Volvo V 90 Cross County : Manchmal muss es auch Gelände sein

Die Alternative zum SUV: Volvo vervollständigt seine 90er Familie und bringt mit dem V 90 Cross Country einen ungewöhnlichen und gelungenen Kombi auf den Markt

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So kann es ruhig noch eine Weile winterlich bleiben – zumindest, wenn man hinterm Steuer des Volvo V 90 Cross County sitzt. Der große Kombi bietet genau das, was sein Name verspricht. Mit dem jetzt neu zu den Händlern kommenden Kombi geht der V 90, der schon im normalen Straßenverkehr eine gute Figur macht, jetzt auch ins raue Gelände. Und da fühlt sich der Cross Country richtig wohl.

Auf der tief verschneiten Waldpiste voran, den Offroad-Modus eingeschaltet; das ist genau sein Ding. Gegenüber dem V 90 Kombi hat sich die Bodenfreiheit um sechs Zentimeter auf immerhin 21 Zentimeter vergrößert – auch viele SUVs bieten nicht mehr. Im tiefen Schnee hält der permanente Allrad-Antrieb den Wagen auch auf engen Wegen gut in der Spur, und auf vereistem Untergrund tariert die Elektronik die Kräfte ständig neu zwischen Vorder- und Hinterachse aus, damit der Wagen nicht ausbricht.
Die seidenweich zu dosierenden Traktionskräfte schieben den V 90 Cross Country etwa souverän durch den Schnee bis zur Spitze eines steilen Hügels.

Und wenn es hinter der Kuppe so jäh abfällt, dass einen Moment lang nur noch der Himmel zu sehen ist, dann ist die automatische Abfahrthilfe zur Stelle und bremst den Wagen ab, damit es keine unkontrollierte Rutschpartie wird. Nur der Fahrer kommt dabei unfreiwillig ins Schwitzen.

Er leistet, wenn es darauf ankommt

Falls die Kinder auf der Rückbank sitzen würden, hätten freilich Papa oder Mama diesen ruppigen Abstecher ins Gelände längst beendet. Aber gut zu wissen, was der neue Cross Country, mit dem jetzt die im vergangenen Jahr erneuerte V90 Familie komplett ist, zu leisten imstande ist, wenn es darauf ankommt. Beim winterlichen Testparcour in den Berchtesgadener Alpen ist die vereiste Strecke jedenfalls bestens geeignet, jedem Fahrer die Grenzbereiche klar zu machen, in denen die Elektronik operiert.
Am Anspruch von Volvo, die sichersten Autos der Welt zu bauen, ist da nicht zu zweifeln.

Wer erfahren möchte, was moderne Technik leisten kann oder lieber ganz Herr über den Wagen sein möchte, braucht nur den ESP-Modus ausschalten, um schnell an seine Grenzen zu stoßen: statt auf glatter Schneepiste weiterhin stoisch seine Spur zu ziehen, schiebt sich der Wagen dann quer durch die Kurven und der automatische Gurtstraffer zieht den Fahrer in Erwartung des Crashs fest in den Sitz. Schon beim Gedanken, dass hätte auch im Straßenverkehr passieren können, wird einem Angst und Bange.
Im vergangenen Jahr hat Volvo in Deutschland beim Verkauf erneut stärker zugelegt als der Gesamtmarkt.

Ein robust-eleganter Stadt-Kombi

Zwar ist der XC 60 immer noch mit Abstand der Volvo-Bestseller, doch mit dem V 90 greift Volvo jetzt in der Oberklasse an. Die ungemein attraktive Linienführung der knapp fünf Meter langen S 90-Limousine ist ein Hingucker. Das gilt auch für den Kombi. Für Audi, BMW und Mercedes wahrlich eine ernst zu nehmende Konkurrenz – nicht nur wegen des Kofferraums, der bei umgeklappten Sitzen über 1500 Liter fasst.

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Wer keinen grobschlächtigen SUV mag, oder wem der große Bruder XC 90 aus dem Hause Volvo zu mächtig ist, für den ist der V90 Cross Country genau das richtige Gefährt. Ein robust-eleganter Stadt-Kombi, der eben auch Gelände kann. Volvo überzeugt dabei vor allem mit Qualität und Design. Außen gibt die Frontpartie des Cross Country mit den markant breit gezogenen LED-Scheinwerfern und dem kräftigen Kühlergrill mit senkrechten Lamellen dem Wagen ein robustes Aussehen, während die weit hochgezogenen Rückleuchten der Heckpartie einen eleganten Touch verleihen.

Ansonsten muss man schon genau hinschauen, um die Unterschiede zum V 90 zu finden – etwa die Radhausverbreiterungen aus Kunststoff und dem geprägten Schriftzug unter der Heckklappe. Innen zeigt Volvo eine hochwertige Verarbeitung, die auch die Oberklassen-Konkurrenz mit dem Mercedes T oder der Audi A6 Avant nicht besser hinbekommt. Im V 90 Cross Country bestechen die Lederapplikationen, vor allem die grob genähte Lederkante quer über den Frontbereich. Nur die etwas zu klobig ausgefallenen Belüftungsöffnungen wirken nciht sehr elegant und sind gewöhnungsbedürftig. Und auch die sehr hohe Mittelkonsole wirkt zu mächtig und zu abgrenzend zum Beifahrer.

Fahreinstellungen von Eco bis Sport

Vor allem aber hat Volvo bei der Konnectivität, in der Vergangenheit eher eine Schwäche, einen großen Schritt nach vorn gemacht. Schluss ist mit zu vielen Knöpfen und Tasten. Dadurch wirkt die Instrumententafel sehr aufgeräumt und übersichtlich. Stattdessen gibt es einen hochkant gestellten Touchscreen, bei dem man sich wie beim Tablet mit einfachen Wischbewegungen durch die verschiedenen Infoebenen vom Navigationssystem bis zum Infotainment mit Zugang zu Streaming-Diensten bewegt. Das ist zwar nicht ganz so intuitiv, wie Volvo es anpreist, geht aber nach kurzer Eingewöhnung leicht von der Hand.
Großvolumige Sechs- oder Achtzylinder, so die neue Volvo-Philosophie, gibt es nicht mehr. Das macht Sinn, denn schließlich werden bei der hochpreisigen Konkurrenz absurderweise im Fahrbetrieb rotierend die Hälfte der Zylinder aufwändig wieder stillgelegt, um Treibstoffverbrauch und Emissionen zu reduzieren.

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Für die V90-Familie sind nun ausschließlich aufgeladene Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum im Angebot – je zwei Benziner (187 und 235 kW) und Diesel (140 und 173 kW). Zusammen mit dem serienmäßigen Allradantrieb und einer achtgängigen Schaltautomatik ergibt das beim V90/S90 ein ausreichend kraftvolles und auf der Autobahn auch bei höherer Geschwindigkeit jederzeit entspanntes Fahrerlebnis. Neben dem Offroad-Modus, den es nur beim Cross Counttry gibt, bietet der V90 auch noch drei Fahreinstellungen von Eco bis Sport an. Bis auf das verzögerte beschleunigungsverhalten in der eco-Stellung ist da kaum ein Unterschied zu spüren; deswegen entscheidet man sich für den Komfort-Modus und ist es zufrieden.

Daneben gibt es optional noch weitere Sicherheitsfeatures

Volvo, traditionell Pionier in Sachen Fahrzeugsicherheit, hat auch beim V90 und dem Cross Country einiges im Angebot. Das fängt an mit einem gut lesbaren Head-up-Display auf der Frontscheibe über den digitalen Rundinstrumenten, dass eine serienmäßige Verkehrszeichen-Erkennung hat. Serienmäßig gibt es auch den Notbremsassistenten mit automatischer Erkennung von Fußgänger und Radlern bei Tag und Nacht, eine adaptive Geschwindigkeitsreglung mit Abstandsautomatik, sowie den Kreuzungs-Bremsassistent, der gefährliche Situationen im Kreuzungsbereich verhindert. Dazu kommt noch der Driver-Alert, der als Aufmerksamkeitswarner den ermüdenden Fahrer akustisch warnt.
Das Pilot-Assist-System ermöglicht erstmals bei Volvo auch ein teilautonomes Fahren bei Geschwindigkeiten bis Tempo 130. Das Road Edge Detection System, dass auch unbefestigte Fahrbahnränder erkennt, soll das unfreiwillige abkommen von der Straße verhindern. Etwas unbefriedigend arbeitet freilich der aktive Spurhalte-Assistent, der viel zu zaghaft eingreift, wenn das Fahrzeug seine Fahrspur verlässt.

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Daneben gibt es optional noch weitere Sicherheitsfeatures, wie den Spurwechsel-Assistenten oder dem cross traffic alert, der beim Rückwärtsfahren vor dem kreuzenden Verkehr warnt oder dem Park Assist Pilot mit Einparkhilfe. Und das City-Safety-System hilft, Zusammenstöße mit größeren Tieren zu vermeiden – was naheliegend ist im Land der Elche.
So viel schwedische Ingenieurskunst hat natürlich ihren Preis. Die preiswerteste S 90 Limousine beginnt bei 39 000 Euro, in der R-Design-Reihe sind es schon 52 000, und der mit vielen nützlichen Dingen ausgestattete Testwagen des S 90 T5 R-Design kostet 78 300 Euro. Oberklasse eben. Für den V 90 Cross Country mit dem 187 kW-Benzinaggregat ist in der Grundausstattung 56 350 Euro zu zahlen; dafür gibt es Ledersitze, Sitzheizung, Klimaautomatik und LED-Scheinwerfer. Mit üppiger Zusatzausstattung als Cross Country T5 AWD Pro sind es dann schon 76 670 Euro. Das muss man sich erst mal leisten können.

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