Auto : Viel Heck weg – der neue 7er

Der 730d ist der Einstieg in BMWs automobile Oberklasse. Und er zeigt, dass Sparsamkeit Spaß machen kann.

Kai Kolwitz

Die lange Front? „Die Ikone.“ Der Fahrgastraum? „Das Greenhouse.“ Auch von Skulptur ist die Rede, von Bändern und Spannungslinien – wenn Autodesigner anfangen, ihre Kreationen zu erklären, dann lernt man häufiger Wörter kennen, die man in diesem Zusammenhang noch nie gehört hat. Das andere Ende der Wahrnehmungsskala liefert der Polizist, der uns im neuen 7er herauswinkt: „Ist hier ein BMW-Treffen in der Nähe?“, fragt er angesichts des hohen Aufkommens neuer bayerischer Autos auf seiner Straße. Dass er uns in einem Wagen kontrolliert, den es eigentlich noch gar nicht gibt, darauf müssen wir ihn erst hinweisen. Sonst wäre es ihm nicht aufgefallen.

Dazu muss man sagen: Er hatte den Wagen nur von vorn gesehen. Und da ist zwar die BMW-Niere um einiges gewachsen, eine komplett neue Formensprache hat der 7er allerdings nicht zu bieten. Man hat ihn geglättet, harmonischer gestaltet und vor allem dem Heck einen weniger polarisierenden Schnitt gegeben. Insgesamt wirkt der neue damit deutlich stimmiger als sein Vorgänger. Wuchtig ist er aber immer noch – im Verhältnis zur Stuttgarter Konkurrenz ein Auftritt wie CSU zu CDU.

„Ein 7er muss ein Statement abgeben“, heißt es dazu vom Hersteller, in optischer wie in technischer Hinsicht. Und auch Letzteres ist BMW definitiv gelungen: Zwar kann man, ebenso wie Mercedes, erst im kommenden Jahr mit einem Hybridmotor aufwarten. Dafür zeigt man mit dem Diesel im 730d, warum es den Zwitterantrieb gar nicht mal so unbedingt bräuchte: Denn nur 7,2 Liter reichen dem 1,9-Tonnen-Schwergewicht, um 100 Kilometer weit zu kommen – zwar nach Werksangaben, aber bei entspannter Überlandfahrt durchaus reproduzierbar. In Sachen CO2 bedeutet das einen Wert, der nur um zwei Gramm über dem des Stuttgarter Hybriden liegt – verbrauchsmäßig ist man sogar drunter. Man kann den 7er auch mit zwei Benzinern mit 326 und 407 PS bekommen. Aber muss man? Zumal der Diesel mit 69 500 Euro auch der billigste 7er ist.

Und bei den Fahrleistungen vermisst man die stärkeren Brüder nicht wirklich: Souverän überlegen ist der 730d auch bei hohen Autobahntempi unterwegs, Grenzen spürt man keine, dazu kommt eine derart gute Abschottung vor Außengeräuschen, das man sich eher wie in seinem privaten Raumschiff als auf einer öffentlichen Straße fühlt. Da ist es gar nicht dumm, dass der 7er per Kamera Tempolimits ins Head-up-Display einspiegeln kann. Nur mit Zusatztafeln („bei Nässe“) und Ortseingangsschildern tut sich das System noch schwer. In die Kategorie „Warum hat es das nicht längst schon gegeben?“ fallen dagegen die beiden Kameras vorn in den Kotflügelkanten, die an unübersichtlichen Ausfahrten nach links und rechts schauen und die Ergebnisse im Monitor anzeigen können. Blindes Hineintasten in den Straßenverkehr hat sich damit erledigt. Totwinkel- und Spurhalteassistent hat der 7er auch an Bord, in der Langversion finden sich hinten Luftfederung und Massagesitze.

Alles in allem ist der neue 7er damit ein Wagen geworden, der sehr, sehr gelassen macht. Was nicht im Gegensatz zur BMW-typischen Fahrdynamik steht. Denn wer die will, findet auch dafür die Zutaten im Siebener. Die in vier Stufen einstellbare Fahrwerksabstimmung etwa, die selbst im Komfortmodus kurze Wischer im Heck zulässt und Kurvengeschwindigkeiten erlaubt, die so gar nicht zur Anmutung des Wagens passen wollen – nennen wir sie mal defensiv „große Sicherheitsreserven“. Wer noch ein paar Euro übrig hat, kann sie außerdem in mitlenkende Hinterräder investieren, die bei kleinen Geschwindigkeiten die Wendigkeit verbessern und bei hohen Tempi den Wagen stabilisieren.

Ebenfalls ein Schritt nach vorn und ein angenehmes Feature für den gestressten Manager ist die Tatsache, dass sich vom BMW aus ins Internet gehen lässt. Und auch das iDrive-Bedienungssystem hat man abermals überarbeitet und auf einen Stand gebracht, der eigentlich keine Beschwerden mehr zulässt. Sogar eine Bedienungsanleitung findet sich nun im System – man kann also im iDrive nachschauen, wie das iDrive funktioniert.

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