Volvo : Von wegen, die Schweden saufen

Volvo erhebt das Spritsparen zum Prinzip – und kommt durch akribische Detailarbeit zu erstaunlichen Ergebnissen bei seinen Dieselmodellen.

Eric Metzler

Es ist die Zeit der grünen Nadelköpfe. Monat für Monat kommen neue dazu, Land für Land, Hersteller für Hersteller. Mal ragen aus der Umweltkarte der Autolandschaft einzelne heraus – VW etwa hat leuchtende Blue-Motion-Modelle angepinnt, die gerade wieder auf der Umweltliste des VCD hervorgehoben wurden. Und dann gibt es neuerdings ganze Nadelgruppen, die ins Auge fallen, so wie in München, wo BMW sein „Efficient Dynamics“ zum Prinzip erhoben hat. Ähnlich nachhaltig will nun Volvo punkten: Die Schweden starten in das Modelljahr 2010 mit einer Riege namens DRIVe, die das Dieselfahren so sparsam und sauber machen soll, wie es Volvo die Wenigsten zutrauen – schließlich ist die Marke vor allem als Bauherr großer Familien-Kutschen bekannt geworden.

Die mit einem grünen e gekennzeichnete Palette fällt zwar nicht durch spektakuläre Einzelmodelle auf, dafür mit bemerkenswerten Ergebnissen, die durch beharrliches Feintuning in der Breite erreicht wurden. Für seine Dieselflotte hat sich Volvo eigene, ehrgeizige Ziele gesetzt und die jeweils saubersten Vertreter der Modellreihen in drei Öko-Klassen sortiert: Bis 120g CO2/km emittieren die kompakten Volvo C30, S40 und V50. In der mittleren Emissionsklasse bis 140g CO2/km rangieren der Familienkombi V70 und die Oberklasse-Limousine S80. Die dritte Kategorie wird von den Geländegängern XC60 und XC70 bestückt (bis 160g CO2/km).

Typen wie diese beiden sind grünen Modellpolitiker naturgemäß ein Greuel: Sie bringen mächtig was auf die Waage, sie stehen wie Kugelstoßer im Wind und sie haben einen gehörigen Rollwiderstand. „Unsere schwierigsten Kandidaten“, sagt Projektmanager Peter Ewerstrand, „die brauchen schließlich auch einen größeren Motor als die anderen DRIVe-Varianten“. Um den Verbrauch zu drücken, haben sich die Ingenieure in Göteborg entschieden, den neuen Fünfzylinder 2.4 D, den wir kürzlich für den S80 vorgestellt haben, zu modifizieren: In den XC-Modellen mit DRIVe-Etikett kommt der D5 mit einem statt mit zwei Turboladern, mit 175 statt mit 205 PS. Das maximale Drehmoment mit 420 Newtonmetern kann sich dennoch sehen lassen; die Fahrleistungen sind absolut ausreichend. Dass die beiden XC auf glatte sechs Liter Verbrauch kommen (159 CO2 g/km), liegt auch daran, dass sie sich mit Vorderradantrieb begnügen; zudem schlagen weniger Reibungswiderstände im Antriebsstrang zu Buche, verringerte Motor-Pumpverluste und eine verfeinerte Einspritzung.

Bis auf die XC basieren alle anderen DRIVe-Modelle auf einem 1.6-Liter-Triebwerk, also auch die nicht eben zierlichen Familienautos V70 und S80. Unterwegs lässt sich mit der Leistung von 109 PS und dem maximale Drehmoment von 240 Newtonmetern so leben; an der Zapfsäule dann findet man sie schlagartig absolut prima: 4,9 Liter für Autos diesen Kalibers sind ein Wort. Auch hinter diesem Wert steckt viel Arbeit im Detail: eine spezielle Motorsoftware; die veränderte Übersetzung des manuellen Schaltgetriebes im dritten, vierten und fünften Gang; Reifen mit weniger Rollwiderstand und eine Lenkservopumpe, die energieeffizient exakt dann Unterstützung bietet, wenn sie gebraucht wird. Der V70 DRIVe kommt zudem tiefer gelegt und mit Kühlergrill-Abdeckung.

Zu Recht stolz sind die Schweden, wenn es um die Daten der Verbrauchsbesten geht: Auch dank des Start-Stop-Systems schlucken C30, S40 und V50 im Idealfall weniger als vier Liter Diesel (104 g CO2/km). Einen ungewöhnlichen Spar-Effekt und den Komfort weichen Motorstarts verwirklicht Volvo mittels Zusatzbatterie. Schaltet sich der Motor an der Ampel oder anderen Haltestellen automatisch ab, legen sich elektronische Systeme wie die Klimaanlage in einen Standby-Modus; die Audioanlage indes läuft ungerührt weiter. Wer sich mit der Start-Stop-Technologie nicht anfreunden mag, hat im Falle von C30, S40 und V50 zwei Möglichkeiten: Einfach in der Mittelkonsole ausschalten. Oder zu einem der DRIVe-Modelle der Vorgänger-Generation greifen, die ein paar Zehntel Liter mehr verbrauchen, dafür aber ein paar Hunderter billiger sind: Auch der C30 DRIVe ohne Start/Stop, den wir im Alltag getestet haben, bleibt im Programm (Bericht auf dieser Seite).

Die DRIVe-Preise im Überblick: Volvo C30 ab 22 140 Euro; S40 ab 24 010, V50 ab 25 890 (jeweils 1.6D mit Start/Stop). Volvo V70 1.6D ab 30 300 Euro, S80 1.6D ab 32 500. Volvo XC60 2.4D ab 32 900, XC70 2.4D ab 39 480 Euro.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar