Volkswagen : Update für den Up

VW erneuert sein kleinstes Auto: Außen fast unverändert, darunter ein neuer Motor und Multimedia.

Peter Maahn
Der geht ab. Deutschlands meistverkaufter Kleiner – den Erfolg will VW sichern.
Der geht ab. Deutschlands meistverkaufter Kleiner – den Erfolg will VW sichern.Foto: Promo

Der kleine David aus der Bibel war ein pfiffiges Kerlchen. Soll er doch den riesigen Goliath mittels einer Steinschleuder erlegt haben. Bibelfeste Menschen hatten diese historisch zweifelhafte Geschichte sicher parat, als sie vor fünf Jahren erstmals mit dem VW-Werbespruch „In der Welt voller Goliaths ist er der David“ konfrontiert wurden. Ein Zwerg unter Riesen also, der 3,60 Meter kurze Mini. Jetzt spendierte Volkswagen dem Up das erste Update.

Der David-Vergleich hinkt natürlich. Denn der inzwischen gut 700.000-mal verkaufte VW-Zwerg tritt nicht gegen Riesen, sondern gegen seinesgleichen an. Wie den Smart Forfour zum Beispiel, den Opel Adam und den Fiat 500 oder auch die baugleichen Rivalen Skoda Citigo oder Seat Mii aus dem eigenen Konzern-Rennstall. Doch wie so oft bei einem neuen VW wurde der Up schnell zum meistverkauften Kleinwagen in Deutschland. Diesen Erfolg wollen die Wolfsburger jetzt absichern.

Beim Erscheinungsbild gab es keinen Nachholbedarf. Also muss man schon ganz genau hinschauen, um die Veränderungen des neuen Modells zu erspähen. Die Motorhaube trägt jetzt schärfere Blechfalze und wirkt dadurch bulliger, der vordere Stoßfänger sorgt durch eine Chromzierleiste für optische Breite und in den Scheinwerfern strahlt jetzt ein kleines LED-Tagfahrlicht. Auch die Rückleuchten wurden umgestaltet. Die Veränderungen sind so minimal, dass heutige Up-Nutzer nicht in einem Auto von gestern unterwegs sein müssen. Auch der Einstiegspreis von 9850 Euro ist fast gleich geblieben.

Im richtigen Takt und erstaunlich leise

Eine wesentliche Neuheit ist bei der ersten Testfahrt zu erleben. Der neue Einliter-Dreizylinder kommt mit Turbohilfe auf 90 PS und macht den Up durchaus langstreckentauglich. Ob auf der Autobahn oder im Kurvengeschlängel des Testterrains am Comer See, das kleine Herz schlägt immer im richtigen Takt und ist dabei erstaunlich leise, wenn man nicht mit allzu schwerem rechten Fuß unterwegs ist. Zudem ist der Testverbrauch von 5,5 Litern im Praxisbetrieb nicht allzu weit von der Papier-Norm (4,4 l/100 km) entfernt. Bei VW bekanntlich ein sensibles Thema.

Zwar will das Fünf-Gang-Schaltgetriebe fleißig benutzt werden, doch dank dessen exakter Leichtgängigkeit kommt sogar echter Fahrspaß auf. Nach knapp unter zehn Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Wenn’s denn sein muss, sind sogar 185 km/h drin. So weit, so gut, aber der neue Spitzen-Up verlangt auch einen tieferen Griff in die Haushaltskasse. Mindestens 12.350 Euro sind fällig. Allerdings sind dann einige Extras wie Alu-Räder oder E-Fenster vorn schon mit drin.

Wer in der Preisliste stöbert, läuft Gefahr, einem Farbrausch zu erliegen. Zur Wahl stehen 13 Außenfarben, darunter sieben neue. Zehn verschiedene Dekorfolien für die Außenhaut und genauso viele Designblenden für die Instrumententafel. Auch die Sitze lassen sieben verschiedene Ausführungen zu. Kombiniert mit drei wählbaren Ausstattungspaketen ergeben sich zahllose Gestaltungsmöglichkeiten für einen ganz persönlichen Up. Alles gegen Mehrkosten natürlich.

Wer mehr Geld ausgeben will, kann jetzt auch eine Klimaautomatik (895 Euro) oder ein sogenanntes Multifunktionslenkrad mit diversen Bedientasten (165 Euro) bestellen. Auf jeden Fall an Bord sein sollte die Citynotbremsfunktion, die zusammen mit LED-Tagfahrlicht, Tempomat und Regensensor als Paket für 390 Euro zu haben ist.

Der Up bleibt eine feste Größe bei VW

Eine wichtige Neuerung vor allem für die angepeilte jüngere Kundschaft ist ein Multimediasystem, das jetzt auch den Up mit dem eigenen Smartphone verheiratet. Das Handy wird oberhalb der Mittelkonsole in eine Halterung eingeklinkt und per Bluetooth verbunden. Dank einer vorher geladenen App dient zum Beispiel das iPhone dann als Navigationssystem. Allerdings ist der Bildschirm in der Praxis recht klein. Leider funktioniert dann die Sprachsteuerung vom Lenkrad aus nicht und andere Apps wie TuneIn oder Spotify sind lahmgelegt. Da sollte VW noch nacharbeiten, um mit anderen Kleinwagen mithalten zu können. Dafür kann man bei Up aber mit dem Finger auf dem Monitor Buchstaben malen, die dann vom Navi als Adresseingabe erkannt werden.

Unterm Strich bekommt dem Up seine dezente Erneuerung gut. Er wird auch in seiner zweiten Lebenshälfte eine feste Größe im VW-Programm bleiben und nicht nur von Pflegediensten oder Pizzabringern eifrig bestellt werden. Und er bietet eine Version, die bei anderen Herstellern noch nicht zu haben ist. Auch künftig wird es vom Up eine 82 PS starke rein elektrische Version geben, die gut 160 Kilometer weit pro Batterieladung unterwegs sein kann.

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