Vorstellung BMW 2er Gran Tourer : Darf´s ein bisschen mehr sein?

Mit dem BMW 2er Gran Tourer sucht die weiß-blaue Marke Familienanschluss. Dazu hat man sich beim Nutzwert weit aus dem Fenster gelehnt und trotzdem ein dynamisches Auto auf die Straße gestellt. Dennoch: Kann BMW auch Van?

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Freund der Familie? Der BMW 2er Gran Tourer will es jedenfalls werden. Schlecht beraten wären sie mit dem zweiten Van der Marke sicher nicht.
Freund der Familie? Der BMW 2er Gran Tourer will es jedenfalls werden. Schlecht beraten wären sie mit dem zweiten Van der Marke...Foto: Markus Mechnich

Ein Van von BMW - das hört sich immer noch an wie ein Formel-1-Wagen mit Kofferraum oder eine Luxusyacht mit Container auf dem Buckel. Kann man machen, wäre aber bisher keiner auf die Idee gekommen. Gewöhnungsbedürftig. Aber seit der 2er Active Tourer im September in die Verkaufsräume der weiß-blauen Händler fuhr, ist das Realität. Seitdem sind mehr als 33000 Active Tourer übrigens wieder vom Hof gefahren, sprich verkauft worden. Das dürfte selbst den härtesten Gegnern der Familienwelle bei BMW den Wind aus den Segeln nehmen. Mit dem BMW 2er Gran Tourer machen es die Bayern nun eine Nummer größer. Mehr Platz, mehr Familie und vor allem sieben Sitze – Was einmal geht, das geht auch noch größer.

„Wir hatten bisher kein Angebot für Leute, die viel Platz brauchen“, sagt der Projektleiter für den Gran Tourer, Peter Krist. Tatsächlich waren Kunden mit drei oder mehr Kindern, Handwerker mit größerem Transportbedarf oder Freizeitaktive mit raumgreifenden Hobbys bislang zum Abwandern gezwungen. Selbst der große 5er Touring konnte sich nicht unbedingt den Ruf als Platzwunder erarbeiten. Und jetzt gleich mit sieben Sitzen? „Der BMW 2er Gran Tourer wird für lange Zeit der einzige Siebensitzer im Premiumbereich bleiben“, beschreibt Krist die Lücke, die man für das Modell ausgemacht hat. Kann denn eine sportliche orientierte und auf Luxus getrimmte  Marke wie BMW auch richtig Van? So mit maximalem Nutzwert bei minimalem Preis, mit Ablagefächern allerorten für Kinderspielzeug, Windeln und Tischchen zum Spielen? Mit Isofix und Top-Tether? Um es gleich vorweg zu nehmen: BMW macht das ziemlich gut und hat dabei noch einige interessante Ideen untergebracht. Aber der Reihe nach.

Man versucht den BMW 2er Gran Tourer nicht einen Van aussehen zu lassen

Das Design des BMW 2er Gran Tourer ist typisch BMW geworden – und es ist doch gewöhnungsbedürftig. Das liegt ganz klar an den gestalterischen Rahmenbedingungen für ein One-Box-Fahrzeug. Wie der englische Fachbegriff schon sagt handelt es sich hier um ein Auto mit einem großen, kartonartigen Innenraum. Das Optimum an Platz eben, was man bei einer bestimmten Fahrzeuglänge auf vier Rädern packen kann. Bei den Bayern sieht das dann so aus, als hätte man den Zweier genommen, sauber hinter dem Ende der Motorhaube tranchiert und eben eine solche Box angesetzt.

Fahrdynamisch sind sich die Bayern treu geblieben. Vor allem mit dem starken Diesel (190 PS) fährt sich der BMW fast wie ein 3er. Nicht mal in flotten Kurven macht sich der hohe Überbau bemerkbar.
Fahrdynamisch sind sich die Bayern treu geblieben. Vor allem mit dem starken Diesel (190 PS) fährt sich der BMW fast wie ein 3er....Foto: BMW

Die Designer haben sich dabei viel Mühe gegeben den BMW 2er Gran Tourer nicht wie einen Van aussehen zu lassen, was aus den meisten Blickwinkeln auch recht gut gelungen ist. Der bayrische Familienfreund sieht immer noch besser aus als das Gros der Konkurrenz. Gerade die aus Wolfsburg zeigt, wie langweilig sich ein Familienauto gestalten lässt, das sich dann dennoch blendend verkauft. Kompromisse machen musste aber auch BMW. So steht der hintere Stoßfänger auffällig weit raus. Darunter sitzt eine Schutzkonstruktion, welche die Vollkaskoeinstufung des BMW 2er Gran Tourer durch bessere Stabilität im Falle eines Auffahrunfalls verbessert. Nicht unbedingt hübsch, aber Vollkasko-Stufe 18 ist ein gutes Verkaufsargument. Willkommen im Nutzwertsegment!

Ungeahnte Möglichkeiten vor der Rückbank

Wie sehr sich BMW auf den Kampf um jeden Zentimeter an Raum eingelassen hat, zeigt ein Blick auf die Rückbank. Der BMW 2er Gran Tourer ist ein reines Frontantriebskonzept. Das ergibt ungeahnte Möglichkeiten vor der Rückbank. Die vorderen Sitze sind bereits sehr dünn und dennoch recht bequem ausgefallen. Aber die Lehnen der zweiten Reihe sind nur knapp zehn Zentimeter dick, was richtig Platz schafft. Zumindest wenn die längs verschiebbare Rückbank die vollen 13 Zentimeter nach hinten versetzt wurde. Erwachsene bis zu zwei Meter Größe werden im Fond sicher keine Platzangst bekommen, zumal auch der Fußraum ist besonders geräumig geworden ist. Übrigens hat es BMW geschafft hier die Zulassung für zwei große Kindersitze (Gruppe I) und einen Kindersitz ab Gruppe II nebeneinander zu bekommen. Das gelingt nicht vielen Herstellern.

Im Interieur setzt BMW auf das bewährte, fahrerorientierte Cockpit. Auffällig: Die Lösung mit herausfahrender Scheibe für das Headup-Display ist durch den senkrechten Einbau der Frontscheibe bedingt.
Im Interieur setzt BMW auf das bewährte, fahrerorientierte Cockpit. Auffällig: Die Lösung mit herausfahrender Scheibe für das...Foto: BMW

Naturgemäß lässt sich das nicht über die optionale dritte Sitzreihe (790 Euro) sagen. Der Zugang gelingt dank eines speziellen Klappmechanismus und einer Trittstufe neben der Rückbank ganz gut. Und ist man mal drin, dann sitzt es sich auch ganz gut. Relativ neu bei BMW sind die zahlreichen Ablagen und Becherhalter, die zahlreich über den Innenraum verteilt wurden. Das war bisher ebenfalls nicht unbedingt eine Leidenschaft der Münchner. Sogar ein 12-Volt-Anschluss findet sich im Heck, die einzige USB-Verbindung findet sich hingegen nur unter der vorderen Mittelarmlehne.

Ladevolumen des BMW 2er Gran Tourer ist groß, aber nicht Benchmark

Ist Reihe drei besetzt wird es dahinter ziemlich eng. Der Kofferraum schrumpft dann auf Handtaschenformat zusammen, während er sonst im Normalzustand 645 Liter vorweisen kann. Das ist nicht Benchmark im Segment, kommt aber immerhin nahe an die 695 Liter ran, die ein VW Touran zu bieten hat. Gleiches gilt für die 1905 Liter, die es bei umgelegter zweiter Sitzreihe werden (VW Touran: 1989 Liter). Für den Transport besonders langer Gegenstände kann auch der Beifahrersitz umgeklappt werden, was aber 150 Euro extra kostet. Apropos umklappen: Zwischen Kofferraum und umgeklappter zweiter Reihe ergeben sich doch größere Lücken im dann nicht ganz ebenen Boden. Die Praxis lehrt, dass dort einiges an Spielzeug verschwindet. Eine Überlappung aus Stoff als Abdeckung wäre hier vielleicht noch eine gute Idee.

Das Design bleibt gewöhnungsbedürftig. Die sportliche Front des Zweier mündet beim BMW 2er Gran Tourer in eine One-Box-Konstruktion, die eben typisch für Vans ist.
Das Design bleibt gewöhnungsbedürftig. Die sportliche Front des Zweier mündet beim BMW 2er Gran Tourer in eine...Foto: BMW

Apropos Familienfreundlichkeit: Selbst der Beifahrersitz lässt mit Isofix ausrüsten. Aber die Deaktivierung des Beifahrerairbags (wichtig für den Transport von Babyschalen vorne) lässt BMW immer noch mit 50 Euro extra bezahlen. Immerhin gibt es das Ganze dann im Paket mit Befestigungsbügel. Gut angelegtes Geld sind jedenfalls die 190 Euro, welche für die Tischchen in der zweiten Reihe zu Buche schlagen. Denn die sind trickreich gestaltet, lassen sich in der Höhe verstellen, seitlich schwenken und sogar ganz herausnehmen. Ebenfalls sehr hilfreich ist die Möglichkeit die elektrische Heckklappe (450 Euro) auch mit einem Fußschwenk zu öffnen. Kennt man zwar schon vom VW Passat, aber bei BMW lässt sie sich auf diese Weise auch wieder schließen.

Mit 190 PS fährt sich der BMW 2er Gran Tourer sehr flott. Bis 223 km/h schafft er es und die 100 Stundenkilometer erreicht er in 7,6 Sekunden. Interessant ist allerdings die Frage, wie er mit den Dreizylinder-Motoren, gibt es als Diesel und Benziner, bei voller Beladung unterwegs ist.
Mit 190 PS fährt sich der BMW 2er Gran Tourer sehr flott. Bis 223 km/h schafft er es und die 100 Stundenkilometer erreicht er in...Foto: BMW

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