Vorstellung Audi Q7 : Echter Vorsprung durch mehr Technik

Da musste doch was kommen: Der Audi Q7 ist für die Ingolstädter derzeit die technologische Speerspitze. Audi musste nachziehen, weil die Konkurrenz überholt hat. Und die Marke mit den vier Ringen hat nach einigen Anlaufschwierigkeiten geliefert.

Rainer Ruthe
Abgespeckt und mit neuem Innenleben: Der neue Audi Q7 wirkt von außen gar nicht so neu. Aber unter der Haube haben die Ingenieure keinen Stein auf dem anderen gelassen.
Abgespeckt und mit neuem Innenleben: Der neue Audi Q7 wirkt von außen gar nicht so neu. Aber unter der Haube haben die Ingenieure...Foto: Hersteller

Der Q7 war für Audi schon immer etwas ganz Besonderes. Damals wie heute. Dazu muss man etwas in die Vergangenheit zurückzublicken, um Gegenwärtiges besser zu verstehen und Zukünftiges richtig einzuordnen. Im Januar 2003 zeigte Audi die Studie Pikes Peak Quattro – benannt nach dem Berg im US-Staat Colorado, dessen 156 Schotterkurven jedes Jahr im Juni zum Schauplatz eines spektakulären Bergrennens werden. Das war, wie sich zwei Jahre später herausstellte, die Blaupause für den Audi Q7, der 2005 auf den Markt kam. Seinerzeit war das Fünf-Meter-Trumm etwas Neues. Und richtig erfolgreich. Mehr als eine halbe Million Einheiten des teuren SUV hat Audi bislang abgesetzt – und gutes Geld verdient. Selbst nach fast zehn Jahren verkauft er sich noch so, dass es weiterhin in der Kasse ohne große zusätzliche Investitionen klingelt. Eine Geld-Maschine. Doch „Vorsprung durch Technik“ gilt für diesen Methusalem nach den vielen Jahren Produktionszeit nicht mehr. Andere sind inzwischen besser geworden.

Das wusste natürlich auch Audi. Bereits vor sechs Jahren begannen die Arbeiten für einen modernen Nachfolger, den Q7 der zweiten Generation. Dass es so endlos lang dauern sollte, hat nicht nur etwas mit Verkaufserfolg des Alten zu tun. Nein, es hat auch „innerbetriebliche“ Gründe: In diesen sechs Jahren wechselten die Ingolstädter zweimal den Entwicklungschef. In der Branche ungewöhnlich – und für Audi nicht ohne Nebenwirkungen. Denn, wie üblich, nahmen sich beide Technik-Vorstände, sowohl Michael Dick als auch Wolfgang Dürheimer, das Projekt Q7 noch einmal vor. Die Änderungen kosteten Zeit, Effizienz und Geld. Denn der neue Audi Q7 ist mehr als nur ein neues Auto. Er ist quasi das Pilot-Projekt für die zweite Generation der MLB-Architektur. Das ist der Modulare-Längsbaukasten, welcher die technische Basis für zukünftige Oberklassemodelle von Audi, VW, Bentley und Porsche mit längs eingebauten Motoren darstellt.

Audi Q7 soll Werbeslogan wieder mit Leben füllen

Und außerdem kommt interner Druck hinzu, weil in den letzten Jahren der Markenslogan „Vorsprung durch Technik“ sich immer mehr zur hohlen Phrase entwickelt hat. Die Marke mit den vier Ringen, die in der Vergangenheit mit der Einführung des Quattro-Antriebs im Pkw-Bau  – übrigens vom damaligen Audi-Chef Ferdinand Piёch forciert –  sowie dem Leichtbau mit Vollaluminium-Karosserie technologisches Neuland betreten hatte, ist technologisch hinter BMW und Mercedes zurückgefallen. Deshalb übernahm 2013 die Volkswagen-Wunderwaffe Ulrich Hackenberg das Entwicklungsressort in Ingolstadt. Der Audi Q7 wurde in der Endphase so zur direkten Wolfsburger Chefsache. Der Neue muss ein Volltreffer werden und Audis Markenslogan „Vorsprung durch Technik“ wieder mit neuem Leben erfüllen.

Obwohl der neue Audi Q7 etwas schmaler und einen Tick kürzer wurde ist der Ingolstädter immer noch einer der geräumigsten SUV seiner Klasse.
Obwohl der neue Audi Q7 etwas schmaler und einen Tick kürzer wurde ist der Ingolstädter immer noch einer der geräumigsten SUV...Foto: Hersteller

Mit dem Äußeren klappte das allerdings nicht ganz. Denn der neue Chefdesigner Marc Lichte, den Hackenberg von VW gleich mitbrachte, konnte im Endstadium der Entwicklung Dinge nur noch marginal verändern. So blieb die Grundform gleich, das Auto wurde bei gleicher Höhe 1,5 Zentimeter schmaler und 3,7 Zentimeter kürzer, misst nun 5,05 Meter in der Länge. Es ist das geräumigste SUV seiner Klasse; für Passagiere und deren Utensilien. Beim Fünfsitzer bietet der Gepäckraum 890 Liter Volumen,  maximal sind es 2075 Liter. Die neue Truppe konnte dem Audi Q7 nur das Schwülstige austreiben. Erst der neue A8 wird die neue Designlinie von VW unter Lichte deutlich werden lassen  –  und dann allerdings für einen Whow-Effekt sorgen. Audi wird künftig kann auch anders können als langweiliges Einerlei.

Dicke SUVs wie der Audi Q7 vor allem im Ausland beliebt

Die anderen Vorgaben konnten klarer umgesetzt werden: Es ist paradox, dass bei den SUV die Dicken ganz groß sind, und sich von Jahr zu Jahr im zweistelligen Bereich besser verkaufen,  vor allem in China, das die großen SUV jetzt entdeckt hat. Doch auch die Dickschiffe können sich dem allgemein aufgezwungnen Spartrend nicht verschließen, der da laut EU-Verordnungen heißt: Runter mit dem CO2-Ausstoß oder Strafzoll. Also runter mit dem Verbrauch. Dafür musste das Audi-Schwergewicht Q7 kräftig abspecken. Wie früher fast 2,4 Tonnen zu bewegen, geht heutzutage nicht mehr, denn das kostet zu viel Energie, sprich Kraftstoff.

Im Innenraum ist optisch schon eher zu erkennen, dass Audi den Q7 mit einer ganzen Phalanx an neuer Technik ausgestattet hat.
Im Innenraum ist optisch schon eher zu erkennen, dass Audi den Q7 mit einer ganzen Phalanx an neuer Technik ausgestattet hat.Foto: Hersteller

Nun wiegt der Audi Q7 bis zu 325 Kilogramm weniger als der Vorgänger, unter anderem durch den Einsatz von Aluminium – 41 Prozent der Karosserie bestehen aus diesem leichten Werkstoff –  sowie von ultrahochfesten Stählen, welche eine höhere Steifigkeit bei geringerer Blechdicke bewirken. Allein die Karosserie ist 95 Kilogramm leichter geworden, die Achsen wiegen 67 Kilogramm weniger, und bei den Sitzen konnten 19 Kilogramm eingespart werden. Selbst die Pedale bauen die Bayern jetzt aus Aluminium, weil das noch einmal ein Kilogramm bringt. Das Ergebnis dieser technologischen Diät-Kur: Erstmals seit seiner Premiere vor zehn Jahren unterschreitet ein Q7 die Zwei-Tonnen-Marke. Die Version mit Dreiliter-Benziner wiegt 1970 Kilogramm, das  Selbstzünder-Modell lediglich 25 Kilogramm mehr.

Das hat positive Nebeneffekte. Zumal auch die Motoren effizienter wurden. So soll der stark überarbeitete Dreiliter-V6-Diesel trotz 272 PS nur noch 5,7 Liter pro 100 Kilometer und der 333-PS-starke 3.0 TFSI-Motor  – übrigens eine Namenstäuschung, denn ein mechanisch angetriebener Kompressor und kein Abgasturbolader verdichtet die Luft – nur noch 7,7 Liter pro 100 Kilometer im Normzyklus verbrauchen. Das sind gegenüber dem Vorgänger bis zu 28 Prozent weniger. Um sich ein grünes Ehrenblatt zu verdienen, hat der Q7 einen  sogenannten prädiktiven Effizienzassistenten an Bord. Unter diesem sperrigen Begriff firmiert ein elektronisches Hilfssystem, welches Infos des  Navigationssystems nutzt und so Kurven, Gefälle oder Tempolimits im Voraus erkennt. Sobald das System feststellt, dass eine Beschleunigung oder selbst das Halten der Geschwindigkeit Energie und damit Kraftstoff verschwenden würde, fordert es den Fahrer auf, vom Gas zu gehen – es erscheint ein entsprechendes Symbol neben dem Tacho.

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