Unzerstörbar : Mercedes: Autos für den Weg zum Mond

Er läuft und läuft und läuft. Mercedes zeigt Wagen, die mehr als eine Million Meilen geschafft haben.

Kai Kolwitz

Wie viele Kilometer mag das durchschnittliche Auto in seinem Leben schaffen? 120.000? 180.000? Egal – die Besitzer der drei Fahrzeuge, die bis November in der Mercedes-Niederlassung am Salzufer zu sehen sind, dürften da gerade erst die Einfahrvorschriften aus der Hand gelegt haben: Jeder einzelne Wagen hat mindestens eine Million Meilen auf dem Tacho, gut 1,6 Millionen Kilometer.

Oder sogar noch viel mehr: Auf unfassbare 4,6 Millionen Kilometer bringt es der blau-weiße Mercedes 200 Diesel. Kein Blechteil unverbeult, die Endspitzen vom Rost zerfressen, das Heck nach mehreren schweren Einschlägen merklich nach unten geknickt und auf den zwei Seiten unterschiedlich lang. Mehr als 28 Jahre lang hat Grigorios Sachinidis mit dem gebraucht gekauften Diesel sein Brot verdient, als Taxifahrer in Athen. Sachinidis schenkte dem Wagen nichts, reparierte alles, was anfiel. Elf Mal wurde der Motor getauscht, trotzdem kamen nur Komponenten von drei Aggregaten zum Einsatz – seine Maschinen bastelte der Schrauber aus dem, was am besten in Schuss war. Nur weil irgendwann Klimaanlagen Pflicht wurden, musste das Taxi seinen Dienst quittieren – und Mercedes nahm den Millionenwagen zurück.

Dagegen sieht Kandidat zwei aus wie ein junger Gebrauchter. Die Langversion des 250D ist Baujahr 1991 und diente einem Chauffeur-Service im finnischen Oulu. Offenbar fielen öfters Langstrecken an, doch die finnischen Winter haben dem Diesel wenig anhaben können. Zwar stimmen die Spaltmaße der Motorhaube nicht mehr ganz. Aber sonstige optische Mängel? Fehlanzeige. Selbst die Polster sehen aus, als hätten sie erst ein Zehntel der Strecke hinter sich gebracht. Das gilt auch für den Kandidaten Nummer drei, der als Einziger in privaten Händen war: 34 Jahre lang gehörte der Mercedes 280SE einem deutschstämmigen Ehepaar in den USA. Anno 1970 hatten es sich die beiden nicht nehmen lassen, ihren Wagen persönlich in Sindelfingen abzuholen. Und auch sonst lässt einiges darauf schließen, dass die beiden ihre Wurzeln nie vergessen haben. An der Stoßstange hängt immer noch das deutsche Zollkennzeichen und den Kühler schmücken Plaketten – von 1860 München und Borussia Dortmund.

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