Vier Pfoten auf vier Rädern : Hunde sicher im Auto mitnehmen

Hund in den Kofferraum laden und los: Das macht viele Vierbeiner zu einem Nervenbündel. Halter können aber einiges dafür tun, damit ihr Tier entspannt in den Wagen einsteigt. Eine große Box und reichlich Leckerlis gehören dazu.

Johanna Fischer
Nicht unbedingt ein Vergnügen für Bello: Bei einem Drittel der Hunde gibt es Probleme beim Autofahren.
Nicht unbedingt ein Vergnügen für Bello: Bei einem Drittel der Hunde gibt es Probleme beim Autofahren.Foto: dpa

Sie winseln, sie jaulen, sie kläffen, manchmal übergeben sie sich schon, bevor es überhaupt losgeht. Hunde und Autos: Das ist oft eine schwierige Beziehung. Platzmangel, die Hitze im Sommer, dazu vielleicht noch laute Musik - in wohl keiner anderen Alltagssituation ist der Hund seinem Herrchen so ausgeliefert wie in dem Kasten auf vier Rädern. Jede Unachtsamkeit bekommt das Tier sofort zu spüren. Die gute Nachricht: Mit ein paar Kniffen lassen sich die meisten zu duldsamen Beifahrern machen.

Oft ist es mangelnder Raum, der die Autofahrt für Hunde zum Stressfaktor macht. Um Haare auf den Sitzen zu vermeiden, transportieren viele Halter ihr Tier ganz hinten im Auto, zwischen Heckablage und Rückfenster gequetscht. Gerade für größere Rassen ist das viel zu eng. "Letztlich ist es wie mit kleinen Kindern: Hunde müssen gut gesichert sein, sich aber auch wohlfühlen", sagt Birgitt Thiesmann von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Die Tiere gehören deshalb auf die Rückbank oder in den Kofferraum eines Kombiwagens. Die Straßenverkehrsordnung schreibt außerdem vor, sie wie eine Ladung zu sichern: Bei einem Unfall dürfen sie niemanden gefährden. Andernfalls müssen Besitzer mit Versicherungsproblemen rechnen.

Im Sommer niemals alleine zurücklassen

Im Fachhandel gibt es verschiedene Transportmöglichkeiten für den Hund. Als eine der sichersten gilt die Hundebox - sie muss aber stabil sein und aus Stahlrohren bestehen. Ohne Box kann das Tier problemlos mit einem speziellen Brustgeschirr auf der Rückbank gesichert werden. Die für den Hund bequemste Lösung sind Trennwände und -gitter, die ihm hinten besonders viel Bewegungsfreiheit lassen. Viele Autohersteller entwickeln inzwischen auch eigene Systeme.

Eine der wichtigsten Regeln: "Niemals den Hund im Sommer alleine im Auto zurücklassen, auch nicht im Schatten oder für kurze Zeit", sagt Theodor Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. Der Hitzestau im Auto ist für Hunde lebensgefährlich und wird regelmäßig unterschätzt. Jedes Jahr erleben Tierärzte ähnliche Situationen: Der Besitzer geht kurz Zigaretten holen, sich die Füße vertreten, in den Supermarkt. Ein kleiner Tratsch, die Sonne wandert. In Minutenschnelle steigt die Temperatur im Wagen - bis zu 70 Grad.

Qualvoller Tod

Das Fahrzeug wird zur Falle. Und selbst wenn Passanten die Polizei alarmieren: "Meistens ist es dann schon zu spät", sagt Mantel. Die Tiere sterben qualvoll, an Sauerstoffmangel oder Kreislaufversagen. Bevor ein Hund bei Hitze im Auto warten muss, raten Tierschützer daher dringend, ihn zu Hause zu lassen.

Ohne Klimaanlage kann es aber auch während der Fahrt heiß werden im Auto. Abhilfe können Halter mit feuchten Handtüchern schaffen, die in die Seitenfenster geklemmt werden. Die Fenster müssen während der Fahrt aber bis auf einen schmalen Spalt geschlossen bleiben, sonst können die Vierbeiner eine Bindehautentzündung bekommen.

Sind Hitzeschutz und Sicherheit geklärt, geht es um psychologische Faktoren. Zwei Drittel der Hunde, so hat eine Untersuchung 2012 ergeben, fahren problemlos mit ihren Haltern mit. Bei einem Drittel kommt es immer wieder zu Problemen: Die Hunde werden seekrank, panisch, sie bellen oder weigern sich, wenn sie im Auto Platz nehmen sollen. Gründe können schlechte Erfahrungen sein - verbinden sie das Auto mit Hitze, Durst oder Übelkeit, blockieren sie schnell.

Medikamente gegen Übelkeit

Andere misstrauen dem Wagen von vornherein. In jedem Fall ist es wichtig, das Tier möglichst früh und ganz langsam an das Fahren zu gewöhnen. "Am besten baut man über Belohnungen eine positive Verknüpfung zum Auto auf", sagt Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV). "Man lässt den Hund in das Auto einsteigen und belohnt ihn dafür. Erst, wenn er problemlos gern in das Auto geht und dort auch frisst, fährt man mit ihm los - möglichst gleich eine längere Strecke." Sonst komme er nicht zu Ruhe, müsse noch immer ängstlich aus dem Auto steigen und weigere sich dann erneut mitzufahren.

Aus demselben Grund sollten Besitzer Tieren mit Reiseübelkeit schon früh Medikamente geben. "Wenn ein Hund das Auto von Anfang an mit Übelkeit verknüpft, ist das umso schlechter zu trainieren", sagt Ullrich. Grundsätzlich sind Medikamente aber das letzte Mittel, wenn Hunde Autofahren hassen. Halter besprechen sich am besten mit dem Tierarzt und sollten auf keinen Fall zu Humanpräparaten greifen.

Letztlich erfordert die entspannte Reise vielleicht etwas Geduld - die Erfolgschancen sind jedoch gut. Tierschützerin Birgitt Thiesmann hat mit ihrem Hund eigene Erfahrungen gemacht. "Anfangs hat er sich beim Anblick eines Autos schon übergeben", sagt sie. "Inzwischen kann er es kaum abwarten, wieder mitzufahren."

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