Vorstellung BMW M3 und BMW M4 : Doppeltes Flottchen

BMW bringt zwei Karosserievarianten des M3 auf die Straße, die jetzt beide mit einem doppelt aufgeladenen Sechszylinder ausgestattet sind. Der Leistungszuwachs fällt moderat aus, aber in der Summe legen M3 und M4 noch mal eine Schippe drauf.

Sven Jürisch
Ein Motor, zwei Zahlen. Je nach Gusto kommt der Mittelklassesportler als Limousine oder Coupé zum Käufer.
Ein Motor, zwei Zahlen. Je nach Gusto kommt der Mittelklassesportler als Limousine oder Coupé zum Käufer.Foto: promo

Bei BMW herrscht derzeit so etwas wie eine Modellinvasion. Im Monatstakt bringen die Münchner Neuheiten an den Start. Dem geneigten Betrachter kann es fast schwindelig werden angesichts der Schlagzahl, die BMW da vorlegt. Im Falle des M3 ist es jedoch ganz einfach. BMWs traditionsreicher Mittelklassesportler kommt im Sommer als M3 und M4 auf den Markt, wobei letztere Version eigentlich nur eine andere Bezeichnung für das bislang auch schon erhältliche Coupé darstellt. Das konsequenterweise als M4 Cabrio betitelte Oben-Ohne-Modell folgt dann im Spätsommer dieses Jahres.

PS-Fanatiker werden enttäuscht

Auf den ersten Blick wurde beim M3 abgespeckt. War der direkte Vorgänger noch ein Kind des Überflusses und mit einem hochdrehenden V8-Aggregat ausgerüstet, muss dieser M3, wie auch schon seine Vorfahren, mit einem Reihensechszylinder auskommen. Vorbei also die Zeit des V8-Stakkato beim Beschleunigen und des faszinierenden Kreischens bei Höchstdrehzahlen.

Doch bevor die BMW-Fans Trauer tragen kann Entwarnung gegeben werden. Denn der neue 3,0 Liter Sechszylinder hat nahezu alles an Equipment mit auf den Weg bekommen, was einen modernen Hochleistungsmotor auszeichnet. Neben allerlei Elektronik ist dies vor allem eine doppelte Abgasaufladung mit verstellbaren Turboladern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Üppige 431 PS (317 kw) stehen in den Fahrzeugpapieren und BMW versichert, das die Autos der M-GmbH eher nach oben als nach unten streuen.

Tradition: Der M3 ist seit Jahrzehnten ein BMW-Aushängeschild.
Tradition: Der M3 ist seit Jahrzehnten ein BMW-Aushängeschild.Foto: promo

Doch auch wenn die Leistungsangabe absolut gesehen schon reizvoll klingt, PS-Fanatiker werden vermutlich mehr als nur 11 PS Zuwachs erwartet haben. Kritik, der die Münchner mit intelligentem Leichtbau begegnen. Mit viel Akribie holten sie aus dem neuen M3 Gramm für Gramm heraus, bis sie bei einem Gewicht von nur 1497 Kilogramm landeten. Zum Vergleich, der Vorgänger M3 brachte noch 1580 Kilogramm auf die Waage. Dabei schreckte BMW auch nicht vor so exotischen Bauteilen wie einer einteiligen und komplett aus Karbon gefertigten Kardanwelle zurück. Und selbst die Dachhaut wurde nun, wie zuvor nur bei der limitierten Rennversion M3 CSL des E 46, aus dem Kohlefasermaterial gefertigt.

Beeindruckende Beschleunigung

Stark ist er, leicht ist er, doch wie fährt er sich nun? Das Paket, das am Ende auf der Straße steht, ist durchaus beeindruckend. Über drei Knöpfe in der Mittelkonsole wird die Auslegung des Fahrzeugs gesteuert. Benimmt sich der M3 im Komfort-Modus beinahe noch wie jeder andere brave Dreier und schunkelt ein wenig zu untersteuernd durch die erste schnell angegangene Haarnadelkurve, wird bei der Wahl von Sport oder gar Sport Plus das Auto langsam aber sicher zur echten Rennmaschine. Dann reagiert die elektrische Servolenkung spürbar zackiger, beantworten die Dämpfer Stöße der Bodenwellen knackiger und der ehedem schon satt am Gas hängende Sechszylinder Biturbo scheint mit den Gehirnwindungen des Fahrers direkt verbunden zu sein.

Modellreihe erweitert: Im Sommer folgt dann noch das Cabrio.
Modellreihe erweitert: Im Sommer folgt dann noch das Cabrio.Foto: promo

Tür zu, Gurt angelegt und Start-Button gedrückt. Der M-Motor brabbelt durch die vierflutige Auspuffanlage und wartet sehnsüchtig auf den ersten Gasstoß. Was dann, freie Bahn vorausgesetzt, passiert, ist mit dem Wort Beschleunigung nur unzureichend beschrieben. Der M3 brennt, wie auch der M4, mit 4,1 Sekunden auf 100 km/h eine Bestzeit in den Asphalt. Was den Charakter aber wirklich ausmacht, ist die Liebe zum Detail in der Abstimmung. BMW hat dafür reichlich Runden auf der Nordschleife gedreht und das Maximum aus dem Auto geholt.

Selbst, wenn sich der Fahrer deutlich im Tempo verschätzt hat, das glänzende Fahrwerk und zur Not die optionale Karbon-Keramik-Bremse (7300 Euro Aufpreis) retten die Situation mit einem charmanten Augenzwinkern, ohne hektische Reaktionen am Lenkrad zu provozieren. Das verführt zur Leichtigkeit beim Fahren und bei weniger gefestigten Fahrern zu riskantem Übermut.

Unter der Haube steckt statt dem Achtzylinder jetzt ein Sechszylinder-Biturbo, der elf PS mehr als der Vorgänger leistet.
Unter der Haube steckt statt dem Achtzylinder jetzt ein Sechszylinder-Biturbo, der elf PS mehr als der Vorgänger leistet.Foto: promo

Liebevolle Detailarbeit, fantastischer Motor

Genau darin liegt das eigentliche Problem dieses Autos: es ist schlicht zu gut geraten. Denn der M3 ist erst in Geschwindigkeitsbereichen richtig in seinem Element, die in der Regel nur selten mit den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung konform gehen. Der M3 führt ständig in Versuchung, den Zweikampf zwischen Straßenverlauf, Geschwindigkeit und Fahrzeug aufzunehmen.

Angesichts dieser Auslegung bleibt zu hoffen, dass der Fahrer sich möglichst lange an den nicht unerheblichen Kaufpreis des M3 erinnert. Rund 71 500 Euro sind nach München für die M3 Limousine zu überweisen, das M4 Coupe kostet noch einmal 1700 Euro mehr. Wer das sauber agierende 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe haben möchte, legt weitere 3900 Euro drauf, wobei das serienmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe für einen Sportfahrer eigentlich völlig ausreicht und den Spaß eher fördert als schmälert. Viel Geld für einen Dreier, fast ein Schnäppchen für einen waschechten Sportwagen, dessen Erbauer mit ihrer peniblen Liebe zum Detail auch in der fünften Generation des Modells bewiesen haben, dass sich ein gutes Paket immer noch ein wenig steigern lässt; nun sogar im Doppelpack.

BMW M3 und M4 gehören zum Besten, was die Sportwagenwelt zu bieten hat. Liebevolle Detailarbeit an der Karosserie und am Fahrwerk sowie eine fantastische Motor/Getriebeeinheit machen aus diesem Auto eine echte Fahrmaschine. Dass die dann dank modernster Technologie alltagstauglich und mit einem Verbrauch von rund zehn Litern auf 100 Kilometern auch noch relativ sparsam ist, macht sie nur noch reizvoller.

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