde seiner Epoche.

Andauernder Ärger mit Parkplätzen, den Knöllchen und natürlich den überteuerten Spritpreisen veranlasste mich später, die nicht immer zuverlässigen Öffentlichen zu nutzen. Auch nervte mich eine ganz besondere Spezies im Straßenverkehr: Die "Ich-Hab-Immer-Vorfahrt-Radfahrer".

Und nun soll ich ein modernes Auto testen –  mich 10 Tage lang ohne Bus und Bahn durch den Großstadtdschungel Berlins schlängeln. Vergleiche wie, in Istanbul oder Madrid sei es wesentlich chaotischer Auto zu fahren, als in Berlin, machen wenig Mut. Ich bin gespannt, ob sich Strafzettel- und Parkplatzprobleme in Grenzen halten und Nerven wie Geldbeutel geschont werden.

Ins kalte Wasser

Zunächst habe ich mir vorgenommen, mich in dieses Auto zu setzen - ohne Handbuch oder Infomaterial zu studieren - und mich von dem Wagen überraschen zu lassen. Noch etwas bedacht gehe ich auf ihn zu, ein Kia Soul. Die wichtigsten Funktionen, um dieses Gefährt sicher zu navigieren, sollten ja auch ohne Anleitung funktionieren.

Von außen wirkt dieser Kia Soul erst einmal sehr markant. Die kastenförmige Karosserie erinnert an einen kleineren Jeep – Suzukis Jimny kommt mir als erstes in den Sinn. Auch die recht großen Reifen, der höhergestellte Sitz und der hohe Innenraum verstärken das Gefühl von einem geländetauglichen Wagen. Meine Beifahrerin hätte Ihre unter dem Hut getarnte Haarpracht ohne Probleme ausbreiten können. Auch auf der Rückbank sitzt man zu zweit angenehm bequem und erhält denselben Eindruck von Geräumigkeit wie Fahrer und Beifahrer.

Der Start und Stop-Button: Kupplung treten, Knopf drücken und los geht es.
Der Start und Stop-Button: Kupplung treten, Knopf drücken und los geht es.Foto: Kia

Der schlüssellose Start war mir neu. Kupplung treten, Knopf drücken und los geht’s – super. Unmittelbar nach dem Anfahren verriegeln sich die Türen im Rückraum, was hilfreich ist, wenn man seine Kleinsten chauffiert. Aufgrund der angenehmen Höhe und der großzügigen Außenspiegel kann man den Verkehr besonders übersichtlich verfolgen. Als dann ein weißer VW-Touareg auf der linken Spur an mir vorbeizieht, relativierte sich das Jeep-Gefühl doch wieder fix. Trotzdem erhält man, aufgrund des kompakten und dennoch geräumigen Innenraums des Kia Soul, ein angenehmes Gefühl von Sicherheit im Verkehr und Komfort beim Fahren.

Rückwärtsfahren ohne nach hinten zu schauen

Dann geht es ans Parken. Die Lücken müssen nicht sonderlich groß sein. 4,12 Meter misst der Kleine lediglich. Nach gut 15 Minuten Suche am Askanischen Platz finde ich dann endlich einen Parkplatz. So, rein in die Lücke, denke ich mir und bin plötzlich positiv überrascht, als ich beim Einlegen des Rückwärtsganges in der linken Hälfte des Rückspiegels sehe, was hinter dem Wagen passiert.

Im unteren Heckbereich überträgt eine Videokamera Signale auf das im Spiegel integrierte Display. Die Distanz zu einem Hindernis wird dabei in drei Farbzonen markiert. Gemeinsam mit einem schneller werdenden, dezenten Piepton, ausgelöst durch Parksensoren am Heck, ist somit das Einparken ein audiovisuelles Kinderspiel. Eine wirklich feine Sache solch eine Einparkhilfe.

So, jetzt noch abschließen und auf in die Redaktion. Hierfür bekam ich eine Fernbedienung in Form eines Zippo-Feuerzeugs. Einen physischen Schlüssel gab es nicht, auch nicht eingeklappt. Nachdem ich den Schließen-Button gedrückt habe, vergewissere ich mich noch einmal, ob auch wirklich alles abgeschlossen ist. Vorne alles super, hinten auch, nur die Heckklappe lässt sich immer wieder öffnen. Na gut, alles noch mal von vorn, denke ich mir. Aufmachen, Zuschließen, vorne gut, hinten gut – Heckklappe: nicht gut. Nun bin ich etwas verunsichert. Ich rufe die Kia-Hotline an, doch die können mir nicht helfen – außer bei einem Schadensfall, heißt es. Man benötigt bei Kia anscheinend eine Anleitung zum Verriegeln des Automobils. Toll!

Unseren Autoexperten vom Tagesspiegel erreiche ich nicht, also gehe ich mit einem unguten Gefühl in den Newsroom. Der Parkplatz ist glücklicherweise in Sichtnähe. Aus dem Redaktionsfenster kann ich so immer wieder beobachten, ob der Wagen noch steht. Meine geschätzten Redaktionskollegen bemerken meine prüfenden Fensterblicke nicht. Sie hätten sich sonst sicherlich einen Spaß daraus gemacht, mich immer wieder ans Fenster zu rufen.

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