Volkswagen in den USA : Da wächst was

Der starke Mann bei Volkswagen, Martin Winterkorn, führt die Wolfsburger in Amerika zu neuer Stärke. Die aktuellen Verkaufsrekorde sind zu einem wesentlichen Teil auch dem florierenden Absatz in Übersee zu verdanken. Zur Automesse in Detroit suchen wir nach den Erfolgsspuren.

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Zwei in einem Topf: VW-Chef Martin Winterkorn und der Cross Blue Concept auf der Detroit Motor Show.
Zwei in einem Topf: VW-Chef Martin Winterkorn und der Cross Blue Concept auf der Detroit Motor Show.Foto: dpa

Bitte. Wenn wir die beiden jetzt in einen Topf werfen, dann soll das nicht unhöflich sein. Der eine, Cross Blue, ist ein Auto. Der andere, Martin Winterkorn, ein Manager. Aber beide erzählen mit ihrem lässigen, überaus selbstbewussten Auftritt dieselbe Geschichte: Volkswagen ist endlich wieder eine Nummer in den USA. Eine mit sechs Stellen. 438 300 VW haben die Wolfsburger im letzten Jahr hinter dem großen Teich verkauft. 35 Prozent mehr als im Jahr davor.

Ein Segen für den zweitgrößten Autobauer der Welt. Weil die steile Kurve nach oben ablenkt vom europäischen Trend nach unten. Und weil das boomende Geschäft in den Staaten offensichtlich mehr ist als ein kurzes Auf nach einem langen Ab. Es ist ein Erfolg mit Methode. Um diese VW-Methode aufzuspüren und aufzuschlüsseln, sollte man sich drei Orte genauer anschauen: Erstens eine zunehmend vitale Messe in der ansonsten sterbenden Stadt Detroit. Zweitens das Museum of Modern Art in New York und ein paar Straßen weiter ein Autohaus an der 5th Avenue. Drittens schließlich eine 20 Hektar große Wiese vor den Toren der mexikanischen Stadt Silao.

Spur 1: Erst ernst nehmen, dann ernst machen

In den 80er Jahren hat Volkswagen gelitten; brach in Nordamerika bis zur Bedeutungslosigkeit ein. „Daraus haben wir gelernt, zuzuhören“, sagt Martin Winterkorn heute. Anders als damals käme jetzt niemand mehr auf die Idee, dem US-Markt allein deutsche Modelle überzustülpen. Seit zwei Jahren wird der „all new Jetta“ so gebaut, wie ihn die Amerikaner haben wollen. Inzwischen ist er beliebter denn je – und der US-Passat, wie er seit letztem Jahr in Tennessee produziert wird, verkauft sich ebenfalls blendend. Am deutlichsten wird die neue Nähe zum regionalen Markt, wenn man sich den speziell für die USA und Kanada entwickelten Cross Blue anschaut. Er wurde Anfang dieser Woche als Diesel-Plug-in-Hybrid auf der Auto Show in Detroit (bis 27. Januar) vorgestellt. Mit der kantigen und im Inneren edel ausgestatteten Studie, so Winterkorn, wolle man „die Reaktionen testen“. Auf einen Serienstart darf man aber getrost wetten – VW weiß zu genau, wie groß das Potenzial für einen Midsize-SUV mit bis zu sieben Sitzen ist. Bauen ließe sich der Cross Blue günstig – die Architektur basiert auf dem modularen Querbaukasten.

Spur 2: Zeigen, was man ist – und was man hat

VW hat seinen Bekanntheitsgrad in den letzten Jahren mehr gesteigert als alle anderen Autobauer in den USA. Um den Spagat zwischen einer hochwertigen Marke, die Autos für Jedermann baut, hinzubekommen, setzt VW auch bei der Wahl der Mittel auf Extreme: Auf der einen Seite sponsert man das Museum of Modern Art in New York, auf der anderen schaltet man witzige Spots in den Pausen des Super Bowl und feiert die Weltpremiere des Jetta mit Popstar Katy Perry auf dem Times Square. Weniger aufregend, aber mindestens ebenso wichtig ist der Ausbau des Händlernetzes. 620 gibt es inzwischen in den USA, die Hälfte davon exklusiv. In New York steht der größte und schönste Laden, der Flagship Store in der 5th Avenue von Manhattan.

Prunk und Glamour in Motor City
Immer wieder im Januar trifft sich die Autobranche zu der wichtigsten Motor Show auf dem amerikanischen Kontinent in Detroit. Motor City, wie die Metropole zwischen dem Lake St. Clair und dem Eriesee genannt wird, steht als Stadt immer noch stellvertretend für die us-amerikanische Automobilindustrie.Weitere Bilder anzeigen
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15.01.2013 17:10Immer wieder im Januar trifft sich die Autobranche zu der wichtigsten Motor Show auf dem amerikanischen Kontinent in Detroit....

Spur 3: Geld ausgeben, um Geld zu sparen

Arbeiter im neuen Motorenwerk von Volkswagen in Mexiko.
Arbeiter im neuen Motorenwerk von Volkswagen in Mexiko.Foto: dpa

Jahr für Jahr legt VW zweistellig zu. Zwar sagt Winterkorn, das Amerika-Geschäft werde „nicht ewig so weiter wachsen“. Aber eine grüne Wiese im mexikanischen Silao verrät, wieviel Luft nach oben noch ist. 60 Hektar nennt VW hier sein eigen. Gerade mal sechs sind mit einer neuen Motorenfabrik bebaut. Diese Woche war Eröffnung mit Mexikos Präsident Enrique Pena. 500 Millionen Euro hat Volkswagen investiert, um hier TSI-Motoren für die Werke in Puebla/Mexiko und Chattanooga/USA zu bauen – für den Anfang weit mehr als 300 000 im Jahr. Die Motoren für den nordamerikanischen Markt müssen also nicht länger aus Ungarn oder Deutschland importiert werden. Den wichtigsten Meilenstein seiner millardenschweren Nordamerika-Offensive hatte VW schon im letzten Jahr gesetzt: In Chattanooga/Tennessee startete eins der größten und umweltfreundlichsten Autowerke weltweit. Benefit: Vor Ort zu produzieren, ist günstiger als die Einfuhr. Die Abhängigkeit von Zöllen und Wechselkursen sinkt. Und die Akzeptanz einer Marke „aus Amerika für Amerika“ wächst.

Boom bei Kleinwagen und SUVs
Das Zulassungsstellen waren im Jahr 2012 nicht unbedingt überfüllt von Neuwagenkunden. Mit 3,082 Millionen frisch angemeldeten Fahrzeugen ist der Markt um 2,9 Prozent zurückgegangen, wie das Kraftfahrtbundesamt berichtet. Das bedeutet einiges an Schatten, aber durchaus auch Licht für die Modelle der Autobauer. Im Vergleich zu den zweistelligen Einbrüchen auf den Märkten unserer europäischer Nachbarn ist das sogar ausgesprochen komfortabel.Weitere Bilder anzeigen
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15.01.2013 09:25Das Zulassungsstellen waren im Jahr 2012 nicht unbedingt überfüllt von Neuwagenkunden. Mit 3,082 Millionen frisch angemeldeten...

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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