Vorstellung Ford Focus : Stubenrein und spricht dabei

Mit viel Schwung hat man in Köln den Ford Focus aufgefrischt. Dabei ist ein fast neues Auto herausgekommen, das sogar verständnisvoll ist.

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Vorne ein Aston Martin: Der Ford Focus reißt nun ebenfalls die Klappe auf.
Vorne ein Aston Martin: Der Ford Focus reißt nun ebenfalls die Klappe auf.Foto: promo

Eine Klarstellung gleich vorweg: Ein neues Auto, wie Ford behauptet, ist der Focus nicht. "Nur" ein Facelift. Allerdings eines,  das weit über den Rahmen einer branchenüblichen Überarbeitung nach der Hälfte des Modellzyklus hinaus geht – und eines, das dadurch zu überraschenden Resultaten geführt hat.

Aber der Reihe nach: Zunächst fällt die neue Optik auf. Vorn mit geänderten Lampen und neuem Grill im Aston-Martin-Stil, der jedoch beim Focus viel stimmiger in die Front integriert ist als beim Fiesta. Hintern mit einem aufgeräumten Heck samt kleineren und eleganteren Leuchten in LED-Technik. Der "neue" Focus sieht damit wirklich neu aus.

Focus spricht Siri

Die erste wirkliche Überraschung folgt nach dem Einsteigen. Die Kölner haben endlich das Cockpit konsequent entrümpelt. Statt des winzigen Monitors und der vielen verstreuten Knöpfe gibt es nun einen optimal platzierten hochauflösenden Acht-Zoll-Touchscreen, mit dem Audio-, Klima-, Mobiltelefon- und Navigationsfunktionen bequem gesteuert werden können. Halt! Es geht jetzt sogar noch einfacher. Endlich versteht einen der Focus richtig, spricht mit einem – und reagiert prompt auf Wünsche. So ähnlich wie das Spracherkennungsystem Siri beim iPhone.

SYNC 2 Bediensystem lautet das Zauberwort. Ford hat nämlich auf die berechtigte Kritik am Vorgängersystem reagiert. Einfach die Spracherkennung aktivieren, den Wunsch ansagen: "Ich habe Hunger" – und schon zeigt das Navigationssystem Restaurants im Umkreis an. Gourmets können den integrierten Michelin-Reiseführer nutzen und sogar kulinarische Richtungen vorgeben. Anrufen? "Mit Jochen verbinden" und schon wird die entsprechende Nummer gewählt. Selbst die Klimatisierung lässt sich auf diese bequeme Weise regeln. Sogar Emails kann das neue Bediensystem SYNC 2 verständlich vorlesen.

Euro 6 ohne Harnstoff

Anders als andere Hersteller hat Ford es bei den Selbstzündern geschafft, diese auch ohne  aufwendigen und teuren Harnstoff-Katalysator auf die nun fällige Euro-6-Abgasnorm zu bringen. Innermotorische Maßnahmen und ein zusätzlicher NOx-Kat reichen den Ford-Technikern. Wirklich neu sind zwei Benziner (150 und 182 PS) und drei Diesel (95, 105, 120 PS) mit jeweils 1,5 Liter Hubraum. Sie wurden leichter, haben weniger Hubraum, haben nun Start-Stopp-System und verbrauchen weniger. Im Frühjahr 2015 ergänzt Ford das Angebot mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe für die 120-und 150-PS-Diesel und mit einer Sechsstufen-Wandlerautomatik für die neuen Benziner mit 150 und 182 PS.

Der Ford Focus lässt sich umfangreich per Sprache steuern.
Der Ford Focus lässt sich umfangreich per Sprache steuern.Foto: promo

Wir sind den neuen EcoBoost-Benzin-Direkteinspritzer-Turbo mit 182 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe im Focus gefahren (nur in der Topausstattung Titanium ab 25210 Euro). Ein tolles Triebwerk mit gleichmäßiger Kraftentfaltung und fast schon so seidenweichem Lauf wie ein V6. Deutlich kultivierter als die rau laufenden Direkteinspritzer-Benziner von VW. Stämmige 240 Newtonmeter Drehmoment liegen zwischen 1600 und 5000 Touren gleichmäßig an, entsprechend souverän lässt sich der Focus mit diesem Motor fahren. Butterweich können bei Bedarf die Gänge des Sechsganggetriebes gewechselt werden, doch die Hand muss selten zum Schalthebel greifen. Eine Überraschung erleben wir bei einem alten Bekannten, dem überarbeiteten Zweiliter-Diesel (in der Ausstattungslinie Business ab 25710 Euro). Der wurde mit nun 150 PS zehn stärker, mehr Drehmoment (370 statt 340 Nm), 15 Prozent sparsamer (nur 4,0 Liter Normverbrauch) und sehr viel leiser. Nach der Warmlaufphase ist er kaum noch von einem Benziner zu unterscheiden.

Sparsamste Auto in der Kompaktklasse

Auch hier erweist sich das Ford-Triebwerk um eine Klasse kultivierter als das VW-Pendant. Der Kölner Diesel agiert so durchzugsstark, dass man das Gaspedal streicheln kann und dennoch flott unterwegs ist. Der richtige Genießer-Motor für die Freunde langer Autobahntouren. Leider konnten wir den neuen 1,5-Liter-Diesel (mit 95 PS ab 21 560 Euro) noch nicht fahren. Wir werden das für Sie nachholen. In der Sparversion ECOnetic (mit 105 PS ab 22 560 Euro) ist der Focus dann mit einem Normverbrauch von nur 3,4 Litern das sparsamste Auto der Kompaktklasse.

Passend zu den tollen Motoren haben die Ford-Techniker auch ein glückliches Händchen bei der Überarbeitung von Fahrwerk und Lenkung bewiesen. Eigentlich wäre das gar nicht nötig gewesen, denn bereits die aktuelle Generation gehört ja zu den Kompakten mit den anerkannt besten Fahreigenschaften. Die weitreichenden Änderungen – steiferer Vorderwagen und modifizierte Fahrwerksgeometrie – machen aus dem Ford Focus den Kurvenkünstler Nummer Eins in der Kompaktklasse. Als weltweit erstes Serienauto kommt im Focus die erweitere Fahrdynamik-Regelung ETS zum Einsatz, welche  anbahnende instabile Fahrzustände schon im Ansatz erkennt und früher als das normale ESP reagiert.

Hoher Abrollkomfort

Hinzu kommt die verbesserte Lenkung, die nun trotz weicherem Ansprechen noch exakter und feinfühliger geworden ist. Und um noch einen draufzusetzen: Dickere Seitenscheiben, mehr Dämmstoffe und neu abgestimmte Stoßdämpfer bringen einen spürbaren Komfortgewinn, der den Focus zu einem der leisesten Kompaktautos macht. Und den Ford-Technikern ist zudem das Kunststück gelungen, Komfort und Sportlichkeit in eine optimale Balance zu bringen. Im "neuen" Focus wähnt man sich in einem Premium-Mittelklassewagen,  so leise rollt dieser kompakte Ford ab, so kultiviert arbeiten die Triebwerke und so gering sind die Windgeräusche. Nahezu perfekt für einen Kompakten – und derzeit fraglos der neue Maßstab in der Golf-Klasse.

Auch als Turnier macht der Ford Focus eine gute Figur.
Auch als Turnier macht der Ford Focus eine gute Figur.Foto: promo

Auch bei den Fahrerassistenzsystemen wurde nachgelegt. So Fahrspur-Assistent, Auffahr-Warnsystem, Active CityStop, Müdigkeitswarner, Einpark-Assistent längs und quer, Toter-Winkel-Assistent, Radar-Tempomat und Anhänger-Stabilisator.

Los geht es ab Ende Oktober zu Preisen ab 16450 Euro für das Basismodell mit fünf Türen und 85-PS-Saugmotor. Die viertürige Limousine gibt es ab 17060 Euro, für den Kombi namens Turnier müssen mindestens 17360 Euro gezahlt werden.

Sportversion könnte mit Allrad kommen

Und nächstes Jahr greift Ford auch die Sportfraktion der Kompaktliga an: VW Golf R, Audi S3 und Mercedes A 45 AMG. Dann startet der Focus RS mit Mustang-Power! Statt des bislang eingesetzten 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo sorgt dann der aufgeladene 2,3-Liter-Vierzylinder aus dem neuen Ford Mustang für Vortrieb. Die Maschine dürfte im Focus mindestens 330 PS leisten und damit die Version aus dem berühmten Muscle Car um rund 20 PS übertreffen. Und möglicherweise wird der RS des Jahres 2015 der erste Focus mit vier angetriebenen Rädern werden.

PS. Der Ford Focus ist weltweit das meistverkaufte Auto. Es wird in 140 Ländern angeboten. Seit 1998 sind über zwölf Millionen verkauft worden, allein 1,1 Millionen im vergangenen Jahr. Alle 90 Sekunden läuft ein Focus vom Band.

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