Vorstellung Fiat 500L Trekking : Cinquecento auf Abwegen

Offroad kommt immer gut. Kein Wunder, dass die Familie rund um den neuen Cinquecento einen Ableger in Offroadoptik dazu bekommt. Fiat 500L Trekking heißt der, aber seine Geländefähigkeiten sind überschaubar. Dafür hat er andere Vorzüge.

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Wirbelt Staub auf: Mit dem Fiat 500L Trekking ist sicher keine Wüstenrallye zu gewinnen. Aber für den heimischen Feldweg reicht es noch.
Wirbelt Staub auf: Mit dem Fiat 500L Trekking ist sicher keine Wüstenrallye zu gewinnen. Aber für den heimischen Feldweg reicht es...Foto: Dirk Behm

Gute Rezepte sind Gold wert, sagt man in der Küche. Das gilt noch mehr in der Automobilindustrie, wo Rezepte eine Menge Geld kosten. Die Entwicklung eines neuen Modells kostet Milliarden. Da kann sich ein Autokonzern kaum Fehlschläge leisten. Schon gar nicht Fiat, die immer noch mit Leib und Leben am europäischen Markt hängen. Und der geht, speziell in Südeuropa, bekanntermaßen gar nicht gut.
Was allerdings schon seit dem Debüt im Jahr 2007 richtig gut geht ist der Fiat 500. Die Retroauflage des italienischen Kassenschlagers aus den fünfziger Jahren hat im letzten mit 20 000 Zulassungen sogar den Evergreen Panda deutlich distanzieren können. Der wurde allerdings auch in der zweiten Jahreshälfte neu aufgelegt und dürfte sich wohl in diesem Jahr wieder an die Spitze der internen Verkaufsrangliste schieben. Nichtsdestotrotz Grund genug in diesen schwierigen Zeiten ein erfolgreiches Rezept zu verfeinern und in Variationen auf den Markt zu bringen.
So kam zunächst der Fiat 500L als Mini-Van-Variante des kleinen Herzensbrechers auf den Markt und Anfang Juli zeigten die Italiener mit dem Fiat 500 L Living sogar einen Siebensitzer. Folgerichtig fehlt noch eine Spielart, die den Offroadbereich abdeckt. In dieser Klasse ist das allerdings fast ausschließlich eine optische Geschichte, die mit dem Gelände so gut wie nichts zu tun hat. Das zumindest zeigt schon der VW CrossPolo, den es nicht mal gegen Geld oder gute Worte mit Allradantrieb zu kaufen gibt. Ganz im Gegensatz zum Fiat Panda 4x4, der sich bei vielen italienischen Bergbauern großer Beliebtheit erfreut, weil er leicht, günstig und dennoch sehr geländegängig ist.

Elektronischer Ersatz für Allradantrieb

Das könnte auch der Grund gewesen sein, warum der Fiat 500L Trekking ebenso wie der VW CrossPolo keinen Allradantrieb abbekommen hat und nach Aussage von Fiat aller Voraussicht nach auch nicht bekommen wird. Aber im Gegensatz zum Wolfsburger hat der Italiener immerhin das sogenannte Traction+ an Bord. Das System ist im Grunde ein elektronisches Sperrdifferential, das an der angetriebenen Vorderachse das Drehmoment des durchdrehenden Rades auf das Rad mit Traktion umverteilt und so mehr Vortrieb auf schwierigem Gelände erreicht. Dabei arbeitet das rein elektronisch konstruierte System mit dem ESP des Fahrzeugs zusammen, dessen Signale es verarbeitet. Es kann bei Geschwindigkeiten bis zu 30 Stundenkilometern per Knopfdruck hinzu geschaltet werden

Serienmäßig wird der Fiat 500L Trekking mit zweifarbiger Lackierung geliefert.
Serienmäßig wird der Fiat 500L Trekking mit zweifarbiger Lackierung geliefert.Foto: Hersteller

Das System Traction+ funktionierte auf den ersten Testfahrten abseits der Straße auch ganz ordentlich, wenngleich der Effekt nur mit viel Mühe spürbar ist. Der Hersteller schickte uns auf Schotterpisten, die der Fiat 500L Trekking recht souverän meisterte. Dank eines ordentlichen Fahrwerks, das einen tauglichen Kompromiss zwischen Komfort und Stabilität gefunden. Ein Offroader ist er deshalb noch lange nicht, aber das will der Trekking auch gar nicht werden. Dennoch bietet der Fiat 500 L Trekking immerhin ein kleines Plus an Geländetauglichkeit. Zumal er mit 14,5 Zentimeter auch eine um 15 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit gegenüber dem normalen Fiat 500L bieten kann.

Plastikbeplankung bleibt im Rahmen

Glücklicherweise haben sich die italienischen Designer beim Äußeren nicht so sehr am Plastik vergriffen, wie das die Wolfsburger gerne machen. Vorne hat er einen Unterfahrschutz abbekommen, der die Fahrzeugfront aber eher provisorisch vor Steinschlägen und anderen Widrigkeiten schützt. An den Schwellern und am Heck ist der Unterboden ebenfalls mit Plastikverkleidung vorm Gröbsten sicher. Allzu ernst sollte man aber beide Verkleidungen nicht nehmen, sonst könnte es zu bösen Überraschungen kommen. Im Großen und Ganzen geht das Ganze aber noch dezent ab und wirkt auch durch die umkleideten Nebelscheinwerfer vorne. Einzig hinten ist die Einfassung der Nebelschlussleuchten rein optischer Natur und irgendwie auch Geschmackssache.

Ebenfalls serienmäßig kommt das Modell auch mit Kunstleder auf den Sitzen und in den Türverkleidungen daher. Das Panorama-Glasdach kostet allerdings extra (1200 Euro).
Ebenfalls serienmäßig kommt das Modell auch mit Kunstleder auf den Sitzen und in den Türverkleidungen daher. Das Panorama-Glasdach...Foto: Hersteller

Im Interieur setzt sich der Fiat 500L Trekking vor allem durch eigene Farbgebungen ab. Kunstleder auf den Sitzflächen, in den Türverkleidungen und auf den Seitenpolstern sollen die Robustheit dokumentieren. Ansonsten ist er technisch und optisch allerdings weitgehend gleich mit dem normalen 500L. Dazu gehört auch das verhältnismäßig gute Platzangebot für vier Personen. Der fünfte Mitfahrer wird etwas gequetscht in der Mitte auch noch sein räumliches Auskommen finden. Auch die gute Rundumsicht hat er von seinem Ahnen geerbt. Die Sitze allerdings auch, die zwar ausreichend straff sind, aber wenig Seitenhalt bieten. Hinter der Rückbank findet sich Stauraum für 343 Liter Gepäck, der durch Umklappen bis auf 1310 Liter erweitert werden kann. Auch das ganz ordentlich für die Klasse.

Vier Motoren im Angebot

Vorbildlich ist der Fiat 500 L Trekking in Sachen Sicherheit. Fünf Sterne konnte der offensichtlich robuste Italiener im EuroNCap-Crashtest ergattern. Als Option lässt sich zudem ein City-Notbremsassistent ordern, der helfen soll Unfälle zu verhindern. Schließlich gibt es für den serienmäßigen Fünf-Zoll-Bildschirm noch eine Rückfahrkamera. Wer mehr auf Musik steht kann sich optional von Dr.-Dre –Beats beschallen lassen und auf Wunsch und gegen Aufpreis gibt es natürlich auch Navigation dazu.

Die Optik des Fiat 500L Trekking ist stark an den Ahnen angelehnt. Nur Verkleidungen zeugen vom wilden Charakter des Italieners.
Die Optik des Fiat 500L Trekking ist stark an den Ahnen angelehnt. Nur Verkleidungen zeugen vom wilden Charakter des Italieners.Foto: Markus Mechnich

Bei den Motoren ist das Angebot zum Start relativ bescheiden. Der wichtigste Antrieb dürfte der 1,3 Liter großes Multijet-Diesel werden, der mit 85 PS daher kommt. Damit lässt sich der Fiat 500L Trekking bis auf eine leichte Anfahrschwäche ansprechend bewegen. Besser geht das natürlich noch mit dem 1.6 Liter großen Selbstzünder, der gegenüber den 85 PS dann 105 PS aufbietet. Vor allem aber das Drehmoment von 320 Newtonmeter bei weniger als 2000 Umdrehungen pro Minute macht aus dem Italiener ein recht behändes Automobil. Auf der Benzinerseite gibt es den bekannte Zweizylinder-Motor als ein Auswahlmöglichkeit. Auch er bietet 105 PS und kann den Trekking gut bewegen. Der Preis für den relativ geringen Verbrauch von kombinierten 5,1 Litern auf 100 Kilometern ist allerdings eine, bei höheren Drehzahlen deutlich wahrnehmbare Geräuschkulisse. Der andere Otto-Motor im Angebot ist ein 1,4 Liter großer Vierzylinder mit 95 PS und 127 Newtonmeter Drehmoment. Die beiden Benziner erfüllen bereits die Euro-Norm 6, während die beiden Diesel bei 5+ bleiben.

Ambitionierter Preis

Der Vierzylinder-Benziner dürfte sich nicht zuletzt deshalb großer Beliebtheit erfreuen, weil sie mit 19 550 Euro auch die günstigste Variante ist einen Fiat 500L Trekking zu fahren. Der Zweizylinder kostet da schon 1100 Euro mehr und der kleinere der beiden Diesel schlägt mit 21 250 Euro zu Buche. Für 700 Euro mehr gibt es dann den großen Diesel unter die Haube.
Diese Preisgestaltung bewegt sich zwar zwischen den unterschiedlichen Motorisierungen in einem relativ engen Rahmen. Aber rund 20 000 Euro sind für die Fahrzeugklasse doch ein nicht unerheblicher Preis. Den kann der Fiat 500L Trekking teilweise mit einer umfangreichen Serienausstattung wettmachen. Und da hat der Italiener schon was zu bieten. Ohne Aufpreis kommen Tempomat, Touchscreen-Radio, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen oder auch Parksensoren mit. Damit verbleiben auf der Liste der Sonderausstattungen nur wenige wirklich kostspielige Dinge, bei denen das elektrische Panorama-Glasschiebedach (1200 Euro) und das Navigationssystem (700 Euro) das Feld anführen.

Mit vier Motorisierungen will der Fiat 500L Trekking die Pisten erobern. Zwei Diesel und zwei Benziner stehen zur Auswahl.
Mit vier Motorisierungen will der Fiat 500L Trekking die Pisten erobern. Zwei Diesel und zwei Benziner stehen zur Auswahl.Foto: Markus Mechnich

Am Ende kann der Fiat 500L Trekking einen durchaus überzeugenden Eindruck hinterlassen, Wer den Freizeitfaktor bei der Autowahl als wichtig erachtet und gleichzeitig kompakt bleiben möchte sollte sich das Modell mal ansehen. Im Vergleich zu manch anderem Produkt dieser Bauart bietet er viel relativ Platz im Innenraum und fällt mit seiner Optik eher positiv aus dem Rahmen. Den ambitionierten Preis kann er zumindest zum Teil mit umfangreicher Serienausstattung wettmachen. Und wer gut verhandelt kann beim Händler vielleicht auch noch etwas mehr rausholen. Dann ist vielleicht auch die Kaffeemaschine von Lavazza noch drin. Denn die kostet nur 249 Euro mehr. Für echte Italiener wäre dafür kein Preis zu hoch.

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ADAC-Autotest: Fiat 500L

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