Vorstellung Mazda 3 : Anders ist besser

Dieser Mazda sieht nicht nur gut aus, er ist auch noch recht günstig.

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Optisch ein Gewinn: Der Mazda 3 mausert sich zur Haute Couture in der Kompaktklasse.
Optisch ein Gewinn: Der Mazda 3 mausert sich zur Haute Couture in der Kompaktklasse.Foto: Hersteller

Der neue 3er wird der Hingucker in der vom optisch immer nahezu gleich ausschauenden VW Golf beherrschten Kompaktklasse. Denn die Japaner haben – anders als die Franzosen es beim neuen 308 oder die Tschechen beim neuen Skoda Rapid Spaceback taten – dem neuen 3er mit Mut die Originalität ins Blech gepresst, die aus dem Dreier das Gesicht in der uniformen Menge werden lässt. Der  neue 3er ist ein stimmiger 6er geworden; nur eine Klasse tiefer. Obwohl sich die Maße gegenüber dem Vorgänger nur wenig geändert haben (gleiche Länge, minus 1,5 Zentimeter Höhe, vier Zentimeter mehr Breite), kommt der Neue nun viel selbstbewusster daher. Breit und satt steht er auf der Straße; mit kurzen Überhängen. Bei ihm müssen sich Schönheit und Funktion nicht ausschließen. Trotz der sportiven Form ist der Mazda 3 übersichtlicher als ein Kia  Ceed oder ein Hyundai i30 mit deren schräg gestellten A-Säulen, welche die Sicht beim Abbiegen behindern. Mazda hat dort etwas verändert, wo es wichtig ist: Die Achsen stehen nun sechs Zentimeter weiter auseinander; mit 2,70 Meter besitzt der neue 3er den längsten Radstand der Kompaktklasse (VW Golf 2,64 Meter). Und das nehmen die Passagiere im Mazda mit Wohlgefallen zur Kenntnis.

Vorn ist das Platzangebot sehr gut, im Fond die überdurchschnittliche Beinfreiheit besser als im Golf, und sowie die Kopffreiheit ist trotz der abfallenden Dachlinie noch gut. Und auch beim Gepäcktransport fällt der neue nicht ab: 350 Liter Volumen (zehn mehr als zuvor) sind nur 30 Liter weniger als beim VW Golf. Dafür bietet der Mazda nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen einen nahezu ebenen Ladeboden. Ganz im Trend liegt der 3er auch beim Gewicht: Über 60 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Doch, anders als beim ebenfalls abgespeckten neuen Peugeot 308 mit dessen viel zu geringer möglichen Zuladung müssen beim Japaner keine Hungerharken einsteigen: 600 Kilogramm Zuladung sollten reichen.

40 000 Radiosender

Schön, dass das attraktive Äußere im Innenraum seine Fortsetzung findet. Auch da gehen die Japaner, anders als die Entwickler bei VW, andere Wege als die ausgetretenen. Ab mittlerer Ausstattung Center-Line (unser Favorit!) besitzt der 3er ein sieben Zoll großes Display, mit dem so ziemliches alles gesteuert werden kann. Entweder direkt über den berührungsempfindlichen Bildschirm, per Sprachbefehl oder – wie bei BMW – über einen Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole. Das funktioniert auf Anhieb; und auch besser als beim neuen Peugeot 308. Das serienmäßige Mazda Connect System bindet Smartphones ein, verfügt über eine Vorlesefunktion für E-Mails und bietet über den Cloud basierten Service Aha mehr als 40000 Radiosender, Hörbücher oder Zugang zu sozialen Medien. Kleiner Lapsus im Cockpit: Die Instrumente, ein Mix aus analogen und digitalen Anzeigen, sind zwar gut abzulesen, doch Drehzahlmesser und Tankanzeige viel zu klein. Geraten.

Innen macht er seine Sache gut. Nur die Anzeigen sind teilweise zu klein.
Innen macht er seine Sache gut. Nur die Anzeigen sind teilweise zu klein.Foto: Hersteller

Die größte Überraschung bietet der neue 3er beim Fahren. Auch ohne solch ein teures elektronisch geregeltes Fahrwerk wie das des VW Golf federt der Mazda 3 ebenso souverän und geschmeidig wie der Wolfsburger. Dazu kommen geringe Abrollgeräusche. Dieser feine Federungskomfort wird jedoch nicht durch ungebührliche Wankbewegungen der Karosserie in schnellen Kurven erkauft. In sportlich-fescher Manier wuselt der 3er ums Eck, unterstützt von einer präzisen Lenkung. Das kann ein teurerer Golf nicht besser! Und auch die Sitze tragen zum Wohlbefinden bei.

Sparsam sein ohne Downsizing

Anders machen es die Japaner selbst beim Antrieb. Statt auf Turbomotoren mit kleinem Hubraum setzen sie bei den Benzinern auf Sauger mit ordentlichem Hubraum. Die Benziner sind mit 14:1 extrem hoch; der Diesel mit 14:1 extrem niedrig verdichtet. Das soll, verbunden mit innermotorischen Maßnahmen, für geringe Verbrauchswerte sorgen. 5,1 Liter pro 100 Kilometer beim Benziner, 3,9 Liter beim Diesel. Dieser andere Weg hat vor allem beim Benziner mehrere Vorteile. Wo kein Turbo drin ist, kann auch keiner kaputt gehen, es gibt zudem  eine schön gleichmäßige, wenn auch eher betuliche Kraftentfaltung, und schließlich triften die Verbrauchswerte beim unrealistischen Norm- und dem realen Verbrauch nicht so weit auseinander wie bei den kleinen Turbos, die zu saufen beginnen, wenn sie gefordert werden. Statt 5,1 brauchten wir beim 100-PS-Benziner laut Bordcomputer 5,9 Liter bei der Testfahrt. Und beim 120-PS-Benziner mit der weich und ruckfrei schaltenden Sechsstufenautomatik (1800 Euro extra) waren es statt der versprochenen 5,6 Liter 6,9 Liter. Kein Grund zum Meckern. Über alle Zweifel erhaben ist der tolle Diesel mit 150 PS, der – anders als der Selbstzünder des neuen Peugeot 308 – ohne Harnstoffeinspritzung bereits jetzt die Euro-6-Norm erfüllt. Nur er ist sehr teuer (erst ab 24390 Euro).

Trotz der kleinen Fenster hinten ist die Rundumsicht beim Mazda 3 noch recht gut.
Trotz der kleinen Fenster hinten ist die Rundumsicht beim Mazda 3 noch recht gut.Foto: Hersteller

Dennoch holpert es noch im Mazda-Modellprogramm: So gibt es den neuen 100 PS starken sowie sehr sparsamen Benziner lediglich im Schrägheckmodell und nur in der Basisausstattung Prime-Line für 16990 Euro. Da sind dann schon Klima, Radio, Bordcomputer und ein Start-Stopp-System an Bord. Doch außer Metalliclack gibt es nichts weiter. Wer mehr will, muss dann gleich 3300 Euro mehr ausgeben. 20290 kostet der Mazda 3 in der mittleren und aus unserer Sicht empfehlenswerten Center-Line-Ausstattung. Unter der Haube steckt dann ein Zweilliter-Benziner mit 120 PS. Für den kann eine 1800 Euro teure hauseigene Sechsstufenautomatik geordert werden; für den stärkeren 165-PS-Benziner jedoch nicht. Und Freunde der Langstrecke, die einen Diesel wünschen, haben derzeit keine Wahl.

Warten auf den kleine Diesel

Den 3er gibt es zum Marktstart am 18. Oktober nur mit dem bekannten 2,2 Liter großen und 150 PS starken Selbstzünder. Und dieser kostet mit 24390 Euro gleich 2100 Euro mehr als der 165-PS-Benziner. Wann ein kleinerer und günstigerer Diesel kommt, ist derzeit noch ungewiss. Gewiss ist indes, dass am 14. Februar die neue Stufenheckversion des Mazda 3 kommt. Sie sieht aus wie ein zu heiß gewaschener Mazda 6; überträgt dessen stimmige Proportionen eine Klasse tiefer. Anders als der blutleere VW Jetta, tritt Mazdas 3er mit Stufe auf wie ein heißblütiger Römer. Für einen fairen Aufpreis von 500 Euro ist das japanische Stufenheck zu haben. Ab 20790 Euro geht es los mit dem 120-PS-Benziner in der mittleren Ausstattung Center-Line. Mit einer Länge von 4,59 Metern ist der 3er mit Stufe nur elf Zentimeter kürzer als ein Audi A4. 419 Liter fasst das Heck des Japaners, und wegen der im Vergleich zum Vorgänger zehn Zentimeter breiteren Öffnung lassen sich nun drei statt bislang zwei Koffer verstauen. Wem der Mazda 6 zu groß ist, findet hier eine passende Alternative. Einen Kombi hingegen wird es vom 3er  auf absehbare Zeit nicht geben. Stattdessen kommt – ganz dem Trend entsprechend – in gut zwei Jahren mit dem  CX 3 ein neues Kompakt-SUV unterhalb des gegenwärtig sehr erfolgreichen CX 5.

Zum Start steht nur eine Diesel-Variante zur Auswahl. Das Stufenheck kostet 500 Euro Aufpreis.
Zum Start steht nur eine Diesel-Variante zur Auswahl. Das Stufenheck kostet 500 Euro Aufpreis.Foto: Hersteller

Mit diesem neuen Mazda 3 ist dem Platzhirsch aus Wolfsburg nun ein ernst zunehmender Konkurrent erwachsen, der mit frischerem Auftritt und besserem Preisleistungsverhältnis als der VW Golf (stets ein paar Tausend Euro günstiger) bei den Käufern punkten kann.

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