• Vorstellung Audi Q3 Facelift und Audi RS Q3 Facelift: Aufgefrischt ohne frische Ideen

Vorstellung Audi Q3 und Audi RS Q3 : Er wischt und kommt flott weg

In Ingolstadt wurde das Make-up-Kästchen rausgeholt und dem Audi Q3 eine Frischzellenkur verpasst. Die findet aber vor allem unter der Haube statt. Beim Sport-Ableger Audi RS Q3 hingegen haben sie einen ordentliche Schippe draufgelegt.

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Jetzt wird es plastisch: Der Audi Q3 trägt nun die modernste Ausgabe des Audi-typischen Single-Frame-Kühlergrills vor sich her. Es ist zu erkennen, wo die Marke damit hin will.
Jetzt wird es plastisch: Der Audi Q3 trägt nun die modernste Ausgabe des Audi-typischen Single-Frame-Kühlergrills vor sich her. Es...Foto: promo

Spät kommen und dann abräumen, das ist eigentlich die Spezialität von Volkswagen. Die Wolfsburger sind in der Branche berüchtigt dafür, sich neue Trends abwartend anzuschauen, aus den Fehlern anderer zu lernen und dann mit einem reifen Produkt mit Vollgas an die Spitze des Segments zu fahren. Frei nach dem Motto: Lass die anderen sich erst mal austoben, wir stehen am Ende doch ganz vorne. Bei Audi war man bisher weniger bekannt für solche Taktiken. Aber auch Ingolstadt kann das Feld von hinten aufrollen, das hat der Audi Q3 gezeigt. Zwar war man mit dem Modell 2011 nicht gänzlich hinten dran, Mercedes zeigte erst in diesem Frühjahr mit dem GLA seine Idee eines kompakten SUVs. Aber gut zwei Jahre nach dem Erzfeind BMW mit einem Kompakt-SUV auf den Markt zu kommen dürfte bei Audi kaum jemand glücklich gemacht haben.

Dafür hat es dann mit dem Durchmarsch um so besser geklappt. Audi baute bisher weltweit mehr als 400 000 Exemplare des Q3 und setzte sich damit an die Spitze des Segments. Zwar ist der Vorsprung auf dem deutschen Markt (20 517 Zulassungen von Januar bis Oktober 2014) gegenüber dem BMW X1 (20 031 Zulassungen) auf ein paar 100 Neuzulassungen mehr zusammengeschmolzen, aber die Pole Position hat die Marke mit den vier Ringen immerhin verteidigt. Und Neuwettbewerber Mercedes GLA kann in seinem ersten Jahr (12 707 Zulassungen bis Oktober 2014) in diesen Zweikampf (noch) nicht eingreifen.

Audi Q3 zeigt neuen Single-Frame

Dennoch, der Markt wird enger und die Konkurrenz gräbt heftig an den Pfründen des Audi Q3. Zeit für neues Makeup und eine Frischzellenkur bei den Motoren, dachte man sich in Ingolstadt. Und voliá: Da steht der überarbeitete Audi Q3 auf den Rädern.

Die wichtigste Neuerung findet sich vorne: Der Single-Frame-Grill wird jetzt plastisch und gibt einen ersten Ausblick, wohin die Reise mit dem neuen Chefdesigner Marc Lichte wohl gehen wird. Audi muss sich seit Jahren Kritik anhören, dass man sich in Sachen Design nicht mehr weiterentwickele. Der Single-Frame, einst Stil-Ikone und unverwechselbares Denkmal der neuen, erfolgreichen Ära, wurde gestalterisch immer mehr zur Last. Beim Audi Q3 wird er plastisch und folgt damit dem Wink so mancher Studie, die in den letzten Monaten von Audi auf Automobilmessen zu sehen war. Außerdem ist der dominante Kühlergrill nun an den oberen Ecken weiter auseinandergezogen, wird zu einem Hexagon. Mehr Dynamik scheint das Credo. In diese Richtung dürfte sich die Design-Linie der Marke wohl auch entwickeln, wenn man den Hellsehern der Branche Glauben schenken darf. In dieser Woche wird der Audi A9 erstmals auf der L.A. Autoshow zu sehen sein. An diesem, gänzlich neuen Modell soll der Trend der nächsten Jahre klar abzulesen sein.

Wischende Blinker und neue Kofferraumabdeckung

Ansonsten ist die Überarbeitung optisch recht dezent ausgefallen. Ein paar horizontale Linien hinten sollen den Audi Q3 satter auf der Straße stehen lassen. Am Grundkonzept wurde jedoch nichts verändert. Abmessungen, Radstand und Höhe sind gleich geblieben. Dafür bekommt der Audi Q3 nun die wischenden Blinker vom A8 und geht serienmäßig mit Bi-Xenon-Scheinwerfern an den Start. Auch die Kofferraumabdeckung haben die Ingolstädter überarbeitet. Hier sitzt nun künftig eine wertige Schiebeabdeckung mit Schiebleisten statt dem mit Bändeln angebundenen Plastikschild des Vorgängers.

Auch am Interieur haben die Ingolstädter Hand angelegt. Die Mittelkonsole wurde neu gestaltet. Der Startknopf sitzt aber etwas versteckt unter der Klimaanlage.
Auch am Interieur haben die Ingolstädter Hand angelegt. Die Mittelkonsole wurde neu gestaltet. Der Startknopf sitzt aber etwas...Foto: promo

Revolutionärer geht es da schon unter der Haube zu, denn Audi hat, eigenen Angaben zufolge, an jede Motorvariante Hand angelegt. Bei vielen Antrieben freilich beschränken sich die Maßnahmen auf Detailarbeit, die er Kunde kaum wahrnehmen wird. Wichtige Neuerungen beim Audi Q3 Facelift sind aber ein völlig umgekrempelter Zwei-Liter-TDI, so etwas wie der Brot-und-Butter-Antrieb der Modellreihe und der 1,4 Liter große Benzindirekteinspritzer, der mit Zylinderabschaltung arbeitet. Beide Antriebe bekommen das hausinterne Label "ultra" für besonders sparsame Modelle der Marke.

Neuer Benziner mit Zylinderabschaltung für den Audi Q3

Der Benziner mit der konzerntypischen Direkteinspritzung kombiniert mit einer Abgas-Turboaufladung (TFSI), kommt auf dem Papier mit 5,8 Liter im Mix aus. Das wird vor allem durch die Abschaltung der beiden mittleren Zylinder im Teillastbetrieb erreicht. Wobei das "abschalten" etwas irreführend ist, denn die Kolben drehen sich durchaus weiter. Es wird nur durch das Verschieben der Nockenwelle die Kraftstoffeinspritzung deaktiviert. Die Technik funktionierte auf den ersten Testkilometern beeindruckend gut. Umschaltvorgänge, Löcher oder gar Ruckler waren nicht zu bemerken. Dafür ist der Motor mit dem mindestens 1395 Kilogramm schweren Audi Q3 schon gut beschäftigt. Eine lahme Ente ist der Audi Q3 1.4 TFSI mit diesem sparsamen Antrieb sicher nicht, immerhin schafft er die 100 km/h in 9,2 Sekunden. Aber eine leichte Antrittsschwäche ist bei dem Ingolstädter dann doch zu diagnostizieren. Das Drehmoment-Maximum von 250 Newtonmeter ist zwar von 1500 bis 3500 Umdrehungen gespreizt. Die Leistungsspitze von 150 PS wird dagegen erst ab 5000 Umdrehungen erreicht.

Neu im Angebot ist ein 1,4 Liter großer Benziner, der über Zylinderabschaltung besonders sparsam unterwegs ist.
Neu im Angebot ist ein 1,4 Liter großer Benziner, der über Zylinderabschaltung besonders sparsam unterwegs ist.Foto: promo

Der neue Zwei-Liter-TDI stand für erste Ausfahrten noch nicht zur Verfügung. Der Antrieb steht mit einem Verbrauch von 4,4 Liter nach EU-Norm an der Spitze der sparsamen Motoren für den Audi Q3 Facelift. Aus Ingolstadt ist zu hören, dass man dem Antrieb einen Minderkonsum von 17 Prozent ins Herz konstruiert hat. Das wäre schon ein beachtlicher Wert, wenn er sich so auch in der Realität herausfahren lässt. Ansonsten hat man bei dem Motor fast alles angefasst und überarbeitet. Laut Audi wurde der Motorblock neu geformt, die Zylinderköpfe überarbeitet und ein neuer Turbolader draufgesetzt.

Im Februar kommenden Jahres wird der neue Audi Q3 2015 bei den Händlern vorstellig werden. Dann sollten die Kunden mindestens 29600 Euro im Gepäck haben um das Kompakt-SUV AUS Ingolstadt mitnehmen zu können.

Umfangreiches Update für den Audi RS Q3

In der Abteilung Super-Dynamiker arbeitet der sportlichste Ableger der Baureihe, der Audi RS Q3. Der war vorher sicher schon keine lahme Ente. Aber angesichts der neuen Bedrohung von Mercedes in Form des GLA 45 AMG hat man hier noch mal kräftig investiert. Um satte 30 PS, bald zehn Prozent, wurde die Leistung des sportlichsten Q3 auf nun 340 Pferdestärken gesteigert. Am Grundkonzept des Motors hat man nichts geändert, ebenso ist der permanente Allradantrieb geblieben. Der Fünfzylinder bringt so viel Potenzial mit, dass er rein durch elektronische Abstimmung auf mehr Leistung  gebracht werden konnte. So sprintet der Audi RS Q3 2015 nun in 4,8 Sekunden auf die 100 Stundenkilometer. Das bringt den kleinen Kraftprotz glatt in die Region so mancher etablierter Sportwagen.

Der Bad Boy im Programm: Der Audi RS Q3 hat nun 30 PS mehr und ist nochmal deutlich sportlicher abgestimmt.
Der Bad Boy im Programm: Der Audi RS Q3 hat nun 30 PS mehr und ist nochmal deutlich sportlicher abgestimmt.Foto: promo

Gearbeitet hat man bei Audi auch an Fahrwerk und Lenkung. Letztere agiert nun deutlich präziser und das Fahrwerk ist im Sportmodus noch eine Note strammer abgestimmt. In der Summe verbessern diese Maßnahmen das Fahrerlebnis mit dem Audi RS Q3 noch einmal deutlich. Er lässt sich noch ein Tick präziser um Ecken zirkeln, bietet dabei mit dem frisch abgestimmten Fahrwerk etwas mehr Reserven und ist – natürlich – spürbar schneller. Nur der verringerte Kraftstoffkonsum ließ sich bei unseren Fahrten nicht nachvollziehen. Mit 8,4 Litern soll sich der Sport-Q3 auf der Normrunde begnügen. Wer sich aber nicht schwer zurückhält wird im Audi RS Q3 die Marke von zehn Litern für 100 Kilometer nur sehr selten unterschreiten. Den Kunden dürfte das ohnehin relativ schnuppe sein. Wer sich das Auto für mindestens 56 600 Euro leistet, der legt mehr Wert auf Fahrspaß, denn auf günstige Tankrechnungen. Dafür bekommt er mit dem Audi RS Q3 ein ausgesprochen verlockendes Angebot.

Gentleman mit Sportsgeist
Sportsmann: Der Audi S3 kommt für einen Kompakt-Sportler erst mal relativ unscheinbar daher. In einer Klasse, in der normalerweise Spoiler und Kotflügelverbreiterungen Standard sind gibt der Audi S3 eher den Gentleman.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Markus Mechnich
04.06.2014 11:00Sportsmann: Der Audi S3 kommt für einen Kompakt-Sportler erst mal relativ unscheinbar daher. In einer Klasse, in der normalerweise...

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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