Volvo V60 und S60 als Cross Country : Kombis auf Abwegen

Mit gleich zwei Geländeablegern demonstriert Volvo seine Offroad-Kompetenz. Während der V60 Cross Country wie bisher den Kombi fürs Gelände gibt, ist die Limousine S60 Cross Country für höhere Ansprüche gedacht.

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Man nehme einen Kombi, verpasse ihm einige Zentimeter mehr Bodenfreiheit, schütze Blechteile und Unterboden - und fertig ist der Offroad-Kombi. Dieses Jahr schiebt Volvo gleich zwei neue Modelle dieser Machart hinterher: Den Kombi V60 Cross Country (links) und die Limousine S60 Cross Country (rechts).
Man nehme einen Kombi, verpasse ihm einige Zentimeter mehr Bodenfreiheit, schütze Blechteile und Unterboden - und fertig ist der...Foto: Hersteller

Auf dem Automarkt gibt es Nischen, von denen man bis zu ihrem Auftreten überhaupt nicht wusste, dass es sie gibt. Coupé-SUVs sind dafür ein gutes Beispiel. Oder auch die Offroad-Versionen von Kombis. Als Volvo 1997 mit dem V70 Cross Country auf den Markt kam, war nicht unbedingt zu erwarten, dass ein solches Fahrzeugkonzept von Erfolg geprägt sein wird. Gut, für den Schweden mit seinen harten Wintern vielleicht eine gute Idee. Aber in Deutschland, wo die Straßen fast überall innerhalb eines halben Tages geräumt werden und kaum jemand wirklich Allrad benötigt?

Weit gefehlt, denn der Offroad-Kombi gewann schnell Freunde und bald auch Nachahmer, wie den Audi A6 Allroad im Jahr 1999 mit ähnlichem Ansatz: Man nehme einen Kombi, verpasse ihm einige Zentimeter mehr Bodenfreiheit, schütze die äußeren Blechteile und den Unterboden und fertig ist der Offroad-Kombi. Im Jahr 2000 folgte noch der XC70 mit einer ähnlichen Ausrichtung. Und dieses Modell wurde nicht nur ein Erfolg, sondern auch der Vorläufer für die später folgenden Schweden-SUVs XC90 (2002) und XC60 (2008). Diese beiden Modelle stemmen heute zusammen mehr als 60 Prozent des Absatzes in Deutschland. Erfolg macht mutig und so schiebt Volvo nun gleich zwei neue Modelle dieser Machart hinterher: Den Kombi V60 und die Limousine S60 – beides als Cross Country.

Der Turbobenziner macht klar, warum der Cross Country seine Nische zu recht gefunden hat

Gänzlich neu in dieser Bauart ist dabei vor allem der S60. Während es den Kombi schon vorher in einer Offroad-Variante gab, wagt sich Volvo nun auch an eine Limousine im Flanellhemd. Und obwohl beide sich in der Geländegängigkeit ähneln, gibt es doch Unterschiede. Den V60 können Kunden auch in der Basisversion als Arbeitstier ordern, den S60 gibt es nur in der Top-Ausstattung Summum als Edel-Offroader. Beide sind um jeweils 65 Millimeter im Fahrwerk nach oben gesetzt. Damit enden aber fast schon die Gemeinsamkeiten.

Der Einstieg in den Volvo V60 Cross Country ist fast wie bei einem SUV, sehr hoch und bequem. Die Topausstattung Summum lässt keine Wünsche übrig.
Der Einstieg in den Volvo V60 Cross Country ist fast wie bei einem SUV, sehr hoch und bequem. Die Topausstattung Summum lässt...Foto: Hersteller

Mit dem V60 Cross Country bedient Volvo seine zwar kleine, aber feine Fangemeinde der Feldwegebezwinger, die bisher auf den Schweden-Kombi im Offroad-Kleid setzen. Deshalb gibt es hier eine breitere Auswahl an Antrieben. Im Angebot stehen die kleineren Selbstzünder D3 (150 PS) und D4 (190 PS), die bereits auf der neuen Motorengeneration Drive-E basieren. Die Vierzylinder-Architektur, welche diesen Antrieben allen gemein ist, bildet das Rückgrat der aktuellen und künftigen Motoren, die Volvo anbietet. Ausschließlich den D4 gibt es allerdings mit Allradantrieb, während der D3 nur mit Frontantrieb geordert werden kann. Daneben steht noch der Turbobenziner T5 zur Wahl, der mit 245 PS gleichzeitig die Topmotorisierung für den V60 Cross Country ist.

Für eine erste Ausfahrt haben wir den starken Benziner gewählt. Der demonstriert gleich ganz eindrucksvoll, warum diese Autos ihre Nische zu recht gefunden haben. Der Einstieg ist fast wie bei einem SUV, sehr hoch und bequem. Was sechseinhalb Zentimeter doch ausmachen können. Die längeren Federwege hat Volvo mit steiferen Federn zwar ausgeglichen, dennoch sinkt der V60 Cross Country spürbar tiefer ein als der normale Kombi.

Leider ist der Cross Country kein Schnäppchen

Mit den 245 PS des Turbobenziners können die Fahrleistungen natürlich beeindrucken. Das maximale Drehmoment von 350 Newtonmeter steht bei diesem Antrieb auf einem Plateau zwischen 1500 und 4800 Umdrehungen zur Verfügung. Wenn das endet setzt die Spitzenleistung nahtlos an und so beherrscht der T5 nahezu alle Disziplinen. Vom schaltfaulen untertourigen Fahren bis zum agilen Sprint. Gute Dienste verrichtet dabei die serienmäßige Achtgang-Automatik. Die 100 km/h erreicht dieser Volvo in nur 6,6 Sekunden. Allerdings hat der V60 Cross Country mit diesem Motor auch das beachtliche Gewicht von 1735 Kilogramm zu schleppen, wie auch seine Brüder ordentlich Kilos schleppen müssen.

Der Turbobenziner T5 des Volvo V60 Cross Country demonstriert eindruckvoll, warum das Auto die Nische zu Recht erobert hat.
Der Turbobenziner T5 des Volvo V60 Cross Country demonstriert eindruckvoll, warum das Auto die Nische zu Recht erobert hat.Foto: Hersteller

Wer sich danach in den S60 Cross Country setzt, versteht schnell, wie die Unterschiede zwischen den beiden Modellen gesetzt sind. Erstmals trimmt Volvo eine Limousine auf Offroad und bietet sie ausschließlich in der luxuriösen Summum-Ausstattung an. Aluminium-Applikationen, Leder-Sportsitze und 18-Zoll-Felgen außen demonstrieren die gehobenen Ansprüche. Hier haben wir, aus guter alter Verbundenheit, den Fünfzylinder-Diesel mit Allrad gewählt. Immer noch ein feiner Motor, der aus produktionstechnischen Gründen zusammen mit dem Allradantrieb angeboten wird. Kenner sollten zugreifen, denn die Kombination ist eine gelungene. Die Haldex-Kupplung verteilt die Kraft stufenlos zwischen Vorder- und Hinterachse. Im Normalbetrieb ist der S60 Cross Country so fast zur Gänze (95 Prozent) ein Fronttriebler. Werden die Bedingungen schwieriger, so wird bis zu 65 Prozent auf die Hinterachse umgeleitet.

Im unteren Drehzahlbereich stellt der Fünfzylinder schon bei 1500 Umdrehungen das beachtliche Drehmoment von 420 Newtonmeter bereit und hält es bis zu 2500 Umdrehungen konstant. Allerdings ist dieser Diesel etwas schluckfreudiger als der S60 ohne Allrad, der einen ebenfalls 190 PS starken Motor der neuen Generation an Bord hat. Für den Fünfzylinder stehen 5,7 Liter auf dem Papier, während sich der Vierzylinder in der Norm mit 4,2 Litern begnügt.

Entsprechend der besseren Ausstattung ist der S60 Cross Country kein Schnäppchen. Mindestens 43.840 Euro müssen angelegt werden, während der Allradantrieb mit Fünfzylinder-Diesel auf 4500 Euro mehr kommt. Der V60 Cross Country kostet mit dem kleinsten Diesel 36.350 Euro und mit dem starken Turbobenziner T5 42.800 Euro.

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