Auto : Von Nutzen

Mercedes nimmt wieder einen Stadt-Lieferwagen ins Programm – und versucht, sich vom baugleichen Renault Kangoo abzuheben.

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Sagen wir es mal so: Der neue Liefer-Van, den Mercedes im September auf den Hof rollt, ist nicht so edel geworden, dass der Blaumann fehl am Platze wäre. Das ist gar nicht ironisch gemeint: Die Schwaben werden nämlich nicht müde zu betonen, wie sehr sich der Citan vom Kangoo abhebt. Die Neuauflage des Renault ist immerhin so etwas wie ein Zwilling – jedenfalls, wenn es um die technische Basis geht.

Mercedes hat eine Allianz mit den Franzosen geschmiedet, um eine schmerzliche Lücke zu füllen, die im Katalog der Nutzfahrzeuge unterhalb von Sprinter und Viano klafft. In einem Segment, in dem sich die Absatzzahlen in den letzten sieben Jahren verdoppelt haben, standen die Stuttgarter nach dem leisen Tod des glücklosen Viano blank da. Jetzt will man das Feld von hinten aufrollen. Und wie. In Amsterdam wurden dem internationalen Fachpublikum nun die Vorzüge des City-Transporters schmackhaft gemacht – mit einer rasanten Präsentation, die eines Sportwagens würdig gewesen wäre.

Kein Wunder, immerhin steht an der Spitze der Nutzfahrzeuge-Sparte Volker Mornhinweg. Der Manager führte lange die Mercedes-Tochter AMG; ein Mann mehr von schnellen Kurven geprägt als von sperrigen Kisten. Prompt pries Mornhinweg neben „Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Qualität“ die „excellente Fahrdynamik“, die so kein Wettbewerber zu bieten habe. Wie sich das anfühlt und wieviel das Gärtnern, Installateuren und Kurierfahrern im Alltag wert sein wird, ist offen: Eine Probefahrt hat Mercedes bislang nur Werksfahrern und Vorständen gegönnt.

Das Citan-Programm sieht drei Längen vor und drei Modellvarianten. Neben dem Basis-Kastenwagen mit vollflächiger Trennwand gibt es den Citan Kombi und den extralangen Fünfsitzer Mixto mit klappbarer Rückbank, Trenngitter zum Laderaum und zwei Schiebetüren. Für die Ladung von hinten haben die Kunden die Wahl zwischen den serienmäßigen Hecktüren oder einer weit öffenenden Klappe. Eine Dachreling gibt’s als Option genauso wie eine Leiterklappe.

Auffälligste Unterschiede zum baugleichen Franzosen sind optisch der Kühlergrill und die gepfeilte Front, inhaltlich das Stabilitätsprogramm ESP. Bei Mercedes ist das Sicherheitsmerkmal Standard, bei Renault kostet es Aufpreis. Von der Seite und von hinten hebt sich der Citan kaum vom Kangoo ab; innen gefallen die Mercedes-typischen Schalter. Über das viele Hartplastik vermögen sie zwar nicht hinwegzutäuschen – aber die geschmackliche Not lässt sich in einem Lieferwagen spielend in eine praktische Tugend umdeuten: Robust und leicht abzuwischen.

Das Motorenprogramm wird bestückt mit drei Turbodieseln von 75 über 110 bis 114 PS. Daneben gibt’s einen aufgeladenen Benziner mit 114 PS. Während dieser Start-Stopp serienmäßig mitbringt, muss das Blue-Efficiency-Paket bei den Selbstzündern zugekauft werden. Verbrauchszahlen gibt es noch nicht. Volker Mornhinweg setzte in seiner Amsterdamer Rede aber eine Marke von fünf Litern.

Auch beim Preis lässt sich Mercedes noch nicht in die Karten schauen – wohlwissend, dass sich der Kampf um Lieferanten und Handwerker auch am Euro entscheiden könnte. Man sei sich bewusst, wie „sensibel“ das Segment in dieser Hinsicht sei, hieß es. Und, gewiss, es werde „auch weiterhin günstigere Fahrzeuge in dieser Klasse“ geben. Gerüchteweise ist von einem Basispreis um die 17 000 Euro die Rede – für die Verkäufer im Zeichen des Sterns eine schöne Herausforderung.

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