Vorstellung Citroën DS4 : Zurück in die Zukunft

Mit dem Ableger DS beschwört Citroën die glorreiche Vergangenheit. Und das erfolgreich, auch wenn es manchmal rumpelt.

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Nach dem Citroen DS4 Crossback sollen in den kommenden Monaten noch weitere, gänzlich eigene Modelle kommen. Foto: Rainer Ruthe
Nach dem Citroen DS4 Crossback sollen in den kommenden Monaten noch weitere, gänzlich eigene Modelle kommen.Foto: Rainer Ruthe

1955 überraschte Citroën die Autowelt auf dem Pariser Autosalon. Mit einem revolutionären Wagen, den es so zuvor noch nie gegeben hat: Der DS, später liebevoll Göttin genannt. Knapp 1,5 Millionen Göttinnen wurden von 1955 bis 1975 produziert und weltweit verkauft. Ein Kollege schrieb damals: „Dieses Auto ist nicht von morgen. Alle anderen sind nun nur von gestern. So etwas ist nicht kopierbar.“

Knapp 60 Jahre später versucht Citroen dies dennoch. Am 1. Juni 2014 wird die neue Marke DS Automobiles in Paris offiziell gegründet. Es werden jedoch keine revolutionär neuen Autos angeboten, sondern noch von Citroën abgeleitete Edel-Versionen DS3, DS4 und DS5, die sich in einer allerdings bislang so nicht gekannten Weise personalisieren lassen. Der Mut, mit dem bewussten Blick zurück etwas ganz Neues für die Zukunft zu wagen, wird belohnt. Über 600 000 DS-Modelle wurden bisher weltweit verkauft, davon gut 50000 in Deutschland.

Acht Stunden Handarbeit für das Nappa-Leder

Nun, vier Jahre nach dem Start des DS4, von dem bislang 115 000 Stück verkauft worden sind, kommt die überarbeitete Version, die seit dem letzten Wochenende gekauft werden kann. Auch dieses Modell ist anders als der Mainstream, technologisch auf der Höhe der Zeit, aber nicht überragend. Jedoch mit viel Liebe zum Detail. So gibt es für den Innenraum eine hochwertige Volllederausstattung, die sogar das Armaturenbrett komplett einbezieht. Acht Stunden  Handarbeit erfordert das Beziehen des Cockpits mit Nappaleder, welches aus Bayern und aus Österreich kommt, da die Tiere dort auf „Weiden ohne Stacheldraht“ gehalten würden, wie DS Automobiles extra betont. So etwas findet man in der Golf-Klasse derzeit nirgendwo. Ebenso wie die Möglichkeit, vier Dachlackierungen mit neun Außenfarben kombinieren zu können. Oder die per Laser geschnittenen Türinnengriffe, die eigentlich eher in die Oberklasse gehörten. Auch die Sitze mit Massagefunktion findet man selten in der Golf-Klasse. Eine Anspielung auf die historische DS soll der neue skulpturale sechseckige Kühlergrill mit seinen „DS Wings“ sein, der nahtlos übergeht in die DS-Vision-Scheinwerfer. Diese verbinden LED- und Xenon-Technologie und tragen erstmals Blinker mit LED-Lauflicht wie in der Oberklasse. Insgesamt sind an der Frontpartie des überarbeiteten DS4,  zusammen mit den LED-Nebelscheinwerfern mit statischem Abblendlicht, 84 LED-Module angebracht.

Besonders im luxuriösen und mit zahlreichen Komfortideen gespickten Interieur will sich DS vom Rest des Marktes absetzen. Foto: Hersteller
Besonders im luxuriösen und mit zahlreichen Komfortideen gespickten Interieur will sich DS vom Rest des Marktes absetzen.Foto: Hersteller

Auch DS Automobiles ist dem allgemeinen Trend gefolgt – und bietet den überarbeiteten DS4 nun als doppeltes Flottchen an. Als normale fünftürige Limousine und als Crossback mit um drei Zentimeter höher gelegter Karosserie, schwarzen Felgen, Radhausverbreiterungen, Frontpartie und Spoiler in schwarz, spezieller grauer Dachreling, schwarze Außenspiegel, speziellen Türschwellen und Fußmatten. Dazu gibt es eine erstaunliche 45-Grad-Sicht nach oben dank der Panorama-Windschutzscheibe. Eine feine Sache, vor allem nachts in der Stadt. Der DS4 Crossback fällt auf in der automobilen Masse.

Verwirrende Modellpolitik

Getreu dem neuen Premium-Anspruch konzentriert sich DS Automobiles bei den DS4-Motoren auf gehobene Leistungsstufen. Die Benziner bieten 130, 165 und 210 PS, die  Diesel liefern 120, 150 und 180 PS an die Vorderräder. Allerdings hält das Antriebsangebot einige Ungereimtheiten parat: Der DS4 Crossback ist ausschließlich mit dem 130-PS-Benziner sowie den Dieselmotoren mit 120  und 180 PS zu haben. Und den stärkeren Selbstzünder gibt es nur in Verbindung mit einer neuen Sechsgang-Wandlerautomatik vom japanischen Spezialisten Aisin (erst ab 31390 Euro). Der neue 210-PS-Benziner hingegen ist nur für die Limousine (ab 28090 Euro) lieferbar. Und für ihn wird es ebenso keine Automatik geben wie für den mittleren Diesel mit 150 PS (ab 27340 Euro in der Limousine). Dafür ist der mittlere Benziner mit 165 PS in der Limousine wiederum nur mit der Sechsstufen-Wandlerautomatik (ab 26690 Euro) lieferbar.

Wir sind die beiden stärksten Triebwerke im Crossback und in der Limousine gefahren. Besonders gefallen hat uns die Kombination Crossback, 180-PS-Diesel und Automatik. Die höher gelegte Karosserie des Crossback hilft nicht nur beim Ein- und Aussteigen. Innen sorgt sie zudem für eine angenehm erhöhte Sitzposition und eine leicht bessere Rundumsicht als in der Limousine. Die 1500 Euro Mehrpreis sind hier gut angelegtes Geld. Der Zweiliter-Diesel agiert mit seinen kräftigen 400 Newtonmetern herrlich souverän, so viel Drehmoment hat kein anderer Vierzylinder in der Golf-Klasse zu bieten. Die weich und schnell schaltende Automatik hat stets die passende Übersetzung parat, so dass der Selbstzünder immer im lässig-zufriedenen Bereich bleibt. Die aufwendigen und wirklich bequemen Ledersitze stützen den Körper. Kein Klappern oder Knistern stört den guten Eindruck. Halt! Die Göttin schwebte. Und der neue DS4? Der holpert sogar über schlechte Straßen, denn das Auto ist unfranzösisch hart abgestimmt, was durch die montierten 19-Zoll-Räder mit den flachen Reifen noch verstärkt wird. Und dieser Federungskomfort irritiert in diesem Auto. Viel besser ist die von uns gefahrene Limousine leider auch nicht. Der Top-Benziner klingt zwar etwas rau, lässt sich aber fast so schaltfaul wie ein Diesel fahren. Beachtlich, denn die 210 PS und die 285 Newtonmeter Drehmoment kommen aus nur 1,6 Liter Hubraum.

Gastspiel. Der neue DS4 feierte an diesem Wochenende seine Markteinführung. Auf einen speziellen DS-Salon muss Berlin wohl noch eine Weile warten. Foto: Rainer Ruthe
Gastspiel. Der neue DS4 feierte an diesem Wochenende seine Markteinführung. Auf einen speziellen DS-Salon muss Berlin wohl noch...Foto: Rainer Ruthe

Damit der Premium-Anspruch wirklich sichtbar wird, müssen noch etliche Kreuzchen in der langen Aufpreisliste  gemacht werden. Die tolle Top-Lederausstattung mit den weichem Oberflächen und dem aufwendigem Karomuster auf den Sitzflächen wie in einem Bentley kostet 3940 Euro! Dabei sind weitere 1200 Euro fällig, bis auch der komplette Armaturenträger in die feine Rinderhaut gehüllt ist. Der schicken 19-Zoll-Alufräder schlagen mit 1490 Euro zu Buche. Wer dann noch eine Rückfahrkamera, eine Denon-Hi-Fi-Anlage, schlüssellosen Zugang und andere Nettigkeiten ordert, ist plötzlich bei einem Gesamtpreis von 40 000 Euro angekommen. Dafür gäbe es dann auch einen Dreier BMW.

Neue Räumlichkeiten für DS

Wie geht es weiter? Künftig sollen die DS-Modelle eigene Hallenbereiche oder sogar separate Räume, sogenannte SD-Salons, bekommen. Dort sollen die Kunden von speziell geschulten Verkäufern betreut werden. Es gibt  Cafè au lait, Croissant und Canapées. Und an der Wand hängen Bilder aus der goldenen Zeit der "Göttlichen". Zehn solcher DS-Salons sind geplant, fünf gibt es derzeit. In Ostdeutschland allerdings noch gar keinen. In Berlin suche man nach einem geeigneten Standort, heißt es.

Bis 2020 sind drei neue DS-Modellreihen geplant. Keine Citroén-Ableger mehr wie jetzt, sondern komplett neu entwickelte Autos mit revolutionären Ideen. So wie damals vor über 60 Jahren. Allerdings wird die legendäre Hydropneumatik der  Göttin Vergangenheit bleiben. Auf deren sänftenartige Fortbewegung, die den besonderen Genuss der DS-Fahrt ausmachte, müssen die heutigen Kunden verzichten. Erst 2017 soll bei der künftigen Limousine eine elektronische Dämpferregelung an Bord sein, die besonders viel Genuss bieten soll. Auch das künftige Kompaktklasseauto soll die Super-Dämpfer erhalten. Hinzu kommen noch moderne Plug-In-Hybride.

PS. Auch die koreanische Marke Hyundai hat nun wie DS Automobiles eine Edelsparte gegründet,  die künftig Premium-Modelle unter dem Namen Genesis anbieten wird. Richtig Geld verdient wird eben nur in den oberen Etagen; auch bei den Autos.


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