Vorstellung Mazda CX-5 : Der bessere Tiguan

Der CX-5 ist zwar spät dran, aber Mazda sammelt mit dem Kompakt-SUV trotzdem Punkte. Ganz nach VW-Manier will man das Feld von hinten aufrollen. Das Potenzial dazu hat das Modell.

von
Spät kommen, dick abräumen - Dieses Motto verfolgt sonst Volkswagen. Mit dem CX-5 versucht sich nun auch Mazda daran.
Spät kommen, dick abräumen - Dieses Motto verfolgt sonst Volkswagen. Mit dem CX-5 versucht sich nun auch Mazda daran.Foto: Hersteller

Bislang war diese Taktik eine VW-Spezialität. Erst mal abwarten, die Konkurrenz sondieren, das Beste von der in die eigene Entwicklung übertragen – und dann ein Produkt herausbringen, das vom Start an vieles besser kann als die anderen. VW kam beim Tiguan 2007 zwar spät in die Puschen, aber dann mit Schmackes. Heute ist dieses Modell einsamer Spitzenreiter bei den beliebten kompakten SUV: 45.000 Zulassungen in 2011. Auf Platz zwei folgt der Nissan Quashqai.

Und nun startet dieses Wochenende der Mazda CX-5 – mit gewaltigen Vorschußlorbeeren: Bereits 4400 Menschen haben ihn bestellt, ohne je damit gefahren zu sein, geschweige denn einmal im Auto gesessen zu haben. Allein diese Blindbestellungen machen 50 Prozent des Planziels für 2012 aus! Mazda macht mit dem CX-5 einen radikalen Schnitt: Dieses Auto ist wie kein anderer Mazda zuvor, und deshalb soll er eine neue Ära einleiten. "Am Anfang war ein weißes Blatt Papier", sagt Hideaki Tanaka, der Projektmmanager. Will heißen: Dieses Auto ist keine Weiter- sondern eine komplette Neuentwicklung.

Fürstliche Bedingungen im Fond

Skyactiv nennt Mazda, das neue Konstruktionsprinzip, mit dem der CX-5 mit konventionellen Mitteln leicht, sparsam, handlich und günstig werden sollte. Diese Aktion ist gelungen. Der CX-5 ist jeweils ein paar Zentimeter größer als der haargenau angepeilte Hauptkonkurrent VW Tiguan. Vor allem der zehn Zentimeter längere Radstand des 4,56 Meter langen SUV zahlt sich aus: Im Fond herrschen fürstliche Bedingungen. Das Kofferraumvolumen (503 bis 1620 Liter) übertrifft das des VW Tiguan beträchtlich: 470 bis 1510 Liter. Trotz seiner Größe ist der Mazda ein Leichtgewicht: Ganze 1345 Kilo wiegt der Basis-Fronttriebler, gut 100 Kilogramm weniger als ein Tiguan. Sogar ein fünftüriger VW Golf ist gut 70 Kilogramm schwerer.

Gediegen: Im Innenraum hat sich Mazda viel Mühe gegeben. Nur die Außenspiegel machen ungewöhnliche Geräusche.
Gediegen: Im Innenraum hat sich Mazda viel Mühe gegeben. Nur die Außenspiegel machen ungewöhnliche Geräusche.Foto: Hersteller

Dennoch macht der Japaner einen sehr soliden Eindruck. Außen wie innen. Das hochwertige Cockpit verzichtet dankenswerterweise auf Spielereien anderer Hersteller, konzentriert sich aufs Wesentliche: gute Ablesbarkeit, ordentliche Ergonomie. Man sitzt hoch, wohlig umschlossen von straffen, komfortablen Sitzen, und man hat gute Sicht nach vorn. Hinten ist der Ausblick eher mau. Neu ist der in der Mittelkonsole platzierte Drück-Drehschalter, mit dem sich viele Funktionen von Navi und Infotainment steuern lassen. BMW und Audi lassen grüßen.

Benziner ist die Überraschung

Die Triebwerke verwirren zunächst mit einer Eigenheit, die man sich bei Mazda derzeit noch nicht richtig erklären kann: Nach dem Start drehen sowohl Diesel als auch Benziner erstmal auf 1200 Touren hoch, ehe sie sich nach gewisser Zeit beruhigen und auf normale 800 Umdrehungen pro Minute Leerlaufdrehzahl zurückgehen. Dann aber laufen sie astrein – und machen Spaß. Wie das gesamte Auto, das VW Tiguan, Ford Kuga und Co keinen Spaß bereiten dürfte. Der Benziner (ohne teure Turbotechnik) ist für uns die große Überraschung. Leise, ausreichend leistungswillig auch bei niedrigeren Touren, und bei höheren keineswegs vorlaut. Ein harmonischer, unaufgeregter Motor. Es geht also auch ohne Downsizing. Bei den Dieselmotoren, die sich beide sehr niedertouring bewegen lassen, überzeugt der "kleinere" mehr. Er arbeitet einen Tick kultivierter, und nur ihn gibt es auch als Fronttriebler, der sich mit 4,6 Litern begnügen soll.

In der Stadt arbeitet das serienmäßige Start-Stopp-System blitzschnell und unauffällig. Besser als das im VW Tiguan. Und die Sechsgang-Handschaltung erinnert an den Roadster MX-5. Knackig flutscht der kurze Schalthebel in die nächste Gasse, ganz lässig aus dem Handgelenk bewegt. So locker-flockig schaltet sich kein anderer SUV! Und so angenehm wie er benimmt sich auch kein anderer. Da geht das neue Konzept voll auf, und da haben die Japaner sehr aufmerksam nach Wolfsburg geschaut.

Beide Motoren heulen zwar beim Start unerklärlicherweise auf, schlagen sich aber in der Praxis sehr gut.
Beide Motoren heulen zwar beim Start unerklärlicherweise auf, schlagen sich aber in der Praxis sehr gut.Foto: Hersteller

Auch was Komfort und Handling betrifft. Mit seiner direkt ausgelegten Lenkung zieht er willig in die Kurve, durchfährt sie sauber und neigt sich auch bei schnellerer Gangart nur wenig zur Seite. Dennoch bügelt er Flickenteppiche etwas geschmeidiger glatt als der Konkurrent von VW. Aber Nobody ist perfekt; und so muss Mazda bereits zur Markteinführung eine nicht unwichtige Feinjustierung vornehmen: Beide Außenspiegel flattern störend bereits bei Geschwindigkeiten um 100 km/h. Wieso ist dieser Mangel den hauseigenen Testfahrern im Vorfeld eigentlich nicht aufgefallen?

Finden Sie Ihren Mazda im Automarkt bei Tagesspiegel.de

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

10 Kommentare

Neuester Kommentar