Volvo : Hilft viel viel?

Auch bei Volvo tragen Assistenzsysteme Namen, die sich keiner merken kann – angeschaut haben wir sie uns dennoch

Eric Metzler

Die Diskussion nimmt Fahrt auf: Brauchen moderne Autos Assistenzsysteme und wenn ja, wie viele dürfen oder müssen es sein? Spurwarner, Gesichtsfeld-Erkennung, elektronische Eingriffe in Lenkung und Bremsen – Stichworte, die den einen Hilfe, den anderen Verunsicherung sind. Bei den Importeuren werben bislang vor allem zwei Hersteller für ein entschiedenes „Ja“ zu den neuen Techniken: Honda ging zunächst mit dem Legend und dann mit dem Accord in die Offensive. Nach eigener Anschauung war unser Eindruck zwiespältig: Ja, wir waren beeindruckt, wie zuverlässig die japanische Technik etwa Hindernisse erkennt und selbstständig Bremsmanöver einleitet. Ja, dies zugleich, wir waren ein wenig überfordert, im Accord die diversen Funktionen korrekt zu aktivieren und jedes Warnsignal korrekt einzuordnen. Bei Volvo hat uns die Integration besser gefallen – wir haben uns angeschaut, was Volvo unter den „Sicherheitssystemen zur Unfallprävention“ versteht, die im Kombi V 70, im XC 70 und in der Oberklassen-Limousine S 80 zum Einsatz kommen.

DER DRIVER ALERT

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ist der Fahrer Herr seiner Sinne, hat er alles unter Kontrolle? Oder ist er übermüdet, lässt die Konzentration nach? Das sind die entscheidenden Fragen. Um die zu beantworten, überwacht eine Kamera zwischen Frontscheibe und Rückspiegel das Bewegungsmuster des Fahrzeuges und den Abstand zu den Fahrbahnmarkierungen. Das Ergebnis der permanenten, elektronischen Analyse schlägt sich in einem Balkendiagramm nieder: Bleibt es bei den fünf Balken, die bei Antritt der Fahrt erscheinen, ist alles in Ordnung. Werden die Balken nach mindestens zehnminütiger Fahrt weniger,ist das ein klares Indiz für die nachlassende Aufmerksamkeit des Fahrers. Beim Test hat Driver Alert einwandfrei funktioniert: Nach einigen (simulierten) Schlangenlinien büßten wir zwei Balken ein, nach mehreren plötzlichen Bremsmanövern zwei weitere. Daraufhin wollte uns Volvo motivieren, rechts ran zu fahren – mit einer leuchtenden Tasse, einem Text im Display und einem Warnton – vielleicht eine Spur des Guten zu viel. Prinzipiell finden wir diese Art Kampf gegen die Übermüdung gut.

LANE DEPARTURE WARNING

Weniger nachgiebig ist die Technik beim Spurwarner, der das Driver Alert ergänzt. Der warnt den Fahrer mit einem Signal, wenn er die Fahrbahn verlässt, ohne zu blinken. Diese Funktion bieten inzwischen viele Marken – aber von vielen Kunden wird sie deaktiviert, weil es sie nervt, jedesmal einen Pieps zu ernten, wenn sie eine weiße Linie überfahren oder den Blinker vergessen.

GESCHWINDIGKEITS- UND ABSTANDS-

REGELUNG MIT BREMSASSISTENT PRO

Der eine Teil dieses Systems ist in der Oberklasse schon verbreitet, er sorgt zwischen Tempo 30 und 200 für einen konstanten Abstand zum Vorausfahrenden. Das entspannt auf langen Autobahnfahrten ungemein – erspart einem aber nicht, achtsam zu bleiben. Den zweiten Teil hat so ähnlich bislang nur Honda im Programm (da heißt es CMBS): Erkennen Radar und Kamera eine nahendes Hindernis, warnt das System den Fahrer akustisch und optisch. Reagiert der nicht, leitet der Volvo selbsttätig eine Notbremsung ein und löst sie 0,7 Sekunden vor einer Kollision aus. Ein Aufprall lässt sich so nicht immer vermeiden, zumindest aber lassen sich Unfallfolgen minimieren. Bei guter Sicht arbeitet das System verlässlich, wie wir auf abgesperrter Strecke erlebten. Wird die Sicht der Kamera durch Regen getrübt, kann es zu Aussetzern kommen.

IDIS UND BLIS

Kurz und knapp: Beides sinnvoll. Idis hält in kritischen Situationen Anrufe oder Meldungen des Bordcomputers zurück, um den Fahrer nicht abzulenken. Blis signalisiert (auch in kleineren Volvos) mit einem Blinklicht im Außenspiegel jedes Fahrzeug im „toten Winkel“.

…FÜR DEN C 70

Für das Volvo-Cabrio gibt es einen neuen Einstiegs-Diesel: Der 2.0 D leistet 136 PS, ist sehr leise unterwegs und kostet 36 000 Euro. Der Verbrauch des Einspritzers mit Turbolader liegt bei 6,1 Litern.

…UND FÜR DEN C30

Wer das Kompaktmodell mit dem stärksten Diesel D5 ordert (180 PS), bekommt ihn nun mit sechs Gängen: als Handschalter für 27 500 Euro, mit Doppelkupplungsgetriebe für 29 450 Euro. eric

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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