Vorstellung Mazda MX-5 : Komm, lass uns spielen

Der neue Mazda MX-5 hat ordentlich abgespeckt und arbeitet in seinem Fahrverhalten noch präziser. Ein pures Roadster-Vergnügen, was der kleine Japaner da bietet.

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Purist unter den Roadstern: Der Mazda MX-5 hat das zweisitzige Cabrio bezahlbar gemacht, was dem Modell bereits zur großen Ehre gereicht.
Purist unter den Roadstern: Der Mazda MX-5 hat das zweisitzige Cabrio bezahlbar gemacht, was dem Modell bereits zur großen Ehre...Foto: Hersteller

Das Jahr 1989 hielt zwei wichtige Ereignisse bereit: Als die Mauer in Deutschland nach 28 Jahren über Nacht durchlässig wurde, debütierte der damals völlig neuartige Mazda MX-5. Vergleichbares gab es kaum. Heute ist der MX-5 Kult. Er hat sich zum beliebtesten offenen Sportwagen der Welt gemausert. Fast eine Million MX-5 wurden seit 1989 weltweit verkauft. Viele Autobauer eiferten seinen Prinzipien im Laufe der Zeit nach: Mercedes mit dem SLK, Audi mit dem TT, BMW mit dem Z4, Fiat mit dem Spider 124 Barchetta, ja selbst Porsche mit dem Boxster.

Obwohl die Zeit der Cabrios und Roadster mittlerweile abgelaufen zu sein scheint, halten die Japaner am Offenfahren fest. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem ersten MX-5 enthüllte Mazda im Frühjahr 2015 in Barcelona, Tokio und im kalifornischen Monterey zeitgleich die vierte Generation des MX-5 mit großem Pomp. Motto: Seht her, der Roadster lebt weiter! Ein offenes Auto, zumeist ohnehin nur Zweitwagen, holt man normalerweise im Frühjahr aus der Garage. Doch Mazda ließ die Fans zappeln. Der Neue startete nicht, wie die Fans hofften, im Frühsommer. Er kommt nun erst am 12. September auf den deutschen Markt.

Neuer Mazda MX-5 wurde zehn Zentimeter kürzer

Das Auto macht was her. In der breiten, scharf geschnittenen Front blitzen nun serienmäßig schmale LED-Scheinwerfer auf, und die Kotflügel schwellen sinnlich aus dem Körper heraus. Nach vorn schaut man auf gewölbte Kotflügel, mit denen man, wie bei Porsche, Kurven exakt anvisieren kann. Und das Auto wirkt durch diese schwungvolle Aussicht viel stämmiger als es seine um zwei Zentimeter auf nun 1,74 Meter gewachsene Breite erwarten lassen. Dieser Blick nach vorn ist eine Freude.

Dabei hat der Neue an Knackigkeit gewonnen, ist um zehn Zentimeter auf 3,92 Meter geschrumpft. Trotz des von 150 auf 130 Liter reduzierten Volumens ist das Gepäckabteil nun 3,5 Zentimeter länger und 3,6 Zentimeter breiter. Zwei Bordtrolleys passen immerhin rein. Außerdem sitzt der Schwerpunkt des Auto weiter unten als beim Vorgänger, und der Fahrersitz wurde nach hinten und um zwei Zentimeter nach unten verlegt, so dass man jetzt fast vor den Hinterrädern sitzt, im Zentrum des Autos agiert und der Straße noch näher ist. Trotz des kürzeren Radstands haben Füße und Beine nicht weniger Platz. Der guten Form halber und der Gewichtsbalance zuliebe sind die A-Säulen um sieben Zentimeter nach hinten gewandert, die hintere Kante des Verdecks dafür um zwei nach vorne. Das Stoffdach über den Passagieren ist knapper denn je. Der MX-5 der vierten Generation ist noch konsequenter als die Vorgängermodelle dem offenen Purismus verpflichtet. Nichts soll die pure Lust an der Luft, am Spiel mit dem Wind behindern.

Leergewicht des Mazda MX-5 unter einer Tonne

Schon die bisherigen MX-5-Generationen waren ja Fliegengewichte unter den Roadstern. Nur die letzte, die dritte Generation hatte etwas Speck angesetzt. Der ist jetzt weg. In der Basisversion hat der MX-5 immerhin 82 Kilogramm abgenommen, so dass das Leergewicht ohne Fahrer jetzt weniger als eine Tonne beträgt. Die Diät im Detail: Karosserie um 20 Kilogramm abgespeckt, Motor um 18 Kilogramm, Getriebe um sieben Kilogramm, Sitze um acht Kilogramm.

Das Cockpit des Mazda MX-5 ist klar auf das Wichtigste ausgerichtet, das Fahren. Platz gibt es definitiv nur für zwei Personen.
Das Cockpit des Mazda MX-5 ist klar auf das Wichtigste ausgerichtet, das Fahren. Platz gibt es definitiv nur für zwei Personen.Foto: Hersteller

Das Kunststoff-Klappdach, welches bei der dritten Vorgängergeneration ab 2006 angeboten wurde, hat vorerst ausgedient. Das puristische Faltverdeck aus Stoff lässt sich - natürlich ohne elektrische Hilfe - so leicht wie ein Regenschirm öffnen. Öffnerhebel drehen, entriegeln, Stoffkappe zurückwerfen, hinten einklinken, nachdrücken, fertig. Dazu muss man nicht mal aussteigen. Geübte schaffen dies in wenigen Sekunden. Und das Schließen? Klappt ebenso fix. Verdeck per Hebel entriegeln, dann springt es automatisch etwas hoch und lässt sich leicht über den Kopf ziehen. Ebenfalls ohne aussteigen zu müssen. Und noch etwas ist besser geworden: Die neue Stoffmütze ist ab zweiter Ausstattungsstufe dicker und dämmt den Innenraum hörbar besser als der ehemalige dünne Stofflappen. Keiner dürfte also das Plastik-Klappdach vermissen.

Sauger im Mazda MX-5 macht Freude

Die neue elektromechanische Lenkung arbeitet sehr präzise und ist ein wichtiger Garant für Spaß an der luftigen Freude. Die Schaltung mit dem Joystick-artigen Hebel erweist sich als konkurrenzlos knackig. Und die perfekte Gewichtsverteilung von 50:50 ermöglicht es, dieses hinterradgetriebene Leichtgewicht mit kundiger Hand und sensiblem Gasfuß präzise zu steuern. Die Leistung steht bei diesem Leichtgewicht nicht im Vordergrund. Zum Start gibt es eine 1,5-Liter-Maschine mit 131 PS (204 km/h, 8,3 Sekunden von Null auf Tempo 100, 6,0 Liter/100 km) und sowie eine Zweiliter-Variante mit rund 160 PS (214 km/h, 7,3 Sekunden von Null auf Tempo 100, 6,9 Liter/100 km).

Mit einem Einstiegspreis von 22 990 Euro bleibt auch der neue Mazda MX-5 noch bezahlbar. Mehr Fahrspaß in einem Cabrio ist für das Geld kaum zu bekommen.
Mit einem Einstiegspreis von 22 990 Euro bleibt auch der neue Mazda MX-5 noch bezahlbar. Mehr Fahrspaß in einem Cabrio ist für das...Foto: Hersteller

Wir sind beide gefahren. Die sehr hoch verdichteten Sauger erfreuen einen mit ihrem kernig-sonoren Klang, der nicht sofort an einen schnöden Vierzylinder denken lässt. Der Sound ist stets präsent, wird aber nie aufdringlich, so wie in einem Porsche Boxster. Ihre schöne lineare Kraftentfaltung macht sowohl gemütliches Gleiten als auch flottes Heizen gleichermaßen zum Vergnügen. Der Leistungsunterschied zwischen beiden offenbart sich eigentlich nur beim Herausbeschleunigen aus Kurven und bei Überholvorgängen. Mit Verbräuchen laut Bordcomputer von 7,2 (160 PS) und 6,3 (131 PS) arbeiten sie sehr sparsam. Wir lehnen uns jetzt weit aus dem Fenster: Die kleine Maschine reicht vollkommen aus für das Glück, oben ohne und ohne PS-Orgie glücklich zu sein. Dafür mit Drehzahl-Orgien: Änderungen an Nockenwelle und beweglichen Teilen haben das Drehzahllimit auf 7500 Touren angehoben. Der Vierzylinder dreht freudvoll hoch. Wo findet man eine solch erfrischende Drehfreudigkeit noch im Zeitalter kleinvolumiger Turbos?

Aufmerksames ESP als Anker

Wegen der beeindruckenden Handlichkeit des neuen MX-5 – vor allem in der 160-PS-Version mit dem optionalen rattenscharfen Bilstein-Fahrwerk – ist allerdings Vorsicht vor Selbstüberschätzung geboten: Was wird dieses Fahrwerk wohl am Limit machen? Falls man das nicht auf einer Rennstrecke vorsichtig ertasten kann, erfährt man diesen hoch angesiedelten Grenzbereich im normalen Alltag garantiert nicht. Und das ist gut so. Zum Glück ist das sehr gut abgestimmte Fahrwerk selbst die beste Versicherung. Und zu guter Letzt gibt es ja noch ein aufmerksames ESP als Anker.

Wer seinen Spieltrieb ausloten will, ertastet besser die Windstärken-Einflüsse in diesem Roadster: Komm lass uns miteinander spielen, möchte man dem MX-5 wie einem Lebewesen zurufen, so intensiv kann die „Unterhaltung“ mit ihm sein. Von leichter Fönwelle bis zur Sturmfrisur ist alles drin. Auch für weniger Geübte bringt das einen Heidenspaß.

Mazda MX-5 hat zwei Lautsprecher in de Kopfstützen

Die neue Federung erweist sich als Wohltat für die rückwärtigen Körperteile. Wurde die MX-5-Gemeinde früher auf schlechten Pisten schon mal kräftig durchgeschüttelt, so steckt der neue die fiesen Schläge recht gut weg. Er kann jetzt richtig federn, ohne gleich eine unpräzise Schlurre zu sein. Nein, da ist sie wieder, diese herrliche Präzision des leichten Ur-MX. Unverfälscht, rein, ehrlich. So was findet man nicht mehr oft.

Flacher und leichter: Mazda hat beim MX-5 an den Kerneigenschaften eines Roadsters gearbeitet.
Flacher und leichter: Mazda hat beim MX-5 an den Kerneigenschaften eines Roadsters gearbeitet.Foto: Hersteller

Der neue MX-5 muss natürlich auch mit der Zeit gehen. Also gibt es nun – Purismus hin oder her – je nach Ausstattung allerlei Elektronik und Entertainment. So einen digitalen DAB-Radiotuner und ein toll klingendes Bose-Soundsystem mit je zwei Lautsprechern in den Kopfstützen. Das Multimediasystem MZD Connect, welches ab mittlerer Ausstattungslinie Center-Line im Mazda MX-5 einzieht, verfügt über ein Siebenzoll-Farb-Touchscreen-Display. Das sitzt, wie bei den anderen neuen Mazdas, oben auf der Armaturentafel. Doch im Roadster wirkt es hier wie ein Fremdkörper. Hinzu kommt, dass der Controller, mit dem es bedient wird, so ungünstig platziert ist, dass er mit dem attraktivsten Teil des Roadsters kollidiert: dem Schaltknubbel. Wer mit dem knackigsten Hebel aller gegenwärtigen Serienautos Gänge aus dem Handgelenk wechselt, kann mit dem Unterarm ungewollt im Bordmenü für Unordnung sorgen - und ärgert sich.

Hinzu gesellen sich Fahrerassistenzsysteme zum Spurhalten, zum Auf- und Abblenden der serienmäßigen LED-Scheinwerfer, und sogar beim Parken wird einem inzwischen geholfen.

Start bei 35 500 Euro

Und die Preise? 1989 stand der erste MX-5 mit 35 500 DM in der Preisliste. Die umgerechnet 18 151 Euro entsprechen heute fast 27 000 Euro. Der neue MX-5 startet mit 131 PS für nur 22 990 Euro. Die 160-PS-Version beginnt bei 26 890 Euro, dann unter anderem mit Ledersitzen. Und selbst die Topversion Sportsline bleibt mit 27 490 Euro noch im erträglichen Bereich.

Doch es sind gegenwärtig keine guten Zeiten für Roadster und Cabrios. Ihre Zahl ist weltweit rückläufig. Viele kleine bezahlbare Cabrios, wie die von Peugeot, wurden eingestellt. Doch mit dem neuen Mazdas MX-5 könnte durchaus Schwung in die eher trübe Szenerie kommen. Spielzeuge – auch für Große – üben ja zu jeder Zeit ihren Reiz aus, wenn sie gut gemacht sind und den Spieltrieb anstacheln. Der neue MX-5 kann das. 30 000 Exemplare will Mazda im nächsten Jahr weltweit absetzen, 10 000 in Europa und davon 3000 hierzulande. Das ist eine Ansage.

Und ein weiterer Roadster ist schon in Sicht. Elf Jahre nach dem Ende des Fiat Barchetta bringen die Italiener wieder einen kleinen 124 Spider. Und zwar auf technischer Basis des Mazda MX-5! Neue Unterstützung taucht zudem aus einer Ecke auf, an die vor Jahren noch nicht einmal Verrückte dachten: Nächstes Jahr wird Range Rover auf Basis des sehr erfolgreichen Evoque das erste SUV-Cabrio auf den Markt bringen. Und auch Citroen wird vom frechen Cactus eine ulkige Cabrio-Version bringen. Es kommt also doch Bewegung in den totgesagten Cabrio-und Roadster-Markt.

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