Volks-Sportler aus Japan : Ein technischer Zwilling

Leicht, schnell, weniger als 30 000 Euro: Warum der Toyota GT 86 selbst einem Boxster gefährlich werden könnte.

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Sportliches Angebot: Toyota bringt einen kernigen Sportwagen für runde 30 000 Euro auf den Markt.
Sportliches Angebot: Toyota bringt einen kernigen Sportwagen für runde 30 000 Euro auf den Markt.Foto: Hersteller

Aus Zuffenhausen, das nun als zwölfte Marke zum Wolfsburger VW-Imperium gehört, hört man geradezu Beängstigendes: Der vorgesehene kleine Porsche, der in etwa vier Jahren startet und unter dem jetzigen Boxster platziert werden soll, wird auf ein bislang geheiligtes Bauteil verzichten müssen: Statt des Boxermotors soll er einen schnöden Reihenmotor aus dem Audi-Regal bekommen. Das geht gar nicht, werden Fans dieser Marke verwundert feststellen. Beim Blick auf Toyota hingegen darf man sich im positiven Sinne die Augen reiben: Aus Japan kommt ein reinrassiger Sportwagen mit Hinterradantrieb und Boxermotor sowie tiefem Schwerpunkt. Einer mit langer Motorhaube, knackigen Proportionen und kurzem, rassigem Heck. So einer, wie ihn Porsche hätte bauen sollen.

Aber das ist nicht die einzige Überraschung. Mit einer Länge von 4,24 Meter ist der GT 86 einer der kompaktesten Sportwagen; ein klassischer 2+2-Sitzer, in dessen Fond Gepäckstücke besser aufgehoben sind als Jugendliche, geschweige denn ausgewachsene Erwachsene. Und der Toyota ist einer der leichtesten Sportwagen: 1239 Kilogramm Leergewicht.

200 PS sind ausreichend

Dieses Maß lässt einen schnell staunen: Man braucht gar nicht so viel Leistung wie bei einem Porsche, um richtig Spaß mit diesem Auto zu haben. 200 PS aus einem hoch drehenden Zweiliter-Vierzylinder-Boxermotor reichen eigentlich schon – zumal der Antrieb an eine auf kurzen Wegen rastende, knackige Sechsgang-Schaltung gekoppelt ist, die sich herrlich aus dem Handgelenk betätigen lässt. Vorausgesetzt, man tritt beherzt aufs Gas und bleibt möglichst lange im 6000er Bereich. Keine Angst, das geht gut – das Drehmoment von 205 Newtonmetern liegt schließlich erst bei 6400 bis 6600 Touren an; die Höchstleistung von 200 PS gar erst bei 7000 Umdrehungen pro Minute. Also immer den Drehzahlmesser im Auge behalten, der in der Mitte der Uhrensammlung alles überstrahlt. Wie bei Porsche.

Der japanische Boxer ist gierig nach Gas, dreht turbinenartig hoch. Beim schnellen Hochschalten kommt man in den beiden unteren Gängen sogar in den Genuss eines sanft angedeuteten „Schlags in den Rücken“ - na ja, fast so wie bei Porsche. Der Werksverbrauch von optimistischen 7,8 Liter Superplus pendelt sich dann allerdings bei zehn Litern in der Praxis ein. Im Normalfall kommt man jedoch mit gut acht Litern hin.

Sportliches Fahrgefühl

Die Sitze passen wie angegossen; kein Schnickschnack im Innenraum. Nur das Nötige und Wichtige zum Fahren. Das flache Cockpit gibt den Blick frei auf die beiden Wölbungen der Motorhaube, die in die Scheinwerfer übergehen. Damit kann man Kurven so gut anvisieren wie im Porsche. Anders als im VW Scirocco, wo man auf das hoch bauende Armaturenbrett aus dem Van Touran blickt. Gut, der Druck des Subaru-Boxers kann nicht mit dem des zwischen 65 und 130 PS stärkeren Cayman mithalten. Der Sound auch nicht: Das hell klingende Sirren des Vierzylinders mit seinem quadratischen Hub-Bohrungs-Verhältnis von 86x86 mm kommt trotz speziellem Soundgenerator nicht so kraftvoll rüber. Aber dafür geht einem der etwas bescheidenere Klang im Toyota auf Dauer nicht so auf die Nerven wie der sägende Sound des Porsche.

Zwei Zahlen kurz gefällig? Spitze 226 km/h. Null bis 100 in 7,6 Sekunden. Andere können das besser; ein VW Scirocco mit 211 PS etwa sprintet schneller. Aber macht nicht diese Gänsehaut. Denn hier ist der Toyota dem Porsche durchaus hart auf den Fersen: Die Abstimmung passt. Optimale Achslastverteilung, verbunden mit einer gekonnten Auslegung des Fahrwerks: straff, aber nicht hart. Der 86er macht exakt das, was der Fahrer will. Das zweistufige ESP lässt im Sportmodus spaßige, aber zugleich recht sichere Kurvenhatz zu – fernab sinnentleerter Leistungsorgien. Und vor allem ohne luxusbehaftete Preistiraden.

Allianz zwischen Toyota und Subaru

Der Toyota kostet 29 990 Euro. Deutlich weniger als ein Porsche Cayman, dem weniger Leute hinterherschauen als diesem Toyota! Und in diesem Preis sind keine Fußangeln drin, sondern ehrliche Ausstattung. Mehr braucht man nicht. Das ist das Schöne an diesem Auto. Dieser Toyota wird seinen Weg machen und hoffentlich Vorbild für andere Hersteller sein: Bleibt auf dem Teppich, lasst euch was einfallen, denkt an die Leute und zieht sie nicht über den Tisch!

Zum Schluss sei noch diese Frage erlaubt: Wer kann sich unter der Bezeichnung GT 86 etwas vorstellen? Laut Toyota soll sie eine Reminiszenz sein an den sportlichen Toyota Levin AE 86, der in Japan einen unvergleichlichen Ruf hat. Aber eben nur dort. Warum nur hat Toyota ohne Not den Traditionsnamen Celica über Bord geworfen? Traditionsreiche Namen sind ja nicht Schall und Rauch. Bestellt werden kann der Volksporsche ab sofort. Geliefert wird ab September. Allerdings ist die für dieses Jahr vorgesehene Menge hierzulande schon fast ausverkauft.

Der fast gleiche Bruder: Subaru rüstet das gemeinsame Modell - Dort heißt es BRZ - mit einem Boxermotor aus.
Der fast gleiche Bruder: Subaru rüstet das gemeinsame Modell - Dort heißt es BRZ - mit einem Boxermotor aus.Foto: Hersteller

Im Jahre 2005 schlossen sich Toyota und Subaru zu einer Allianz zusammen. 2007 folgte der Startschuss für die Entwicklung dieses Sportwagens: Toyota war verantwortlich für Planung sowie Karosserie- und Innenraumdesign; Subaru für Konstruktion (Motor, Getriebe) und Produktion. Der Subaru BRZ ist der technische Zwilling des Toyota. Oder umgekehrt; je nach Betrachtungswinkel. Anderes Logo, andere Front – mehr nicht. Aber 990 Euro günstiger als der GT 86. Dazu kleine Unterschiede bei den Extraausstattungen. Welchen kaufen? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Vielleicht nur so viel: Subaru ist die exotischere Marke, und ihre Kunden sind laut Umfragen die zufriedensten. Und der BRZ startet in Deutschland kurz vor dem GT 86.

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