Vorstellung Mazda CX-3 : Ganz wie der große Bruder

Nach dem Erfolg des CX-5 bringt Mazda nun den kleineren CX-3 auf den Markt. Auch der sollte das Potenzial zum Kassenschlager haben.

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Eigenwillig und selbstbewusst. Das Mini-SUV Mazda CX-3 hebt sich nicht nur von seinem großen Bruder, sondern auch von der Konkurrenz ab. Und das nicht nur optisch
Eigenwillig und selbstbewusst. Das Mini-SUV Mazda CX-3 hebt sich nicht nur von seinem großen Bruder, sondern auch von der...Foto: Hersteller

Die sonst oft Trends setzenden Japaner aus Hiroshima sind dieses Mal ein bisschen spät dran. Die Gilde der Mini-SUVs boomt, die hochgebockten Wägelchen vom Schlage eines Opel Mokka, Peugeot 2008 oder Renault Captur verkaufen sich prächtig. Allein im vergangenen Jahr wuchs das Segment um sage und schreibe 56 Prozent. Tendenz? Steigend! Das wird es höchste Zeit für ein Auto wie der Mazda CX-3.

Denn in diesem Bereich hatte Mazda bislang nichts anzubieten. Das Erfolgs-SUV Mazda CX5 eine Klasse höher ist schön und gut. Doch jetzt soll die Erfolgsgeschichte endlich eine Etage tiefer fortgesetzt werden. Wer im SUV-Geschäft zu spät kommt, der wird nicht bestraft von der Kundschaft, wenn er etwas Besonderes zu bieten hat. Und das haben die Mazda-Leute.

Mazda CX-3 ist kleiner Crossover

Mazda hat den CX-3 gegenüber dem CX-5 um knapp 30 Zentimeter auf 4,28 Meter gekürzt und den Preis um gut 6000 Euro gesenkt. Der grazil wirkende Mazda CX-3 ist jedoch keine platte, etwas geschrumpfte Ausgabe des CX-5, sondern viel mehr. Er basiert auf dem kürzlich vorgestellten Mazda 2. Und dank weiterentwickeltem Kodo-Design überrascht er mit einer vom Mainstream erfreulich abweichenden Form. Mit seiner schwarzen D-Säule und der flachen Dachlinie kommt er eher als aufgebocktes Coupé denn als kleiner Crossover daher.

Auch innen weichen die Japaner vom Gewohnten ab. Für ein sportliches Fahrgefühl wurden die Sitze einen Tick tiefer als klassenüblich montiert. Man steigt dennoch bequemer ein als im Gen-Spender Mazda 2. Die tiefere Sitzposition schränkt den guten Überblick, welcher das SUV-Fahren für viele ja so reizvoll macht, nur marginal ein. Und sowohl Kopf- als auch Kniefreiheit sind für die 2,57 Meter Radstand und gerade mal 1,54 Meter Höhe in der ersten Reihe vergleichsweise gut. Außerdem kann sich der Kofferraum mit seinen 350 bis 1260 Litern Volumen im Konkurrenzumfeld sehen lassen. Befindet sich der verstellbare Ladeboden in der unteren Position, finden bei aufgestellten Rücksitzen zwei 67-cm-Koffer Platz. Nur von den Passagieren in der zweiten Reihe fordert die Coupé-artige Dachlinie ihren Tribut: Der Fondtürausschnitt ist recht klein ausgefallen, da ist schon etwas Biegsamkeit erforderlich. Schräg nach hinten leidet die Sicht beim Einparken unter der sportlichen Form: Breite D-Säulen und ein kleines Heckfenster schränken das Blickfeld ein. Ein Mangel, den der schmucke Mazda CX-3 mit vielen Konkurrenten teilt.

Mazda CX-3 leuchtet mit LED-Scheinwerfer

Im Innenraum können die Japaner mit Pfiffigkeit, Hochwertigkeit, einfacher Bedienung sowie guter Ausstattung punkten. Als erster SUV im Segment ist der Mazda CX-3 mit LED-Scheinwerfern lieferbar. Außerdem gibt es ein modernes Navigationssystem mit Berührungsbildschirm, Smartphone-Anbindung und Online-Infotainment. Das MZD-Connect-System ist ab mittlerer Ausstattung Center-Line serienmäßig. Es synchronisiert sich per Bluetooth mit dem Smartphone und gewährt somit auch von unterwegs einen problemlosen und sicheren Zugang zum Internet. So bleibt man mit den sozialen Netzwerken in Kontakt und kann sich E-Mails und Textnachrichten während der Fahrt vorlesen lassen. Bedient wird das System während der Fahrt per Sprachsteuerung oder Multi Commander. Nicht alltäglich in dieser Klasse ist das ausfahrbare Head-Up- Display. Zwar handelt es sich um eine einfache Plastikscheibe, doch sind die Anzeigen gut lesbar und die Navigationshinweise liegen direkt im Blickfeld. Leider ist dieses Gimmick nur für die Topversion Sports-Line verfügbar.

Mit zahlreichen Assistenten und einem findigen Connectivity-System lässt sich der Mazda CX-3, je nach Geldbeutel, über den Klassenschnitt aufrüsten. Das gilt auch für die Inneneinrichtung.
Mit zahlreichen Assistenten und einem findigen Connectivity-System lässt sich der Mazda CX-3, je nach Geldbeutel, über den...Foto: Hersteller

Punkten kann der Mazda CX-3 vor allem mit seinen umfangreichen Fahrerassistenzsystemen wie elektronische Abstandsregelung, automatischer Notbremsassistent und elektronischer Hilfe bei der Spurführung. Alles natürlich eine Frage von Ausstattungsniveau und Aufpreis. Als erster Mazda im Kompakt-Segment erhält der CX-3 die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit radargestützter Distanzregelung Mazda Radar Cruise Control (1300 Euro Aufpreis, nur Sports-Line Ausstattung). Sie erfasst mittels Radar vorausfahrende Fahrzeuge und hält durch die automatische Steuerung von Geschwindigkeit und Bremse einen sicheren Abstand. Das System sorgt vor allem bei Autobahnfahrten für mehr Komfort und Sicherheit und funktioniert zwischen 30 und 200 km/h, selbst bei eingeschränkten Sichtbedingungen.

Sechsstufenautomat und elektronisch geregelter Allradantrieb

Wir sind das Top-Modell gefahren, für das sich laut Mazda gut ein Drittel der Käufer entscheiden soll: den Mazda CX-3 D 105 Skyactiv-Drive – mit brandneuem 1,5-Liter-Diesel, neuer Sechsstufenautomatik von Aisin sowie elektronisch geregeltem Allradantrieb. Der Wagen kostet zwar 28 190 Euro, besitzt dafür aber eine Komplettausstattung. Bis hin zu Voll- LED, Digital-Radio und Spurhalteassistent. Der Allradantrieb stammt aus dem größeren CX-5. Um den jeweils aktuellen Drehmomentbedarf an Vorder- und Hinterachse zu bestimmen, beurteilt dieses Allradsystem die Fahrsituation rund 200 Mal pro Sekunde. Dazu werden die Informationen von Sensoren herangezogen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Parameter überwachen: etwa Rad- und Motordrehzahl, Längsbeschleunigung, Schalthebelposition, elektrische Servolenkung und selbst die Aktivität der Scheibenwischer. Auf Basis dieser Daten verteilt die aktive Drehmomentsteuerung die Antriebskraft automatisch zwischen Vorder- und Hinterachse. Die Hinterräder werden nur dann angetrieben, wenn dies wirklich erforderlich ist. Dies trägt zum Spritsparen bei.

Das Zeug zum Bestseller hat das Mini-SUV an Bord. Ob sich der Mazda CX-3 in diesem hat umkämpften Segment durchsetzen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Das Zeug zum Bestseller hat das Mini-SUV an Bord. Ob sich der Mazda CX-3 in diesem hat umkämpften Segment durchsetzen kann, wird...Foto: Hersteller

Der Diesel besitzt serienmäßig das Start-Stopp-System i-stop, welches die beim Bremsen zurückgewonnene Energie in einem Kondensator speichert und für die weltweit schnellsten Neustarts von Dieselmotoren sorgt. Überdies erfüllt der 105 PS starke und mit 270 Newtonmeter Drehmoment durchzugsstarke Selbstzünder auch ohne aufwendige Abgasnachbehandlung die Euro-6- Abgasnorm. Der Diesel agiert leise, aber mit Nachdruck. Er erlaubt eine souveräne Fortbewegung, welche weit über das normale Fahrniveau eines kleinen SUV hinausgeht. Die ausgeschlafene Automatik schaltet weich und situationsgerecht. Dank schlauem Allradsystem fährt der Kleine auch durch Kurven fast wie auf Schienen. Das gut abgestimmte Fahrwerk findet die Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit. Dabei wird es unterstützt von einer präzisen Lenkung, die unauffällig und exakt arbeitet. Wir kamen bei keineswegs geruhsamer Fahrweise auf einen Schnitt von 5,9 Litern, nur 0,7 Liter über der Normangabe. Je länger man mit dem Mazda CX-3 unterwegs ist, desto mehr verfestigt sich der Eindruck: Dieses Auto macht einfach einen Heidenspaß.

Ab 19. Juni soll der Beau aus Hiroshima den deutschen SUV-Markt aufmischen. Für einen möglicherweise noch größeren Erfolg als beim größeren CX-5 könnten sich die Japaner nur selbst im Wege stehen. Zum Beispiel mit ihrer beim Mazda CX-3 überschaubaren Motorenpalette und ihrer Modellpolitik. So ist der 120-PS-Benziner nur mit Frontantrieb lieferbar (ab 17 990 Euro), der 150-PS-Benziner hingegen nur mit Allradantrieb (erst ab 24 690 Euro und damit viel teurer). Dieselfahrer, für die es derzeit nur die 105-PS-Maschine gibt (ab 21 990 Euro), haben jedoch die Wahl zwischen Front- und Allradantrieb (Aufpreis 1800 Euro). Dafür lässt sich die sehr empfehlenswerte Sechsstufenautomatik für alle Versionen für vergleichsweise günstige 1600 Euro Aufpreis ordern.

Der Kleine hat im Reigen der Mini- SUV sicher das Zeug für einen Erfolg: attraktives Design, nützliche Fahrerassistenzsysteme, sparsame Motoren, fröhliches Fahrwerk, sehr gute Verarbeitung. Diese Kombination bieten nicht viele in dieser Boom-Klasse. Und so könnte der CX-3 über kurz oder lang sogar seinen größeren Bruder CX-5 als Erfolgstypen ablösen. Bereits 1800 Leute haben weit vor dem Verkaufsstart blind einen CX-3 bestellt. Für 2016 rechnet Mazda mit gut 20 000 Verkäufen.

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