Volvo V40 Drive-E D4 : Mit einem starken Herz

Volvo stellt um: Alle Motoren werden nach und nach durch einheitliche Vierzylinder-Aggregate mit zwei Litern Hubraum ersetzt. Im holländischen Maastricht hat Volvo jetzt seinen neuen Top-Diesel-Motor vorgestellt. Wir waren schon mal mit ihm unterwegs

Günther Fischer

Nicht mehr der Schwedenbomber von einst: Der Volvo V40 hat sich zum Premium-Kompakten entwickelt.
Nicht mehr der Schwedenbomber von einst: Der Volvo V40 hat sich zum Premium-Kompakten entwickelt.Foto: promo

Volvo ist wieder in der Spur. Nach dem verlustreichen Jahr 2012 schreibt der schwedische Autohersteller, der sich im Eigentum des chinesischen Autoproduzenten Geely befindet, wieder schwarze Zahlen und wächst weltweit. Allein in China wird Volvo bis Ende 2014 bei weit über 80.000 verkauften XC60-, S60L- und V40-Modelle gelandet sein – das ist ein Plus von mehr als 30 Prozent gegenüber 2013 (61.100 Modelle). Damit ist das Land, in dem es bereits 160 exklusive Volvo-Händler gibt und in dem Volvo in Chengdu (S60L), in Daqing (XC Classic) und in Zhangjiakou (Motoren) produziert, auf dem Weg zu Volvos wichtigstem Absatzmarkt. Zuwächse gab es auch in Schweden und in anderen Ländern. In den USA allerdings, dem bisher größten Volvo-Markt, sackten die Verkäufe um rund zehn Prozent ab, aber offenbar nur mangels neuer Modelle – ein Problem, das auch die Wolfsburger Marke Volkswagen kennt.

Der Volvo-Absatz ist aber auch in Deutschland um zwölf Prozent gestiegen, weitere Fortschritte sind fest eingeplant. Und dazu soll und muss der neue Top-Diesel, den Volvo zunächst im kompakten V40 verbaut, mit seinen 140 kW/190 PS Einiges beitragen. So erhofft es sich zumindest Volvos deutscher Pressechef Olaf Meidt, der von 1000 verkauften Einheiten noch in diesem Jahr spricht: "Auch wir müssen schließlich unseren Teil zum Wachstum beitragen. Wir müssen liefern." Der Volvo V40 selbst, auch das sei gesagt, ist zwar ein bekanntes Auto, aber dennoch kein Kompakter wie viele andere: Er präsentiert sich schwungvoll, mit einem selbstbewussten Kühlergrill, ausgeprägt hoher Gürtellinie und einem Dachverlauf, der fast an ein Coupé denken lässt. Am Heck selbst stört allenfalls die relativ kleine Ladeklappe. Nichts erinnert mehr an die kantigen Schwedenbomber früherer Zeiten.

Fünf- und Sechszylinder sind bei Volvo Vergangenheit

Ein Motor für alle: Künftig wird es bei Volvo nur noch die Drive-E-Motoren mit vier Zylindern geben. Davon gibt es dann verschiedene Leistungsstufen.
Ein Motor für alle: Künftig wird es bei Volvo nur noch die Drive-E-Motoren mit vier Zylindern geben. Davon gibt es dann...Foto: promo

"Zylinderzählen ist Vergangenheit", so formuliert es Peter Mertens, Volvos Entwicklungschef. Soll heißen: Die von Ford gekauften Motoren und die fast schon klassischen gewordenen Fünf- und Sechszylinder sind bei Volvo endgültig passé. Die neuen Motoren zählen alle zur Drive-E-Familie, verfügen ausschließlich über vier Zylinder und zwei Liter Hubraum. Sie unterscheiden sich nur noch durch ihre Leistung. Und egal ob Benziner oder Selbstzünder: Alle basieren auf einem gemeinsamen Block, sind bei Zylinderabstand, Bohrung und Hub völlig identisch. Was zusätzliche Spar-Vorteile mit sich bringt: Kurbelwelle, Ölwanne und Lichtmaschine sind weitere Gleichteile und ermöglichen quasi nebenbei auch eine einheitliche Gestaltung des Motorraums. Volvo hat zudem die Common-Rail-Technologie weiterentwickelt: Anstelle eines einzigen Drucksensors in der Kraftstoffleitung sitzt in den neuen Motoren nun bei jeder Einspritzdüse ein Sensor. Volvo nennt das System i-Art ("intelligent Accuracy Refinement Technology") und erhofft sich davon niedrigere Verbräuche, einen höheren thermischen Wirkungsgrad und geringere Geräuschemissionen.

Der Volvo V40 Cross Country mit Schlechtwege-Fahrwerk kostet mindestens 31 880 Euro.
Der Volvo V40 Cross Country mit Schlechtwege-Fahrwerk kostet mindestens 31 880 Euro.Foto: promo

Auch wenn der V40 schon leer stattliche 1578 Kilogramm auf die Waage wuchtet: Die 190 PS des neuen D4 beschleunigen den Wagen mühelos, zwei Turbolader garantieren die spontane und doch harmonische Kraftentfaltung. Turboloch: Fehlanzeige. Und ja: Leise ist er tatsächlich, meist waren nur die Abrollgeräusche der Reifen zu hören. Bei den ersten Ausfahrten in der Eifel überrascht die neue Achtgangautomatik dann mit schnellen und seidenweichen Schaltvorgängen, Überholmanöver sind nie ein Problem – Kraft ist stets im Überfluss vorhanden, die Automatik findet immer blitzschnell den richtigen Gang dafür. Irritiert hat eher die assistierende Elektronik: Die Verkehrszeichenerkennung zeigte immer ziemlich zuverlässig die falsche vorgeschriebene Geschwindigkeit im Display an und die freundliche Stimme des Navigationssystems verhedderte sich mehr als einmal in sprachlichen Untiefen, was die korrekte Aussprache von Ortsnamen betraf.

Mehrverbrauch der neuen Volvo-Motoren zu hoch

Leider vermarktet Volvo die neue Generation mit einem einprägsamen Claim: „Mehr Leistung, weniger Verbrauch“. Das mit der Leistung trifft bei diesem D4-Motor zu, die Behauptung des geringeren Verbrauchs stimmt, wenn überhaupt, nur im Vergleich zu älteren Modellen. Der ECE-Normverbrauch, den Volvo für die neuen Modelle angibt, ist jedenfalls nicht annähernd zu erreichen: Zwei Liter mehr waren die Regel – und das bei einer durchaus moderaten Fahrweise. Der Bordcomputer errechnete für den V40 5,9 Liter (statt 3,8) und für die Cross-Country-Variante 6,1 Liter (statt 4,3). Auch wenn inzwischen einigermaßen bekannt ist, wie Normverbräuche Hersteller-freundlich zustande kommen: Ein Mehrverbrauch von im Schnitt 50 Prozent ist durchaus ärgerlich.

Der Einstieg in die neue Volvo-V40-Welt beginnt bei annehmbaren 29 880 Euro (Basisvariante), der Schlechtwege-taugliche Cross Country beginnt bei 31 880 Euro. Nettigkeiten wie das Komfortpaket (1300 Euro), ein Panorama-Glasdach (1150 Euro), Rückfahrkamera (450 Euro), Schaltwippen am Lenkrad (170 Euro) und anderes treiben den Preis aber schnell in den Premiumbereich. Gönnen sollte man sich aber das Winterpaket (360 Euro): Nur damit gibt es für die Vordersitze auch eine elektrische Sitzheizung.

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