Vorbereitung auf eine Oldtimer-Rallye : Mit Stoppuhr auf Zeitreise

Einfach durch die Landschaft gondeln kann jeder. Wer sich und seinen Oldtimer fordern will, der meldet sich bei einer Rallye an. Dabei geht es allerdings weniger um hohe Geschwindigkeiten als um Timing. Training und gute Vorbereitung sind dabei unerlässlich.

Wertungsprüfung bei einer Oldtimer-Rallye: Es geht nicht um Geschwindigkeit sondern um Präzision bei den Wettbewerben.
Wertungsprüfung bei einer Oldtimer-Rallye: Es geht nicht um Geschwindigkeit sondern um Präzision bei den Wettbewerben.Foto: dpa

Noch stehen die meisten Oldtimer warm und trocken in ihren Garagen. Doch einige Fahrer können den Start in die Saison gar nicht mehr abwarten. Seit Wochen brüten sie über Veranstaltungsterminen, die den Kalender in den nächsten Monaten aus allen Nähten platzen lassen. „Wenn man die Fachzeitschriften aufschlägt, finden sich für jedes Wochenende im Sommer mindestens 25 Oldtimer-Rallyes, Klassikertreffen, Concours d'Élégance oder Club-Ausfahrten“, sagt Maik Hirschfeld, Präsident des Oldtimerverbands Deuvet.

Bei den organisierten Ausfahrten „kommt zur Freude am Fahren noch der gesellige und mitunter auch der sportliche Aspekt“, sagt Michael Wiring. Der Mann aus dem hessischen Dietzenbach bereitet Oldtimerbesitzer mit Trainings auf die Teilnahme an solchen Veranstaltungen vor. Denn es gibt Unterschiede: Bei Orientierungsfahrten müssen die Teilnehmer den Weg finden. Bei Aus- oder Sternfahrten können sie sich in dieser Hinsicht zurücklehnen, denn diese Touren sind geführt oder zumindest gut dokumentiert. Und schließlich gibt es noch die klassischen Rallyes, bei denen es laut Wiring auf Präzision und Gleichmäßigkeit ankommt.

Geschickter Umgang mit Tempo gefragt

Auch die Kosten spannen einen weiten Bogen. „Von 50 Euro für eine Orientierungsfahrt des lokalen Motorsportclubs bis hin zu fünfstelligen Beträgen für die Teilnahme an der Mille Miglia samt Oldtimer und Betreuung aus dem Werksmuseum eines Herstellers ist alles drin“, gibt der Experte einen Überblick.

Wer sich bei einer echten Rallye anmeldet, muss mit oft mehreren Dutzend sogenannter Wertungsprüfungen rechnen. Dabei geht es zwar nicht um hohe Geschwindigkeit, dafür aber um einen geschickten Umgang mit dem Tempo. So muss eine vorgegebene Strecke wahlweise in einer exakt definierten Zeit oder mit einem präzise definierten Durchschnittstempo gefahren werden. „Das können mal ein paar hundert Meter mit 12,4 km/h und mal ein paar Dutzend Kilometer mit 55 km/h sein - da entwickeln die Veranstalter viel Fantasie“, sagt Wiring.

Vorbereitung ist ratsam

Noch schlummern viele Oldtimer im Winterschlaf. Aber die Besitzer werden bereits unruhig.
Noch schlummern viele Oldtimer im Winterschlaf. Aber die Besitzer werden bereits unruhig.Foto: dpa

Will man bei solchen Wertungen punkten, „dann geht es um jeden Zentimeter und jede Zehntelsekunde“, erläutert Hans Werner Wirth aus Fürth, der jedes Jahr bei vielen Rallyes antritt und oft auf dem Treppchen steht. Ein Gefühl für Lichtschranken und Stoppuhr entwickelt man nach Einschätzung des erfahrenen Fahrers durch Routine: „Das erste Dutzend Rallyes dient nur zum warm werden, erst dann kann man sich langsam Hoffnungen aufs Treppchen machen.“ Wer den Lernprozess beschleunigen will, bucht für Preise ab 200 Euro ein Rallye-Training. „Dort lernt man nicht nur Roadbooks und Wertungsprüfungen, sondern auch seinen Beifahrer richtig kennen“, sagt Wiring, der selbst solche Schulungen anbietet. Denn wer gemeinsam Spaß im Oldtimer habe, sei noch lange kein richtiges Team.

Eine gewisse Vorbereitung ist bei jeder Rallye ratsam. Das gilt selbst für Profis wie PS-Legende Rauno Aaltonen: „Bevor ich zu einer Oldtimer-Rallye starte, mache ich mich mit dem Wagen vertraut und kalibriere als erstes den Tacho“, verrät der Sieger der Rallye Monte Carlo 1967. Schon eine geringe Abweichung könne über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Auf die Zehntelsekunde durch die Lichtschranke

Und wer einmal Seriensieger wie Hans Werner Wirth bei ihren Konzentrationsübungen vor einer Sonderprüfung beobachtet hat, der lernt schnell, wie ernst man den Spaß am ehrwürdigen Blech nehmen kann. Fast wie in Trance steigt der Franke in seinen Klassiker. Sein Streckenbuch sieht aus wie eine mathematische Formelsammlung, die Stoppuhr ist im Cockpit montiert - so präpariert rollt er oft auf die Zehntelsekunde genau durch die Lichtschranke.

Neben einem guten Fahrer und dem versierten Beifahrer brauche es auch die richtige Ausrüstung, sagt Rallye-Trainer Wiring. Für die ersten Versuche reichten vielleicht noch der Tageskilometerzähler, der Timer des Handys oder der Sekundenzeiger der Armbanduhr. „Aber wer nicht nur mit-, sondern vorneweg fahren will, braucht mindestens zwei Stoppuhren und einen ordentlichen Wegstreckenzähler.“ „Das Wichtigste aber ist das passende Fahrzeug“, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenvereinigung KÜS in Losheim am See. Damit meint er nicht nur ein Auto, das thematisch zur Veranstaltung passt. Vor allem denkt er an den technischen Zustand und die Verkehrssicherheit: „Der Klassiker wird bei einigen Veranstaltungen auch auf Zeit gefahren, da muss alles am Fahrzeug stimmen.“ Doch auch wenn die Hauptuntersuchung gerade erst gemacht wurde - ein altes Auto kann immer liegen bleiben. Für solche Fälle fahren bei Rallyes in der Regel Begleitfahrzeuge und für den ärgsten Notfall auch ein Abschleppwagen mit, sagt Helge Joest, der zuletzt die Hamburg-Berlin-Klassik mitorganisierte. „Früher oder später kommen so tatsächlich alle Teilnehmer ins Ziel.“ (dpa)

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