Auto : V8 pur: Der Letzte seiner Art

Die Würdigung eines verdienten Saugers

Hier hat ein sehr lebendiger Charakterdarsteller die letzte Wirkungsstätte gefunden für seine hohe Kunst. Und die werden Kundige in der nächsten Spielzeit schwer vermissen. Vorhang auf: Im nächsten Coupé der C-Klasse (so ab 2017) wird es diesen famosen V8 nicht mehr geben. Ihn ersetzt ein 5,5-Liter V8 mit Direkteinspritzung und Biturboaufladung, der es auf 555 PS sowie 800 Newtonmeter bringt, und der dennoch 25 Prozent weniger verbraucht. Die 6,2-Liter-Maschine ist umwelttechnisch ausgereizt. Dem hochdrehenden Sauger fehlen sowohl spritsparende Direkteinspritzung als auch Turboaufladung, die Hubraum ersetzen können.

Der Sauger lebt einfach gut mit seinem großen Hubraum, dem perfekte Technik zu einer Leistungsausbeute verhelfen, die einmalig ist. Nicht von ungefähr erhielt dieser V8 den Titel „Engine of the Year 2010“. Die bloßen Werte – 457 PS und 800 Newtonmeter maximales Drehmoment – können nicht im entferntesten die Faszination beschreiben, die von dem AMG-Triebwerk ausgeht, wenn es richtig losgelassen wird im 72 590 Euro teuren C 63 AMG. Der V8 klingt betörend, ist saustark, aber leider auch trinkfest (es können schon mal bis zu 20 Liter werden).

In Verbindung mit der AMG Siebengang-Sportautomatik, die mit nur 100 Millisekunden Schaltzeit die Gänge schneller wechselt als jeder Profi, sind atemberaubende Touren möglich. Vom Topmodell SLS hat das C-Klasse Coupé den Controlled-Efficieny-Fahrprogramm-Regler bekommen. Dieser Drehknopf auf der Mittelkonsole hat eine ähnliche Funktion wie der berühmte kleine rote Manettino-Hebel im Ferrari-Lenkrad. Damit lässt sich aus dem AMG-Mercedes von einer Sekunde auf die aus einem alltagstauglichen Auto ein gnadenloser Racer zaubern. Kaum zu glauben. Das dürfte die meisten BMW-M3-Fahrer grün vor Neid werden lassen. Rotzig brüllt der AMG-V8, brutal drischt der Hecktriebler durch die Kurve. Dabei mit solcher einer beängstigenden Stabilität, dass man plötzlich an überirdische Kräfte glaubt.

Jeder AMG-Motor trägt eine Plakette mit dem Namen des Mechanikers, der ihn allein zusammengebaut hat. Der 6,2-Liter wird einen Ehrenplatz im Museum in Affalterbach bekommen. rr

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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