Unwetter im Auto : Sturm und Starkregen trotzen

Starkregen, Sturmböen, Hagelschlag: Extreme Wetterlagen können Autofahrer schnell in Gefahr bringen. Schlechte Sicht und Aquaplaning erhöhen das Unfallrisiko. Wer das Tempo rausnimmt und achtsam fährt, bleibt in der Spur.

Claudius Lüder
Fuß vom Gas: Starker Regen kann die Sicht stark beeinträchtigen.
Fuß vom Gas: Starker Regen kann die Sicht stark beeinträchtigen.Foto: dpa

Bützow am 5. Mai 2015: Ein Tornado fegt durch die Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Etliche Häuser werden abgedeckt. Umherfliegende Ziegel beschädigen Autos, mehrere Fahrzeuge werden von der Straße geschoben und eines sogar 70 Meter weit durch die Luft geschleudert. Zwar sind diese Wirbelstürme hierzulande vergleichsweise selten, doch die Extremwetterlagen haben zugenommen.

Auf schnelle Wetterwechsel müssen auch Autofahrer gefasst sein. „Ein plötzlicher Starkregen kann in Sekunden zu Aquaplaning führen und das Auto aufschwimmen lassen“, warnt der Meteorologe Meeno Schrader vom Wetterdienst WetterWelt. Bei Aquaplaning hilft nach Angaben des Automobilclub Kraftfahrer-Schutz (KS) nur noch eins: Lenkrad gerade und Kupplung raus. Dann fährt das Auto zumindest geradeaus.

Durch Unwetter überschwemmte Straßen meiden

Regelrecht überschwemmte Straßen sollten nicht achtlos durchfahren werden. Wasser im Innenraum oder auch im Motor gehört nach Hochwassern zu den häufigsten Schadensbildern, weiß der Automobilclub ACE. Denn obwohl ein Auto gegen Regen geschützt ist, wasserdicht ist es nicht.

Nach Daten der Rückversicherung Munich Re hat sich die Zahl der Sturmereignisse in Deutschland in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Entsprechend ist die Schadensbilanz der Versicherer. „Im Jahr 2013 haben Hagelschauer und Stürme 635 000 Pkw beschädigt und dabei Kosten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro verursacht“, sagt Tibor Pataki vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Wer eine längere Autofahrt plant, sollte sich bereits vorab über die Wetterbedingungen auf der Route informieren. „Im Internet gibt es hierzu verschiedene Dienste, zudem gibt es auch Apps, die automatisch vor regionalen Unwettern warnen“, sagt Constantin Hack vom ACE. Meteorologe Meeno Schrader rät von Online-Diensten eher ab und empfiehlt das Radio: „Die Wettervorhersagen der öffentlichen Rundfunksender werden laufend aktualisiert und sind regionalisiert.“

Starkregen, Sturm oder Nebel: Geschwindigkeit anpassen!

Zwar ist nicht jeder schnelle Wetterumschwung genau vorhersehbar, aber es gibt Regionen, in denen plötzlicher Starkregen eher auftreten kann. „Dort, wo die thermischen Gegensätze besonders groß sind, ist die Gefahr am größten, dass es zu einem schnellen Umschlagen kommt“, sagt Meteorologe Schrader. Dies treffe beispielsweise auf bergige Regionen zu, aber auch bei Talsenken.

Wer mit dem Auto in extremes Wetter mit Starkregen, Sturm oder Nebel gerät, sollte keinen falschen Ehrgeiz entwickeln. Autofahrer passen besser ihre Geschwindigkeit an die Sichtverhältnisse und den entsprechenden Bremsweg an. Laut Constantin Hack gilt auch: „Bei starkem Wind sollten Brücken und Straßen durch Wälder gemieden werden.“ Denn hier können Autofahrer durch plötzlichen Seitenwind und umherfliegende Äste schnell aus der Spur geraten.

Wer den Schaden hat: Wird das Auto von einem entwurzelten Baum beschädigt, zahlt in der Regel die Teilkasko.
Wer den Schaden hat: Wird das Auto von einem entwurzelten Baum beschädigt, zahlt in der Regel die Teilkasko.Foto: dpa

Kommt es auf der Autobahn zu einem plötzlichen Wetterumschwung, nehmen Autofahrer am besten das Tempo raus. „Bei Starkregen oder Hagel ist das häufig eine Reduzierung auf 60 bis 30 km/h“, rät Schrader. Die Autofahrt komplett stoppen und mit dem Wagen auf dem Standstreifen stehen bleiben, ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. „Hier muss ein zwingender Grund vorliegen, wie beispielsweise Glatteis“, sagt Hack. „Die Rechtsprechung spricht von „völlig irregulären Verhältnissen“, wozu Extremwetterlagen ebenso zählen wie ein Falschfahrer.“

Nebelschlussleuchte erst bei Sichtweiten unter 50 Metern

Werden die Sichtverhältnisse extrem schlecht, sollten Autofahrer zudem rechtzeitig die Nebelschlussleuchte einschalten. Als Faustregel gelten Sichtweiten unter 50 Metern - egal ob Starkregen, Nebel oder Schnee. Dann ist auch auf Autobahnen höchstens Tempo 50 erlaubt, so der ADAC. Eine gute Orientierung bei schlechter Sicht sind die Leitpfosten mit Reflektoren am Fahrbahnrand, die im Abstand von 50 Metern aufgestellt sind.

Legt der Wind extrem zu, sind Autofahrer mit Dachaufbauten wie einem Fahrrad und auch Wohnmobile und Gespanne besonders gefährdet, denn sie bieten eine größere Angriffsfläche. „Bereits ab Windstärke 5 gilt besondere Vorsicht“, so ACE-Mann Hack. Ist noch stärkerer Wind zu erwarten, sollten Autofahrer darüber nachdenken, lieber die Fahrt zu verschieben oder den Aufbau zu entfernen. „Bei orkanartigem Sturm sollte man generell nicht mehr mit einem Dachgepäckträger oder Fahrradträger unterwegs sein“, empfiehlt Hack.

Blitz und Donner weniger gefährlich

Bei Gewittern sind Blitz und Donner weniger gefährlich. Ein Auto kann vom Blitz nicht beschädigt werden, da die Karosserie einen so genannten Faradayschen Käfig bildet, der die Energie in den Boden ableitet. Hagelkörner, Steine oder entwurzelte Bäume jedoch können erheblichen Schaden am Auto anrichten. Die Kosten werden in der Regel durch die Teilkasko-Versicherung abgedeckt. „Diese ersetzt alle Schäden am eigenen Auto, die unmittelbar durch ein Unwetter verursacht werden“, sagt Tibor Pataki vom GDV.

Wenn das Auto in der Garage steht und durch Hochwasser beschädigt wird, kommt ebenfalls die Versicherung auf. „Mittelbare Sturmschäden, wenn etwa ein abgerissener Ast erst Stunden oder Tage später von einem Baum fällt und ein darunter parkendes Auto beschädigt, übernimmt die Vollkaskoversicherung“, erklärt Pataki. Nur wenn der Fahrer grob fahrlässig handelt und er das Auto trotz Warnung im Hochwassergebiet abstellt, bekommt er lediglich einen Teil des Schadens erstattet. Wenn der Wagen absichtlich im angekündigten Flutgebiet geparkt wird, geht der Fahrer leer aus. „Bei Vorsatz zahlt der Versicherer nicht“, so Pataki. (dpa)

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