Vorstellung BMW 4er : Voll rein in die Nische

BMW füllt Lücken. Und zwar die geraden Zahlen zwischen den Baureihen. Nach dem 6er gibt es nun auch einen 4er. Auch der ist ein Coupé - und ebenfalls nicht ganz billig. Wir stellen das jüngste Mitglied der Münchner Schickeria vor.

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Lückenfüller, aber sicher kein Büßer: Der neue BMW 4er
Lückenfüller, aber sicher kein Büßer: Der neue BMW 4erFoto: Hersteller

Die Münchner sind die Magier unter den Automobilbauern, und sie werden zunehmend von der Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart kopiert. Ihr bester Trick? Finde eine Nische, wo andere keine sehen oder selbst dort, wo noch gar keine vorhanden ist. Dann erfinde sie einfach. Und so zauberten sie aus dem Dreier einen Vierer. Der ist zwar im Grunde seines technischen Wesens zwar ein Dreier, aber hat sich jedoch so weit von diesem entfernt, dass er mehr ist als nur ein Marketing-Gag, um ein Dreier-Derivat zu einem höheren Preis verkaufen zu können. Gut 2000 Euro  kostet das nur zweitürige Vierer Coupé mehr als die viertürige Dreier Limousine.

Doch für den Mehrpreis bietet BMW schon einiges. So ist es faszinierend, wie ein paar Zentimeter hier und da sowie technischer Feinschliff ein schon an sich gutes Auto so gravierend zum Besseren verändern können. Dank 1,5 Zentimeter vorn und hinten gar acht Zentimeter breiterer Spur, fünf Zentimetern größerem Radstand sowie zwei Zentimetern abgesenktem Schwerpunkt sitzt der Fahrer so nahe an der Straße wie bei keinen anderen BMW. Er verwächst förmlich mit ihm, fühlt sich auf fester Basis satt mit der Straße verbunden. Zusammen mit dem stark überarbeiteten Fahrwerk ergibt sich eine gefühlsechte Verbindung zwischen Mensch und Maschine, welche genau jenes Kribbeln erzeugt, das Marketingleute profan als Freude am Fahren bezeichnen. Zwar sitzt keiner in solch einem Auto gern hinten, doch nach dem Entern der breiten Türen haben zwei im Fond Platz: 1.5 Zentimeter mehr Knieraum. Größere müssen allerdings den Kopf einziehen. Und 445 Liter Kofferraum reichen selbst für die Urlaubsreise aus. Die kann locker angegangen werden, denn dieser Vierer eignet sich als entspannter Läufer mit Schnellfahroption.

Fahrerlebnis für Silverager

Auch wenn man dies in München nicht gern öffentlich zugibt: Der sportliche Vierer ist das passende Auto für die Silverager (die 55 plus-Generation). Denn nur die hat das nötige Startkapital und die wollen es anderen noch einmal zeigen.

Im Innern ganz 3er: Die Unterschiede des 4er zu seinem Bruder sind kaum zu erkennen. Aber das Coupé bietet etwas mehr Platz.
Im Innern ganz 3er: Die Unterschiede des 4er zu seinem Bruder sind kaum zu erkennen. Aber das Coupé bietet etwas mehr Platz.Foto: Hersteller

Das von uns gefahrene Topmodell BMW 435i mit der famosen schnell schaltenden Achtgangautomatik (Grundpreis schon 49950 Euro) kommt mit vielen schönen Extras bereits auf eine mittlere Sechs vorn beim Preis. Da ist es dann auch logisch, dass ein serienmäßiger automatischer Gurtzubringer den schon etwas Hüftsteifen das lästige Greifen nach hinten erspart oder dass gegen 590 Euro extra ein virtueller Tritt unter den Heckstoßfänger genügt, damit die Heckklappe sich automatisch öffnet. Und dann gibt es ja noch den griffgünstig platzierten sogenannten Fahrerlebnisschalter, der aus dem Vierer zwei Autos macht: eines für Dr. Jekyll und eines für Mister Hyde.

Mit Musike über der Norm

Mit dem Dreiliter-Reihensechser wiegt der 435i schlanke 1510 Kilo, mit der unbedingt empfehlenswerten  Achtgangautomatik nur 15 Kilo mehr. Da sollte doch Musike drin ist. Ist sie auch. "Auch beim Schnellfahren macht der Vierer keinen Stress", sagt uns BMW-Techniker Klaus Fröhlich. Der Mann hat Recht; gerade auf dem Circuito do Estoril nahe Lissabon, einer ehemaligen Formel-1-Rennstrecke. Im Sport-plus-Modus folgt der Vierer auch in engeren Kurven so sauber der Ideallinie, dass es fast schon unheimlich ist. Das Kribbeln wird stärker, doch die Hände bleiben trocken. Hallo, die Rede ist nicht von einem verkappten Rennwagen, sondern von einer Ableitung einer alltagstauglichen Limousine. Stress bereitet nur eine besondere Sparmaßnahme der Münchner: Auf der Beifahrerseite fehlt ein ordentlicher Haltegriff, an dem der Mitfahrer einen Fixpunkt findet, um nicht haltlos dem Spaßtanz des Fahrers ausgeliefert zu sein.

Als BMW 435i ist der schicke Bayer fast ein Sportwagen. Aber er kann auch gediegen.
Als BMW 435i ist der schicke Bayer fast ein Sportwagen. Aber er kann auch gediegen.Foto: Hersteller

Doch es geht auch anders: Im Eco-Pro-Modus lässt sich der Vierer  ganz gelassen und sparsam bewegen. In Verbindung mit der Achtgangautomatik haben die Münchner ihm nun sogar das "Segeln" beigebracht. Nimmt man den Fuß vom Gas, koppelt die Elektronik den Motor zwischen Tempo 50 und 160 automatisch vom Antrieb ab; der Wagen rollt spritsparend im Freilauf dahin. Wie früher der selige "Wartburg". Doch anders als dieser, besitzt der BMW einen neuen Vorausschauassistenten, der den Fahrer vor engen Kurven, Kreuzungen oder Tempolimits rechtzeitig informiert, wann er den Fuß vom Gas nehmen sollte. Und so gehen die 9,8 Liter Durchschnittsverbrauch für ein 306-PS-Auto in Ordnung – jedoch 2,1 Liter über dem Normwert.

Stärker und teurer

BMW bringt den neuen Vierer in alter Manier ab 5. Oktober wieder peu á peu auf den Markt. Zunächst starten nur zwei Vierzylinder und ein Sechszylinder: der von uns gefahrene 435i mit 306 PS ab 47800 Euro, dann der vierzylindrige 428i mit 245 PS ab 41100 Euro und der ebenso vierzylindrige 420d mit 184 PS ab 39900 Euro. Erst später folgen der 49300 Euro teure 430d mit 258 PS und der 435d xDrive mit 313 PS und Allrad ab 54300 Euro. Das neue Basismodell ist ab November zu haben. Und bei dem schärft ein Blick nach hinten die Sinne auf die Dinge von heute: Das ehemalige Dreier Coupé 318i mit 143 PS starkem Basisbenziner kostete knapp 32000 Euro. Das neue Vierer Coupé 420i tritt als Basismodell nicht mehr unter 184 PS an und kostet nun mindestens 35750 Euro. Ein Aufschlag von knapp 12 Prozent.

Billiger ist die gerade Zahl nicht geworden. Den BMW 4er gibt es ab 35 750 Euro.
Billiger ist die gerade Zahl nicht geworden. Den BMW 4er gibt es ab 35 750 Euro.Foto: Hersteller

Dem normalen 4er folgt zum Jahresanfang 2014 ein Vierer Cabrio mit leichtem, aber temperaturisolierendem Stoffdach. Im nächsten Jahr kommt dann das Vierer Gran Coupé nach dem Vorbild des ungemein erfolgreichen Sechser Cran Coupé. Der wird nämlich keinen hochdrehenden V8-Sauger (420 PS bei 8300 Touren) mehr unter der Haube haben, sondern einen Sechszylinder-Reihenmotor mit Bi-Turbo-Aufladung, der zehn PS stärker ist und bis 7200 Touren dreht. Da fällt wieder eine Bastion bei den Münchnern.

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