Urlaub mit dem Auto : Ich baue mir ein Wohnmobil

Um ein Fahrzeug in ein Wohnmobil zu verwandeln, erfordert es Geschick, Zeit und technische Prüfungen. Danach aber können Camper bei der Steuer und der Versicherung sparen - und die Freiheit im rollenden Heim genießen.

Fabian Hoberg
Bleibe aus eigener Hand: Autofahrer können einen Sprinter mit handwerklichem Geschick und Geduld zu einem gemütlichen Wohnmobil ausbauen.
Bleibe aus eigener Hand: Autofahrer können einen Sprinter mit handwerklichem Geschick und Geduld zu einem gemütlichen Wohnmobil...Foto: dpa

Unterwegs in den eigenen vier Wänden: Für viele ist es ein Traum, mit einem Wohnmobil zu reisen, das sie selbst gebaut haben. „Grundsätzlich kann fast jedes Fahrzeug zum Wohnmobil umgebaut werden“, sagt Tim Rüttgers vom Caravaning Industrie Verband (CIVD). „Es gibt Bausätze, die selbst aus dem kleinsten Pkw ein Ein-Mann-Wohnmobil machen.

Mit handwerklichem Geschick

Als Basisfahrzeug eignen sich Nutzfahrzeuge, Kastenwagen, Kleinbusse oder Transporter. Dazu zählen Modelle wie Ford Transit, Mercedes Sprinter, Nissan Primastar, Opel Vivaro, Renault Trafic und die VW-Bullis T3, T4 und T5. Auch lassen sich Lkw zum Wohnmobil umbauen. „Einschränkungen bei Alter und Leistung gibt es im Prinzip keine, solange das Fahrzeug für die individuellen Ansprüche ausreichend motorisiert und für das zusätzliche Gewicht ausgelegt ist“, sagt Tim Rüttgers.

Schnell eingebaut: Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der Ladebereich eines Transporters in eine rollende Küche.
Schnell eingebaut: Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der Ladebereich eines Transporters in eine rollende Küche.Foto: dpa

Unabdingbar für den Umbau ist vor allem eins: handwerkliches Geschick. Neben Karosserie- und Holzarbeiten verlangt der Einbau der Flüssiggasanlage und der Elektroinstallation Fachkenntnisse, da diese nach einschlägigen Normen verbaut werden müssen. Wer sich die Arbeit mit Holz, Wasser und Gasleitungen nicht zutraut, kann sich helfen lassen. Einige Unternehmen wie Woelke, Dopfer und Joko haben sich auf den Umbau von Kastenwagen in Wohnmobile spezialisiert.

Eine gute Planung ist die halbe Miete

„Vor dem Umbau sollten sich die Besitzer Gedanken darüber machen, wie das Fahrzeug genutzt werden soll“, sagt Tim Rüttgers. Auch das voraussichtliche Leergewicht mit Aufbau und die Mindestzuladung spiele eine Rolle. Ist ein entsprechendes Lastenheft erstellt, sind weitere Fragen zu klären: Wo steht das Fahrzeug während des Umbaus? Ist das passende Werkzeug vorhanden? Welches Budget steht für Arbeiten zur Verfügung, die von einem Fachmann ausgeführt werden sollen? Einige Tipps bieten zum Beispiel die Internetseiten wohnmobil-selbstausbau.com und campingbusausbau.de.

Auf engstem Raum: Beim Umbau vom Transporter zum Wohnmobil ist handwerkliches Fingerspitzengefühl gefragt.
Auf engstem Raum: Beim Umbau vom Transporter zum Wohnmobil ist handwerkliches Fingerspitzengefühl gefragt.Foto: dpa

Bei einem Umbau sind vor allem die Sitzplätze wichtig. Ein leerer Kastenwagen hat meist nur im vorderen Bereich Sitzgelegenheiten. „Genügt das nicht, sollte man vorher klären, ob im hinteren Teil des Kastenwagens Sitze mit Gurten verbaut werden können“, sagt Lothar Angermund vom ADAC. Informationen gebe es bei technischen Prüforganisationen wie dem Tüv oder der Dekra oder beim jeweiligen Fahrzeughersteller.

Die gesetzlichen Hürden

Der ADAC-Experte Angermund rät grundsätzlich, die Umbauarbeiten mit einem Tüv-Ingenieur zu besprechen. „Der ist dann nach dem Ausbau auch für die Zulassung als Wohnmobil zuständig.“ Durch den Umbau eines Fahrzeugs zum Wohnmobil ändert sich die Fahrzeugart, und die vorherige Betriebserlaubnis erlischt. Einfach eine Matratze und einen Kocher auf die Ladefläche zu legen und das Fahrzeug Wohnmobil zu nennen, akzeptiert der Gesetzgeber nicht.

Ein Fahrzeug ist laut Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) erst dann ein Wohnmobil, wenn es als Unterkunft geeignet ist. Der Gesetzgeber verlangt in der Rahmenrichtlinie 2007/46/EG eine Mindestausstattung: Eine Sitzgelegenheit mit Tisch, Schlafplätze, wobei auch Sitzgelegenheiten, die zu Schlafplätzen umgebaut werden können, anerkannt werden sowie einen Schrank oder einen anderen Stauraum. Der Tisch darf leicht demontierbar sein.

Entspannt am Ziel: Nach dem Umbau können Wohnwagen-Camper ihr fahrendes Heim endlich genießen.
Entspannt am Ziel: Nach dem Umbau können Wohnwagen-Camper ihr fahrendes Heim endlich genießen.Foto: dpa

Spüle, Gaskocher und Abwasserführung sind zulassungsrechtlich nicht gefordert. Statt eines Gasherdes kann auch ein Elektroherd montiert werden. „Die Einrichtung muss fest eingebaut sein und alle Sitzplätze, die während der Fahrt benutzt werden, müssen den Vorschriften der StVZO genügen“, sagt Philipp Schreiber vom TÜV Süd.
Wird eine Zusatzheizung montiert, ist eine Bauartgenehmigung Pflicht. Bei einer Flüssiggasheizung ist zusätzlich eine Gasprüfbescheinigung erforderlich.

Versicherungen und Zulassungsstellen erkennen einen Pkw oder Lkw erst als Wohnmobil an, wenn die Fahrzeugart von einem Sachverständigen in „Wohnmobil“ oder „Sonder-Kfz“ geändert wurde. Danach prüft das Finanzamt das Fahrzeug: Wenn die Bodenfläche des Wohnteils den überwiegenden Teil der Nutzfläche abdeckt und der Kocher fest eingebaut ist, wird das fahrbare Heim als Wohnmobil besteuert. Erfüllt es lediglich die zulassungsrechtlichen Anforderungen, gilt es weiterhin als Pkw und wird damit nach Hubraum und Schadstoffausstoß besteuert. Die Kfz-Steuer für Wohnmobile errechnet sich dagegen aus dem Schadstoffgehalt und dem Gesamtgewicht und ist meist niedriger.

Auch bei der Versicherung können Camper sparen. Für Wohnmobile haben die Gesellschaften andere Schadenfreiheitsrabattstufen eingeführt. Die Versicherungswirtschaft geht davon aus, dass ein Wohnmobil seltener im Straßenverkehr fährt als ein Pkw - und dadurch weniger Schäden verursacht. Das Reisen mit dem eigenen Wohnmobil ist eben auch ein vergleichsweise günstiges Vergnügen. (dpa)

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