Vorstellung Audi Q7 E-tron : Elefant mit Kraftwerk

Ein zwei Tonnen schweres SUV mit grünem Mäntelchen? Was Umweltschützer hassen kommt bei den Kunden gut an. Der Audi Q7 E-tron macht aus dem Dickschiff ein intelligentes Kraftwerk.

Paul Mühlenweg
Grünes Dickschiff. Der Audi Q7 wird als Plug-in-Hybrid vielleicht nicht zum Saubermann. Aber er macht aus dem großen SUV immerhin ein akzeptables Auto für die Stadt.
Grünes Dickschiff. Der Audi Q7 wird als Plug-in-Hybrid vielleicht nicht zum Saubermann. Aber er macht aus dem großen SUV immerhin...Foto: Hersteller

350 Kilo – Eine beachtliche Zahl. Vor allem, wenn von der Gewichtsersparnis bei einem Auto die Rede ist. Glaubt man den Ingenieuren oder besser den Controllern, dann kostet jedes Kilo eine Menge Geld. Wer käme da auf die Idee einem Auto gleich wieder 375 Kilogramm auf die Achsen zu packen?

Die Idee ist allerdings gar nicht so abwegig, folgt man der Logik der internationalen Automärkte, dann ist das allerdings gar keine schlechte. Auch wenn Greenpeace hierzulande Autos wie den Q7 als Umweltteufel brandmarkt, die Kundschaft gönnt sich gerne den großen Freiraum in Automobil, vor allem in den USA und in Asien. Dort gilt: Je größer desto besser. In dieser Disziplin kann den Q7 kaum jemand schlagen. So hat Audi bereits in den ersten vier Monaten, in denen das größte Ingolstädter SUV frisch auf dem Markt ist bereits Q7 verkauft als im gesamten Vorjahr zusammen.

Batterie des Audi Q7 E-tron kostet Kofferraumvolumen

Nun ist nicht jeder SUV-Fahrer völlig gewissenlos in Sachen Umwelt. Die Zeiten des hemmungslosen Konsums sind auch bei den Dickschiffen auf dem Automarkt gezählt. Das hat zur Folge, dass Hybrid-Antriebe bei den großen SUVs boomen. Porsche hat es mit dem Cayenne S E-Hybrid gemacht, BMW mit dem X5 40e und Volvo XC90 kommt demnächst als Plug-in-Hybrid auf den Markt. Und so elektrifiziert auch Audi seinen Q7. Glaubt man dem Hersteller, dann steckt dieser alle seine Konkurrenten in die Tasche.

Schwergewicht: Alleine die Batterie im Heck unter dem Ladeboden des Audi Q7 E-tron wiegt 202 Kilogramm. Insgesamt kommen 375 Kilo durch den Hybridantrieb zusätzlich auf die Achsen.
Schwergewicht: Alleine die Batterie im Heck unter dem Ladeboden des Audi Q7 E-tron wiegt 202 Kilogramm. Insgesamt kommen 375 Kilo...Foto: Hersteller

Grund dafür sehen die Ingenieure erst mal in der elektrischen Reichweite. 56 Kilometer soll der Q7 rein elektrisch zurücklegen können. Das ist schon ein Stück und deutlich mehr als die meisten seiner Konkurrenten. Dafür hat dieser Audi eine Batterie mit der Kapazität von 17,3 Kilowattstunden unter dem Kofferraum verbaut. Die ist mit alleine 202 Kilo nicht nur der schwerste Part der ganzen Elektrotechnik an Bord. Sie raubt auch noch 240 Liter an Kofferraumvolumen. Wobei der geneigte Q7-Kunde mit 650 Liter an Volumen wohl immer noch ganz gut auskommen dürfte. Wird die Rückbank umgelegt, dann werden daraus immer noch üppige 1835 Liter. Wird schon gehen möchte man sagen.

Audi Q7 E-tron schaltet innerorts auf E-Antrieb

Einschneidender ist da schon das Gewicht von gediegenen 2,5 Tonnen, die der Q7 dank der ganzen Elektrotechnik dann wieder auf die Waage bringt. Eigentlich ziemlich viel für einen Elektromotor mit 94 kW Leistung. Aber die Praxis lehrt eines Besseren, denn der Q7 surrt behände davon im E-Modus, den der Ingolstädter standardmäßig nach dem Start einlegt. Die 350 Newtonmeter Drehmoment, die naturgemäß bei einem Elektromotor von der ersten Umdrehung an anliegen, ziehen das Dickschiff mühelos aus der Parklücke an die Ampel und dann auf und davon.

Durch die intelligente VErknüpfung von Navigation und E-Antrieb kann der Audi Q7 E-tron die vorhandene Energie fast optimal nutzen.
Durch die intelligente VErknüpfung von Navigation und E-Antrieb kann der Audi Q7 E-tron die vorhandene Energie fast optimal...Foto: Hersteller

Was dann folgt liegt ganz in der Hand des Menschen hinterm Steuer. Audi hat sich einige Gedanken gemacht, wie ein Q7 mit E-Antrieb am besten zu nutzen sei. Schlau ist jedenfalls die Verbindung mit dem Navigationssystem. Über eine Anzeige im Cockpit zeigt das Navi, ob man in bester Öko-Manier besser mal vom Gas geht, weil hinter der nächsten Kurve eine Kreuzung kommt. Die Infos über die vorausliegende Strecke werden in den Fahrempfehlungen ebenso verwertet wie aktuelle Verkehrsinformationen. Leistet man den Empfehlungen Folge, dann lässt sich dadurch tatsächlich Kraftstoff sparen. Ebenso zuverlässig schaltet der Q7 im entsprechenden Fahrmodus innerhalb von Ortschaften auf den reinen Elektroantrieb um. Er surrt durch das Wohngebiet und schmeißt erst am Ortschild wieder den Verbrenner an. Eine feine Sache nicht nur für die Anwohner. Auch hinterm Steuer fällt so das Mitdenken flach.

Ökostrom gibt es auf Bestellung

Überhaupt unterstützt der Audi Q7 E-tron eine denkfaule Fahrweise. Wird das Navi auf den Weg nach Hause programmiert, dann teilt die Elektronik die elektrischen Kräfte so ein, dass die Reserven möglichst optimal genutzt werden. Der Akku sollte dann bis auf ein paar Sicherheits-Kilometer an Reichweite möglichst leer gefahren werden, damit er an der heimischen Steckdose wieder neue Kräfte tanken kann. Und wer sich selbst um die Steckdose nicht kümmern möchte, dem bietet Audi noch die passende Wallbox mit Ökostrom-Vertrag von Lichtblick gleich mit an.

Aber der Q7 wäre kein Audi, wenn er nicht auch anders könnte. Wird die volle Leistung abgerufen, dann ziehen der 256 PS starke Diesel und der Elektromotor an einem Strang und beschleunigen den Dickmann im Zweifelsfall in glatten sechs Sekunden auf die 100 km/h. Angesichts des Gewichts alles andere als ein schlechter Wert. Natürlich lässt der Q7 auch in anderen Fahrmodi während der Fahrt Energie für die Batterie erzeugen oder er schont den Akku für die Fahrt in der Stadt.

Audi Q7 Plug-in-Hybrid braucht Enthusiasmus

Die Pferdestärken des Verbrenners kommen übrigens aus einem 3.0 TDI. Wer jetzt aufhorcht hat in den letzten Tagen gut die Nachrichten verfolgt. Wie oft die in den USA nicht angemeldete Software den in diesem Q7 sicherlich nicht ausgelasteten SCR-Kat nicht ausgelasteten SCR-Kat vorheizen muss, damit er für die Euro-6-Norm ausreichend Stickoxide bindet, konnte uns Audi allerdings bisher nicht sagen.

Schmerzhafter als die Kosten für den Ökostrom schlägt sicherlich der Anschaffungspreis ins Budget. 80 500 Euro berechnet Audi für sein hybrides Flaggschiff. Das sind fast 20 000 Euro mehr als der Q7 mit dem kleinsten Diesel kostet. Dabei tröstet eine umfangreichere Serienausstattung ein wenig über das Loch Portemonnaie hinweg. Diese Eigenschaft teilt er sich allerdings mit fast allen Plug-in-Hybriden, die derzeit auf dem Markt sind. Es bleibt dabei: Autos mit dem dualen Antrieb sind etwas für Enthusiasten mit Freude an der Technik.

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