Vorstellung: Audi A3 Limousine : Beau mit Knick

Außerhalb Europas bestellt jeder zweite Kunde ein Stufenheck. Wenn das kein Grund ist dem A3 eine Kante ins Heck zu hauen, dachte man sich in Ingolstadt. Heraus kam die erste Audi A3 Limousine überhaupt.

von
Nicht drangesetzt: Die Aufgabe bei einem Kompaktmodell ein Stufenheck zu gestalten ist nicht die leichteste. Bei der Audi A3 Limousine ist die Lösung gut gelungen.
Nicht drangesetzt: Die Aufgabe bei einem Kompaktmodell ein Stufenheck zu gestalten ist nicht die leichteste. Bei der Audi A3...Foto: Hersteller

Limousine, da denkt der geneigte Mitteleuropäer gleich an Prunk und Protz, denn Limousinen werden mit der automobilen Oberklasse gleichgesetzt. Die Mercedes S-Klasse, der 7er von BMW oder der Audi A8 wären so welche. Dass auch ein Auto wie der Jetta von Volkswagen zu dieser Gattung zählen könnte liegt den hiesigen Autofreunde eher fern. Hierzulande heißt eine Normalo-Limousine ganz unromantisch Stufenheck und läuft bei den Zulassungszahlen der meisten Modelle eher als Randerscheinung.
Aber die Renaissance der Stufenhecks, oder bleiben wir des schöneren Wortes wegen bei der Limousine, hat schon längst begonnen. Schuld sind die Russen, die Südamerikaner und, wie immer möchte man fast sagen, die Chinesen. Die Kunden dieser in ihrer Bedeutung stetig wachsenden Märkte wollen sich nicht so einfach an Kombi gewöhnen und verlangen nach dem Knick im Heck. Deshalb hat Opel seinen Astra entsprechend umgeformt, Mercedes zielt mit dem stufigen CLA Richtung neue Märkte und der BMW zeigt sich ja beim 3er schon immer etwas limousiniger und auch den BMW 1er gibt es schon länger mit Kante. Der bereits erwähnte Jetta existiert nur deshalb, weil vor allem die Nordamerikaner den kleinen „Volkswägen“ schon immer mehr mochten als unseren Klassiker, den VW Golf.

Heck wirkt nicht stummelig
So kommt der Golf-Bruder A3 zu seinem Knick im Heck und Audi zu einem neuen Modell. Aber ganz so einfach, wie sich das anhört haben sich die Ingolstädter das nicht gemacht. Die Audi A3 Limousine steht auf der Plattform des Audi A3 Sportback, hat aber eine breitere Spur bekommen. Das habe Audi-Designchef Wolfgang Egger so gewollt, heißt es, damit die Limousine flacher daher kommt und damit satter auf der Straße steht. Beim ersten Blick auf den Neuen muss konstatiert werden: Das ist gelungen. Die Audi A3 Limousine wirkt aus der Ferne stimmiger als der etwas gedrungen aussehende Mercedes CLA. Vor allem aber ist die C-Säule schön nach hinten runter geschwungen, was dem Auto fast den Charakter eines Coupés gibt. Gleichzeitig wirkt der Abschluss samt integrierter Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel nicht stummelig, obwohl zwischen dem Glas der Heckscheibe und der Kante nur geschätzt 15 Zentimeter liegen. Darunter stecken dann aber immerhin 425 Liter an Kofferraumvolumen. Das sind satte 60 Liter mehr als der dreitürige A3 zu bieten hat und zum größeren A4 fehlen nur 55 Liter.

Die Kante im Heck
Ganz klassisch steigt Audi im Kompaktsegment beim Stufenheck ein. Nach der Konkurrenz von Mercedes und BMW kann nun auch Audi einen Kompakten mit Kante im Rücken anbieten.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: Hersteller
18.06.2013 00:12Ganz klassisch steigt Audi im Kompaktsegment beim Stufenheck ein. Nach der Konkurrenz von Mercedes und BMW kann nun auch Audi...


Das kann sich also durchaus sehenlassen, was die Designer aus der Aufgabe gemacht haben, aus dem Audi A3 eine Limousine zu machen. Der einzige Vorwurf, den man aus optischen Gründen anführen könnte, wäre, dass er dem großen Bruder, dem Audi A4 doch sehr ähnlich sieht. Böse Zungen mögen sogar behaupten, dass er ein zu heiß gewaschener A4 sein könnte. Aber natürlich haben die Designer die Taille etwas tiefer gezeichnet, die Schulterlinie sitzt höher und mündet in die Heckklappe und schließlich werden die Modelle bei Audi vor allem über die Gestaltung der Frontscheinwerfer und Heckleuchten auseinanderdividiert. Auf den ersten Blick eliminiert das zwar nicht die Verwechslungsgefahr, aber zumindest Experten sehen schnell den Unterschied.

Beachtlich viel Platz im Fond
Bei unserer ersten Probefahrt haben wir den Blick natürlich zunächst auf die zweite Sitzreihe gelenkt. Die Platzverhältnisse, die sich hier vorfinden sind durchaus beachtlich und auch die Kopffreiheit ist absolut ausreichend. Der Preis dafür ist eine recht tief liegende Rückbank und ein langer Radstand von 2,64 Metern. Das bringt die eigentlich nur 4,46 Meter lange Audi A3 Limousine dann zu einem beachtlichen Wendekreis, dessen Umfang nicht näher beziffert wurde. Er dürfte aber deutlich jenseits der elf Meter liegen. Das ist allerdings ein Problem, das nahezu alle modernen Autos mit ordentlichem Platzangebot gemeinsam haben.

Durch die lang nach hinten abfallende C-Säule bekommt die Audi A3 Limousine Coupécharakter und einen eigenständigen Auftritt.
Durch die lang nach hinten abfallende C-Säule bekommt die Audi A3 Limousine Coupécharakter und einen eigenständigen Auftritt.Foto: Hersteller

Ansonsten bietet das Interieur der Audi A3 Limousine wenig Überraschungen. Innen ist alles wie bei den A3-Brüdern. Inklusive der sehr guten Verarbeitung und der wertigen Materialauswahl. Da setzen die Ingolstädter schon den Maßstab in dieser Klasse. Durch die breitere Bauart der Limousine zeigt sie sich vorne sogar noch einen Tick geräumiger als Dreitürer oder Sportback. Die Mittelkonsole wurde relativ schmal ausgelegt und wie üblich fährt das flache, aber 5,8 Zoll große Display darüber aus. Für den bordeigenen WLan-Hotspot gibt es ab November übrigens erstmals überhaupt eine schnelle LTE-Verbindung als Option. Damit bekommt die Internetverbindung des Autos eine neue Dimension und einen gesteigerten Nutzwert.

Drei neue Motoren
Bei den Motoren verweist man bei Audi auf drei Neuentwicklungen, die zum Start verfügbar sind. Besonders interessant ist die Weiterentwicklung des 1.4 TFSI, der nun, ebenso wie bereits ein anderer Zwei-Liter-Benziner, den Audi im vergangenen beim Q5 einführte, mit Zylinderabschaltung arbeitet. Im Teillastbereich und bei niedrigen Kraftanforderungen werden zwei der vier Zylinder deaktiviert. Damit kommt die Audi A3 Limousine im unrealistischen Normzyklus auf 4,7 Liter Verbrauch. Die Realität dürfte erfahrungsgemäß bei rund sechs Litern liegen. Eine Probefahrt bestärkte diese Vermutung, doch im Grunde ist das immer noch ein ordentlicher Wert. Diesen dürfte der 1.8 TFSI nicht erreichen können, der schon beim Normverbauch bei 5,6 Litern liegt. Dafür kann er bei immer noch akzeptablem Verbrauch mit 180 PS und 235 km/h Spitze glänzen. Der ebenfalls überarbeitete zwei Liter große Diesel-Motor bringt es auf 150 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment. Es sollen demnächst noch ein kleinerer Diesel (1,6 Liter Hubraum) und die Sportversion S3 nachrücken.

Die Preisgestaltung der Audi A3 Limousine ist selbstbewusst. Preislich ist der Unterschied zum A4 nicht sehr groß.
Die Preisgestaltung der Audi A3 Limousine ist selbstbewusst. Preislich ist der Unterschied zum A4 nicht sehr groß.Foto: Hersteller

Mit dem Diesel sind wir dann auch auf einer längeren Proberunde unterwegs gewesen. Hier zeigte sich vor allem, dass die breitere Spur und der längere Radstand zu einem sehr soliden und ausgewogenen Fahrverhalten führt. Die Audi A3 Limousine liegt so satt auf der Straße, dass selbst hektische Lenkbewegung kaum Unmut in der Karosserie und vor allem im Heck bewirken können. Beide gefahrenen Antriebe zeigten sich auf den Probekilometern sehr agil und leichtfüßig. Das erklärt sich beim 1.4 TFSI vor allem durch das ausgesprochen geringe Leergewicht von nur 1250 Kilogramm und selbst der Dieselantrieb bringt es auf nur 1315 Kilogramm.

Design und Technik sind die Reize

Diesen niedrigen Werte erreicht man bei der Audi A3 Limousine durch einen cleveren Materialmix bei der Karosserie mit einem relativ hohen Aluminiumanteil. Aber auch bei den Motoren wurde kräftig Gewicht gespart. Der 1.4 TFSI wiegt für sich nur 107 Kilogramm. Das ist weniger plakativ als bei der Konkurrenz, dafür offenbar effektiver. Ein BMW 1er Coupé kommt mit der kleinsten Motorisierung auf satte 200 Kilogramm mehr und beim "kleinen" Mercedes CLA sind es ebenfalls 145 Kilogramm Übergewicht. Während der Mercedes immerhin länger ist und einen etwas größeren Kofferraum (470 Liter) hat, ist der BMW sogar kürzer und schluckt mit 370 Liter deutlich weniger.

Preislich wurde die Audi A3 Limousine relativ hoch angesiedelt. Mindestens 27 400 Euro kostet das schönste Heck eines A3. Im Vergleich zur Konkurrenz liegt er damit zwar knapp unter dem Münchner und Stuttgarter Angebot. Vor allem aber bekommt der Kunde für nur relativ wenig mehr Geld schon die Audi A4 Limousine. Wer sich für die höheren Ausstattungslinien interessiert muss dann mit deutlich mehr als 30 000 Euro rechnen. Die Einstiegslinie Attraction hingegen ist recht dürftig ausgestattet und Audi lässt sich dann noch Dinge wie Mittelarmlehne, Durchlademöglichkeit oder Berganfahrassistent extra bezahlen.

Dennoch dürfte der gelungene Auftritt der Audi A3 Limousine so einige Kunden überzeugen. Audi ist es gelungen die guten Eigenschaften des A3 in der neuen Karosserieform mit schöner Optik und interessanten Motoren zu kombinieren. Das sollte ab September, wenn der Neue bei den Händlern steht, so manchen Kunden ins Autohaus locken. Und das wohl nicht nur in Asien oder Amerika, wo man doch die Kante am Heck so sehr schätzt. Auch in der Golf-Hochburg Deutschland könnte sich so mancher für den Beau mit dem Knick erwärmen können.

Stärken: Gelungenes Design, gute Platzverhältnisse innen, relativ sparsame Motoren

Schwächen: Kleinliche Aufpreispolitik, großer Wendekreis, in der Höhe begrenzter Kofferraumzugang

Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben