Vorstellung Ford S-MAX : Nie wieder Punkte in Flensburg?

Hohe Pferdestärken reizen zu schnellen Ausritten. Ärgerlich nur, wenn man dabei geblitzt wird und blechen muss. Das will Ford jetzt verhindern und führt mit der zweiten Generation des S-MAX den sogenannten intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzer ein.

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Der Ford S-Max ist nur minimal gewachsen, wirkt aber - dank des neuen Kühlergrills im Aston-Martin-Stil, der flachen Scheinwerfer und der schmaleren Fensterlinie - bulliger als die erste Generation.
Der Ford S-Max ist nur minimal gewachsen, wirkt aber - dank des neuen Kühlergrills im Aston-Martin-Stil, der flachen Scheinwerfer...Foto: Hersteller

Für alle Autofahrer, die traditionell ein umfangreiches Punktekonto in Flensburg haben, gibt es demnächst eine simple Lösung: Mit dem neuen Ford S-Max, der im September auf den Markt kommt, fällt der Startschuss für ein Auto mit eingebauter Knöllchen-Allergie! Die meisten der heute bekannten Tempomaten erlauben dem Fahrer nur, eine maximale Geschwindigkeit festzulegen. Fords System geht einen entscheidenden Schritt weiter: Es vernetzt die Navigationsdaten mit den Informationen des Verkehrsschild- Erkennungssystems und gleicht ständig beide Informationen ab.

Ein Tastendruck an der linken Lenkradspeiche aktiviert den variablen Tempomaten. Im Kombiinstrument leuchtet im rechten Bereich ein grüner Schriftzug "AUTO LIM" mit dem eingestellten Tempo auf. Daneben wird das erkannte aktuelle Tempolimit angezeigt. Das voreingestellte Tempo wird automatisch mit den aktuellen Informationen des Verkehrsschild-Erkennungssystems abgeglichen, welches mit einer Kamera hinter der Frontscheibe arbeitet. Sie kennen das ja auch: Plötzlich ist in einer Baustelle und oder an einer Ausfahrt statt Tempo 80 nur noch Tempo 60 erlaubt. Ist man etwas unaufmerksam und hier zu schnell unterwegs, verzögert der variable Tempomat das Auto sanft, indem er das Motordrehmoment drosselt. Geht es an solch einer unbekannten Tempolimit-Stelle bergab, ertönt ein Warnton, damit der Fahrer bremst.

Feinste Technik aus dem Gen-Spender Ford Mondeo

Selbsttätig bremsen darf und kann dieses System noch nicht. Aber es ist immerhin ein wichtiger Anfang, punktefrei durch das Autoleben zu kommen.
Das ist nur eine von insgesamt 20 neuen Technologien, mit denen Ford der zweiten Generation des S-Max neue Zugkraft verschaffen will. 2006 begründete der S-Max ja das neue Segment des Sportvans. Ein kluger Schachzug, diesen fünf bis siebensitzigen Familienvan als ICE der Autobahn zu platzieren.

2006 begründete der S-Max das neue Segment des Sportvans. Ein kluger Schachzug, diesen fünf bis siebensitzigen Familienvan als ICE der Autobahn zu platzieren. Die Verkaufszahlen geben ihm bis heute recht.
2006 begründete der S-Max das neue Segment des Sportvans. Ein kluger Schachzug, diesen fünf bis siebensitzigen Familienvan als ICE...Foto: Hersteller

Große Vans fahren seit gut zehn Jahren bei uns eher im Rückwärtsgang. Zu bieder, nicht so emotional wie ein SUV. Nicht von ungefähr hat ja einer der Väter der Großraumlimousine sich quasi aus diesem Segment verabschiedet: Der neue Renault Espace ist kein klassischer Großraumvan mehr, sondern ein flacher sportlicher Crossover geworden. Ford hingegen bleibt – fest von seinem Konzept überzeugt – beim klassischen Van. Halt, beim Sportvan, und mit dem ist Ford noch heute nahezu konkurrenzlos unterwegs. Bis Ende 2014 sind in Europa 400.000 S-Max verkauft worden. Entgegen dem allgemeinen Trend.
Damit das auch zukünftig so bleibt, hat Ford dem S-Max einen noch sportlichern Look verpasst. Mit 4,79 Metern Länge, 1,91 Metern Breite und 1,65 Metern Höhe ist er nur minimal größer geworden, wirkt er aber mit dem neuen Trapez-Grill im Aston-Martin-Stil, den flachen Scheinwerfern sowie der schmaleren Fensterlinie bulliger als die erste Generation. Hinzu kommt eine Menge feiner Technik aus dem Gen-Spender Mondeo wie ein autonomes Bremssystem mit Fußgänger-Erkennung, eine Einpark-Automatik, adaptive LED-Scheinwerfer, Spurhalteassistent, Verkehrszeichen-Erkennung, eine elektrische Heckklappe, welche auf einen „Fußtritt“ reagiert sowie ein so genannter Cross Traffic Alert-Assistent (Warum immer Englisch? Auf gut Deutsch ein Querverkehrsassistent). Dieser sieht mehr als der Fahrer und warnt ihn beim rückwärtigem Ausparken vor herannahendem Querverkehr.

Jetzt auch mit adaptiver Lenkung, Um-die-Ecke-Kamera und Allrad

Eine Weltneuheit ist die für 500 Euro Aufpreis erstmals in Deutschland eingesetzte adaptive Lenkung mit variabler Übersetzung. Ein winziger elektrischer Stellmotor, der im Pralltopf unter dem Airbag sitzt, passt die Lenkkraftunterstützung an die Fahrgeschwindigkeit stufenlos an: Beim Rangieren auf dem Parkplatz oder beim Abbiegen in der Stadt kommt man mit einem geringeren Lenkeinschlag aus. Bei mittleren Geschwindigkeiten reagiert das System besonders sensibel auf Lenkimpulse und sorgt so für ein agileres Handling. Bei höherem Autobahntempo nimmt der Stellmotor die Lenkunterstützung zurück. So fühlt sich der S-Max viel souveräner und weniger hektisch an als andere Autos, wenn beispielsweise die Spur gewechselt wird oder es mit hohem Tempo durch eine lang gezogene Kurve geht. Die Adaptiv-Lenkung besitzt drei Modi für jeden Geschmack: Normal, Komfort und Sport. Wir haben es ausprobiert: Das Ganze funktioniert sehr gut; es macht den S-Max viel handlicher als man es angesichts seiner stattlichen Maße erwarten würde.

Das Cockpit wurde modernisiert und entrümpelt. Die Bedienung des Infotainment-Systems erfolgt bequem per Sprachsteuerung oder den acht Zoll großen Touchscreen.
Das Cockpit wurde modernisiert und entrümpelt. Die Bedienung des Infotainment-Systems erfolgt bequem per Sprachsteuerung oder den...Foto: Hersteller


Und mit dem S-Max führt Ford auch eine neue Kameratechnik ein, die an schlecht einsehbaren Kreuzungen für den Autofahrer quasi um die Ecke schaut. Die Frontkamera ist im Kühlergrill installiert und erfasst einen Bereich von 180 Grad vor der Fahrzeugfront. An schlecht einsehbaren Kreuzungen kann sie kreuzende Fahrzeuge, Radfahrer oder Fußgänger viel eher erkennen als der weiter hinten sitzende Fahrer. Dieser bekommt ihre Bilder in Echtzeit auf dem Acht-Zoll-Display angezeigt. Die Kamera ist nur gut drei Zentimeter groß und wird beim Einschalten der Scheibenwischer mitgereinigt. Im Aufpreis von 900 Euro sind dann sind auch Rückfahrkamera und Parkpiepser vorn und hinten inklusive.
Die Motorenpalette reicht vom 120 PS starken Zweiliter-Diesel bis zum gleich großen Benziner mit 240 PS. Neu sind der 1,5-Liter-Ecoboost-Benziner mit 160 PS und der Biturbo-Diesel mit 210 PS und 450 Newtonmetern Drehmoment. Die am meisten verkauften Triebwerke dürften die bereits bekannten Leistungsstufen des Zweiliter-Diesel mit 150 PS und 180 PS sowie der Einstiegsbenziner mit 160 PS werden. Für die beiden Selbstzünder ist – eine Premiere im S-Max – nun auch ein Allradantrieb bestellbar.

Spielwiese für Technik-Freaks

Wir sind den neuen S-Max mit einem der interessantesten Motoren gefahren, dem 180-PS-Diesel, für den Ford 34.200 Euro verlangt. Mit seinem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmeter wuchtet der Vierzylinder den Raumkreuzer in 9,7 Sekunden von Null auf Tempo 100. Und wer es eilig hat, den bringt er lässig bis auf maximal 211 km/h.
Hinter dem jetzt etwas dickeren Glas und dank der besseren Dämmung ist nur wenig von den Arbeits- und Fahrgeräuschen zu hören. Ford gibt glatt fünf Liter als Normverbrauch an; nach unserer Testfahrt waren es 7,1 Liter. Ordentlich. Die Ford-Techniker sind bekannt dafür, gute Fahrwerke zu bauen. Hier haben sie die Radaufhängungen, Fern und Dämpfer noch verbessert, der S-Max fährt jetzt nicht nur noch eine Spur dynamischer, sondern auch komfortabler. Besonders auffällig sind die sensiblen Dämpfer, denn trotz der 19-Zöller rollt der frontgetriebene Ford polterfrei über Querfugen. Eine klasse Abstimmung. Dieser Sportvan ist kein dröger Dampfer, sondern eher ein hochgebockter Sportkombi für lange Touren mit viel Gepäck.

Jeder einzelne Sitz im S-Max lässt sich umlegen, die beiden Einzelsitze in der dritten Reihe sogar elektrisch. So entsteht eine ebene Ladefläche.
Jeder einzelne Sitz im S-Max lässt sich umlegen, die beiden Einzelsitze in der dritten Reihe sogar elektrisch. So entsteht eine...Foto: Hersteller


Vorn reist man erster Klasse. Und auch auf den verschiebbaren Einzelsitzen der zweiten Reihe sitzt man bequem und genießt viel Platz. Insgesamt gibt es 32 verschiedene Sitzkonfigurationen, eine Spielwiese für Technik-Freaks. Per Knopfdruck im Kofferraum lässt sich jeder einzelne Sitz einfach umlegen. Die beiden Einzelsitze in der dritten Reihe lassen sich nun sogar elektrisch versenken und es entsteht ein topfebener Ladeboden.

Das Cockpit hat Ford entrümpelt. Dank des Infotainment-Systems Ford Sync2 ist es übersichtlich gestaltet, da viele Funktionen entweder über die sehr gut funktionierende Sprachsteuerung oder per acht Zoll großem Touchscreen bedienbar sind.

Vielleicht doch lieber Galaxy oder Mondeo?

Fords aktuelles Sportstudio rollt im September an den Start. Bestellt werden kann es schon jetzt. Das Beste? Der kaum veränderte Basispreis von 30.150 Euro für den 160-PS-Benziner. Wenn der große Ford mit bis zu 2200 Litern Laderaum auf den Markt kommt, wird er auch mit dem neuen 120-Diesel-PS für 31.200 Euro zu haben sein. Für Sparfüchse sicher eine interessante Wahl.

Und wem der S-Max zu klein sein sollte, der hat nun eine wirkliche Alternative – den neuen Ford Galaxy. Der sieht nicht mehr so plump aus wie der Vorgänger. Und weil auch er, wie der S-Max, auf der Technik des neuen Mondeo aufbaut, fährt sich der größere Galaxy kaum weniger sportlich als der S-Max. Doch der größte Van in Fords aktuellem Raumfahrtprogramm kommt mit serienmäßiger dritter Sitzreihe, hinter der noch immer 300 Liter Kofferraumvolumen bleiben - so viel wie in einem Mini Coutryman. Legt man alle Fondsitze beim Galaxy flach, wächst das Ladevolumen auf bis 2339 Liter an. Dafür muss man jedoch tief in die Tasche greifen. Bei einem Basispreis von 32.810 Euro kostet der Galaxy knapp 3000 Euro mehr als der vergleichbare S-Max.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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