Auto : Volvo und der Abschied vom Ruck

Im C30 arbeitet jetzt ein Direktschaltgetriebe

Sven Jürisch

Das Autofahren in Großstädten gleicht heutzutage einer Tortur. Spätestens an der zehnten Ampel hat man genug von Kupplung, Gas und Bremse und sehnt sich nach Entlastung. Mit einem Automatikgetriebe fährt es sich entspannter, jedoch nicht ohne Nachteile. Leistungsverlust und höherer Verbrauch schmälern die Freude an der Bequemlichkeit.

Optimal ist daher eine Verbindung des Komforts der Automatik mit den Vorteilen eines Schaltgetriebes. Dies hat jetzt auch Volvo erkannt und rüstet seine Kompaktbaureihe (C30, S40 und V50) ab sofort auf Wunsch gegen einen Mehrpreis von 1950 Euro mit einem von Getriebespezialisten Getrag beigesteuerten Sechs-Gang-Direktschaltgetriebe namens Powershift aus. Damit folgt man dem VW-Konzern, der die Technik bereits in zweiter Generation in Serie hat.

Bei der Getriebeart handelt es sich im Prinzip um ein automatisiertes Schaltgetriebe: Im Gehäuse sind zwei parallel laufende Getriebewellen mit den Zahnrädern von jeweils drei Gängen untergebracht. Zwei per Hydraulik betätigte Kupplungen sorgen unabhängig voneinander für den reibungslosen Ablauf der Gangwechsel. Bevor ein Schaltvorgang durchgeführt wird, legt die Elektronik auf der im Freilauf befindlichen Schaltgruppe schon den nächsten Gang ein und lässt diesen in Warteposition mitlaufen. Dank der geschickten Abstimmung geschieht der Schaltvorgang für den Fahrer unmerklich durch Einrücken des vorgespannten Ganges. Erfordert die Fahrsituation ein Überspringen einer Fahrstufe, etwa beim Überholen, so wird die Motorkraft kurzfristig auf den Zwischengang der im Leerlauf befindlichen Getriebehälfte umgeleitet, so dass ein konstanter Vortrieb gewährleistet ist.

So weit, so schön: Und auch im Fahrbetrieb erweist sich die Anbindung an den Zwei-Liter-Diesel des C30 als geglückt. Dank 136 PS und einem Drehmoment von 320 Newtonmeter beschleunigt der Wagen mit dem neuen Getriebe in akzeptablen 9,5 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 205km/h. Und, mit einem Verbrauch von knapp sechs Litern ist der Powershift C30 sogar sparsamer als die Ausführung mit herkömmlichem Schaltgetriebe.

Dabei ist es beeindruckend, wie harmonisch die Kombination aus Motor und Getriebe für Vortrieb sorgt: Ohne fühlbares Turboloch beschleunigt der Volvo wie von einem starken Gummiband gezogen. Schaltrucke, wie bei den meisten konventionellen Automatikgetrieben gängig, sucht man auch bei starker Beschleunigung vergebens. Selbst das brüske Niedertreten des Gaspedals, etwa bei einem Überholvorgang auf der Landstraße, quittiert die Automatik nicht mit Ruckeln und merkbarem hektischen Eigenleben. Und bei Fahrten im Stadtverkehr sortiert das Direktschaltgetriebe im Volvo seine Gänge so geschickt und unmerklich, dass am Ende der Fahrt nur noch eine Frage offen bleibt: Hatte man wirklich sechs in the city? Sven Jürisch

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