Vorstellung BMW X4 : Gegen den Strom

Kompakt, sportlich, komfortabel: Mit dem X4 zeigt BMW sein zweites SUV-Coupé. Der ist wohl der bessere X6.

von
In sich stimmig: Der BMW X4 basiert auf dem kleineren X3 und ist daher deutlich kompakter ausgefallen.
In sich stimmig: Der BMW X4 basiert auf dem kleineren X3 und ist daher deutlich kompakter ausgefallen.Foto: Promo

Manchmal ist es eine feine Sache, gegen den Strom zu schwimmen. Zum Beispiel dann, wenn man ein Produkt auf dem Markt hat, dass die Mehrheit nicht mag, manche sogar regelrecht hassen, das sich aber dennoch hervorragend verkauft. BMW erging es so mit seinem X6. Im Lichte der Autokrise der Jahre 2008 und 2009 wurde das riesenhafte SUV-Coupé fast zum Inbegriff der Verschwendungssucht. Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung verkaufte sich das Dickschiff in Deutschland dennoch sehr gut. Im Rest der Welt ohnehin, denn da wurde das Modell weitaus weniger gebrandmarkt. Da lehnt man sich in München zurück und freut sich über mittlerweile mehr als 250 000 verkaufte Exemplare des X6. Öffentliche Meinung hin, Öko-Image her - Die Aussage der Kunden ist in diesem Punkt eindeutig und die Kasse klingelt.

Viel Erbe vom X3

Grund genug für einen Versuch diesen Erfolg eine Klasse tiefer zu wiederholen. Nach einigen Ankündigungen und dem Trend bei den Käufern folgend, dann doch etwas kleinere SUVs zu bevorzugen, bringt BMW nun den X4 auf den Markt. Der basiert auf dem kleineren X3 statt auf dem großen X5 und ist dadurch deutlich kompakter ausgefallen. Geblieben ist die coupéhafte Dachlinie, die auch den Kleinen immer noch etwas elefantös wirken lässt. In der Summe wirkt der X4 allerdings in sich stimmiger, weniger protzig oder provozierend und dürfte schon alleine deswegen mehr Akzeptanz finden.

Die Kernattribute hat der Neue natürlich von seinem großen Bruder geerbt: Im Vergleich zum X3 liegt er einige Millimeter tiefer und hat in der Länge etwas zugelegt. Optisch unterscheiden X6 und X4 vor allem in Details, wie etwa den extragroßen Lufteinlässen im vorderen Stossfänger oder der unterbrochenen Lichtkante an den Seiten. Die vordere führt mit einem Schwung über den vorderen Radlauf nach unten, die hintere Sicke schwingt sich zum Heck hin nach oben. Das passt zu dem Fahrzeug und ist auf jeden Fall mal was anderes.

Schwung im Heck. Markant ist das Heck des X4, wo er dem X6 zum Verwechseln ähnlich sieht.
Schwung im Heck. Markant ist das Heck des X4, wo er dem X6 zum Verwechseln ähnlich sieht.Foto: Promo

Unbemerkt ist die Schrumpfkur am Innenraum allerdings nicht vorübergegangen. Die Platzverhältnisse sind gegenüber dem X6 schon weniger großzügig ausgefallen. Darben muss aber auch im X4 niemand, denn wer sich im Fond unter der Coupélinie durchgeschwungen hat, kann hier bequem Platz nehmen und findet ausreichend Kopf- und Beinfreiheit vor.

Sparsam nur als Diesel

Zum Marktstart wird es den BMW X4 mit drei Diesel- und drei Otto-Motoren geben. Bekannt sind die Triebwerke bereits aus anderen Modellen. Der einzige Sechszylinder im Bunde der Benziner ist der 35i mit seinen 306 PS. Mit diesem Triebwerk wollen die Münchner auch die sportlich orientierten Fahrer abholen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 in 5,5 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von 247 km/h der allradgetriebenen Version dürfte dafür so einige Argumente auf ihrer Seite haben. Sparsamer fährt es sich hingegen mit dem Vierzylinder 28i, der auf 245 PS kommt und immer noch in 6,4 Sekunden die 100 km/h erreicht. Der 20i bescheidet sich dann mit 184 PS, dürfte aber dennoch die Ansprüche der meisten Kunden erfüllen.

So richtig sparsam geht es bei dieser Fahrzeuggattung ohnehin nur mit Diesel. Hier finden sich gleich zwei Sechszylinder im Angebot. Der 35d stellt den Top-Motor der Benziner sogar noch in den Schatten. 630 Newtonmeter Drehmoment schieben das Fahrzeug in 5,2 Sekunden auf 100 km/h, der 30d braucht dazu 5,8 Sekunden. Der Normverbrauch der beiden Selbstzünder liegt dabei um die sechs Liter. Sparsamer fährt es sich mit dem 190 PS starken Zwei-Liter-Diesel, der sich im Optimalfall mit 5,2 Liter Kraftstoff für 100 Kilometer begnügen kann.

Auswahl: Zum Marktstart wird es den BMW X4 mit drei Diesel- und drei Otto-Motoren geben.
Auswahl: Zum Marktstart wird es den BMW X4 mit drei Diesel- und drei Otto-Motoren geben.Foto: Promo

Damit sich das rund 1800 Kilogramm schwere Fahrzeug mit so viel Kraft auch ordentlich fährt hat BMW reichlich in die Antriebstechnik investiert. Alle Modelle kommen serienmäßig mit Allradantrieb aus dem Werk. Dank der variablen Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse kann das Fahrzeug mit bravem Kurvenverhalten und einem starken Willen zur Geradeausfahrt überzeugen. Dazu trägt freilich auch das stets recht sportlich ausgerichtete Fahrwerk seinen Teil bei. Dank dieser Abstimmung muss es der Fahrer schon wild treiben, um die Karosse aus der Ruhe zu bringen.

Achtgangautomatik serienmäßig

Gleichzeitig ist das Auto keineswegs unkomfortabel. Einmal mehr eine feine Abstimmung, die BMW da vorgenommen hat. Für erste Testfahrten stand lediglich der Spitzenbenziner zur Verfügung, der aber immerhin beweisen konnte, dass sich auch bei einem X-Modell üppig Fahrfreude verspüren lässt. Hilfreich dabei ist sicherlich die bekannt gute Achtgangautomatik, die es auch für den X4 gibt und bei allen Modellen bis auf den 20d sogar serienmäßig ist.

Die Preisliste beginnt mit 46 100 Euro für den Vierzylinder-Benziner, auf der Diesel-Seite kostet die kleinste Motorisierung 500 Euro mehr, dann aber ohne Automatik. Der Drei-Liter-Benziner kostet dann schon 58 000 Euro, den stärkeren Vierzylinder gibt es ab 51 700 Euro. Der Sechszylinder-Diesel ist ab 55 100 Euro zu haben und der 35d schlägt mit 60 100 Euro zu Buche. Da ist man dann gar nicht mehr so weit weg vom großen Bruder, dessen Preisliste bei 62 500 Euro für einen 30d beginnt. Dafür hat BMW dem Modell eine relativ umfangreiche Serienausstattung mit auf den Weg gegeben. So ist etwa das 6,5 Zoll große Farbdisplay samt Bluetoothtelefonie Serie und neben Allrad- und Achtganggetriebe wird sogar die Sportlenkung immer verbaut.

Die kleinere Ausgabe des Münchner SUV-Coupés dürfte bei den Kunden wohl mindestens ebenso viele Freunde finden wie der X6. Ist er doch irgendwie die vernünftigere Variante desselben und daneben in Sachen Dynamik der momentan vielleicht einzig ernstzunehmende Konkurrent für den Porsche Macan. Im Vergleich zu diesem ist der X4 dann allerdings deutlich günstiger zu haben und kaum weniger sportlich.

Etwas Neues, etwas Blaues, etwas Geliehenes
Lang erwartet: Mercedes stellt auf der AMI Leipzig das neue T-Modell der C-Klasse vor - auch andere große Hersteller zeigen ihr Tafelsilber auf der Messe in Sachsen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Promo
04.06.2014 11:05Lang erwartet: Mercedes stellt auf der AMI Leipzig das neue T-Modell der C-Klasse vor - auch andere große Hersteller zeigen ihr...

Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben