Vorstellung Jaguar F-Type : Der Hooligan im Gentlemen’s Club

Jaguar hat nach Jahrzehnten wieder einen echten Sportwagen im Programm. Nicht gerade ein dezentes Auto, aber eines mit hohem Spaßfaktor.

Kai Kolwitz
550 PS sorgen für Selbstvertrauen: Der Jaguar F-Type kommt Mitte April zu den Händlern.
550 PS sorgen für Selbstvertrauen: Der Jaguar F-Type kommt Mitte April zu den Händlern.Foto: Promo

Eine Landstraße in den Bergen. Im Rückspiegel wird der rote Sportwagen schnell größer. Der Fahrer setzt den Blinker, schert aus und überholt die ganze Kolonne – der Achtzylinder präsentiert laut und unverkennbar seinen tiefen, bollernden Sound. Die zehn Prozent Steigung scheinen Piloten und Auto genauso wenig auszumachen wie die Tatsache, dass die nächste Kurve langsam ziemlich nahe kommt. Blinker rechts, einscheren, runterschalten, der Motor brüllt Richtung siebentausend Touren. Dann einlenken und äußerst zügig ums Eck.

Weg von der Altherrenmarke

Keine Frage, 550 PS können sehr souverän machen. Erst recht dann, wenn sie so ansprechend verpackt sind wie im Jaguar F-Type, der ab dem 12. April auch als Coupé bei den Händlern steht. Jaguars erster richtiger Sportwagen seit Ewigkeiten folgt den klassischen Formen, lange Haube, kurzes Heck, dazu in diesem Fall ziemlich breite Schultern – Designer Ian Callum ist ein Mann, der lieber auf gute Proportionen und wenige klare Linien setzt als auf viel Brimborium. Der Schotte hat vor seiner Jaguar-Karriere schon einige Aston-Martin-Modelle eingekleidet.

Klare Linien: Designer Ian Callum war schon bei Aston Martin erfolgreich.
Klare Linien: Designer Ian Callum war schon bei Aston Martin erfolgreich.Foto: Promo

Und er ist wesentlich für den Wandel verantwortlich, den Jaguar in den vergangenen Jahren durchlebt hat: Weg von der siechen Altherrenmarke, hin zu mutigen, frischen, scharf gezeichneten Formen wie denen der Businesslimousine XF, des luxuriösen Flaggschiffs XJ und des Gran Turismos XK. Und seit der Premiere des F-Types als Cabrio im vergangenen Jahr hat Jaguar auch endlich wieder einen echten Sportwagen im Programm. Denn, das schienen sowohl Hersteller als auch der größte Teil des Rests der Welt vergessen zu haben – für so etwas war Jaguar früher mal berühmt. XK 120 bis 150 waren große Rennwagen, der E-Type lieferte in den Sechzigern und Siebzigern jede Menge Leistung und Fahrspaß – und das zu Preisen, die weit unter denen der meisten Konkurrenten lagen.

Insoweit darf man den Neuen durchaus in den Fußstapfen des großen Vorfahren sehen. Denn in drei Varianten hat Jaguar das F-Type-Coupé im Angebot. Die günstigste davon holt 340 PS aus einem per Kompressor aufgeladenen Dreiliter-Sechszylinder, ab 67 000 Euro ist er zu haben. Gemessen am gefühlten Konkurrenten Porsche 911 ist das ein ziemlicher Kampfpreis, denn der ist minimal 23 000 Euro teurer, selbst ein Cayman GTS mit ebenfalls 340 PS kommt noch auf knapp 74 000 Euro.

Viereinhalb Meter Spaßmaschine

Allerdings tut Jaguar einiges, um die geschätzte Käuferschaft zu motivieren, doch zumindest zur S-Version für 78 500 Euro zu greifen. Denn nur für die gibts ein Sperrdifferenzial für die Hinterachse (alle Varianten haben reinen Heckantrieb) und ein adaptives Fahrwerk, das eine etwas komfortablere und eine etwas knackigere Einstellung zu bieten hat. Außerdem hängt der Wagen im Sportmodus spontaner am Gas, die Achtgang-Automatik schaltet später hoch, wenn man nicht sowieso mit den Schaltpaddeln am Lenkrad arbeitet – und der Wagen macht dank Klappenauspuffanlage um einiges mehr Lärm.

Üppig beledert: Im Innenraum des Jaguar F-Type wurde nicht an feinen Materialien gespart.
Üppig beledert: Im Innenraum des Jaguar F-Type wurde nicht an feinen Materialien gespart.Foto: Promo

Was nicht heißt, dass der F-Type-S im komfortableren Modus im direkten Sinne weich wäre: Mit den auf dem Testwagen montierten 20-Zoll-Felgen (Serie wären 19 Zoll) bollert er über Unebenheiten, verteilt Stöße ins Kreuz, und laut wird er auch, wenn man ihn fordert. Man kann mit so einem Auto schon noch jeden Tag zur Arbeit fahren. Aber man muss es wollen. Zur Belohnung für die Härten liefert das Fahrwerk aber eine Irrsinnsmenge Grip, was jede Landstraßenkurve zur Mutprobe werden lassen kann. Dazu die giftige Bremse und ein Motor, der linear und mit Wucht beschleunigt, fertig sind viereinhalb Meter Spaßmaschine.

R- und S-Version in Konkurrenz: 4,9 Sekunden auf hundert stehen gegen 4,2 und 275 Stundenkilometer Endgeschwindigkeit gegen glatte 300 – wer solche Unterschiede im Straßenverkehr für wesentlich hält, der sollte dringend über seinen Fahrstil nachdenken.
R- und S-Version in Konkurrenz: 4,9 Sekunden auf hundert stehen gegen 4,2 und 275 Stundenkilometer Endgeschwindigkeit gegen glatte...Foto: Promo

Für das Fahren auf öffentlichen Straßen ist es übrigens völlig unwesentlich, ob der Sechszylinder der S-Version oder der ebenfalls per Kompressor aufgeladene Fünf-Liter-Achtzylinder der R-Version verbaut ist. Druck haben sie beide ohne Ende, 4,9 Sekunden auf hundert stehen gegen 4,2 und 275 Stundenkilometer Endgeschwindigkeit gegen glatte 300 – wer solche Unterschiede im Straßenverkehr für wesentlich hält, der sollte dringend über seinen Fahrstil nachdenken.

Die "Prolltaste" macht ordentlich Lärm

Großes Argument für den knapp 104 000 Euro teuren Achtzylinder ist allerdings: Er klingt einfach noch einmal besser, tiefer, grollender, böser. Auch die elektronisch geregelte Differenzialsperre des Großen fühlt sich anders an als die mechanische der S-Version. Wo deren Heck auf unebener Straße immer leicht tänzelt, herrscht beim Achtzylinder Ruhe an der Hinterachse. Beides kann man mögen, beides ist absolut beherrschbar. Bleibt zu fragen, wo Jaguar denn gespart hat, um viel Leistung für weniger Geld als so einige Konkurrenten anbieten zu können.

Jedenfalls nicht da, wo es beim Fahren schmerzen würde. Allerdings bekommen die Spaltmaße der Stoßfänger nicht ganz die Höchstnote auf der Piech-Winterkorn-Skala, auch die Ablage in der Mittelkonsole des üppig belederten und ansonsten sehr aparten Innenraums hätte man noch einen Hauch liebevoller einpassen können. Dafür ist der Kofferraum aller Ehren wert – rund 400 Liter reichen locker für Einkäufe oder Sieben-Tage-Trips.

Und dann gibt es da noch diese zwei Schalter, die faszinieren. Auf dem einen ist nur ein Auspuffsymbol, nennen wir ihn mal "die Prolltaste". Denn er macht den Wagen lauter, für mehr Aufmerksamkeit an der Ampel. Der andere dagegen steckt auf der Innenseite der Heckklappe – genau, die hebt und senkt sich elektrisch, wenn man ihn drückt. So viel Luxus muss auch in Jaguars Sportler sein.

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