Vorstellung Mercedes GLC : Für den Boulevard leuchtet der Stern

Ein echter Kerl ist der neue Mercedes GLC. Mit aufwendiger Geländetechnik ausgestattet würde er die meisten Offroad-Parcours mit Bravour bestehen. Doch meistens flaniert er wohl auf dem Boulevard.

Kai Kolwitz
Rundlich geworden, aber nicht weichgespült: Mercedes betont besonders die ausgeprägten Offroad-Fähigkeiten des neuen GLC. Aber auch der GLK-Nachfolger wird selten wirklich abseits der Straßen bewegt werden.
Rundlich geworden, aber nicht weichgespült: Mercedes betont besonders die ausgeprägten Offroad-Fähigkeiten des neuen GLC. Aber...Foto: Hersteller

So ändern sich die Zeiten. Den Vorgänger des GLC hatte Mercedes noch von der lebenslustigen Samantha in „Sex and the City“ als fahrende Einkaufstasche präsentieren lassen. Bei der neuen Version des mittleren SUV der schwäbischen Autobauer gibt man sich dagegen viel Mühe, die Offroad-Eigenschaften des Mercedes GLC herauszustellen.

Bei der Präsentation hat man eigens einen kleinen Parcours in die elsässischen Weinberge bauen lassen. Auf dem überwindet der Mercedes GLC schwindelerregende Steigungen. Er steht an Gefällen still, bei denen man denkt, dass allein die Physik den Wagen den Hang herunterrutschen lassen müsste. Und auf Pisten mit tiefen Löchern zeigt er, dass so ein Wagen auch dann noch weiterkommt, wenn zwei Räder gerade keinen Bodenkontakt mehr haben. Das ist sehr beeindruckend. Und irgendwie auch tragisch. Denn kaum ein Käufer wird ihm jemals so viel abfordern, wie in ihm steckt. Aber andererseits kaufen Menschen ja auch polartaugliche Outdoorjacken, um sie ausschließlich zum Brötchenholen zu verwenden.

Mercedes GLC in allen Dimensionen gewachsen

Außerdem ist die Kraxeltauglichkeit nicht die einzige Stärke ist, die der Mercedes GLC vorweisen kann. Eine weitere wäre: jede Menge Platz. Gegenüber dem eckigen Vorgänger GLK ist der weicher geformte Neue in fast allen Dimensionen gewachsen, in der Länge zum Beispiel um 12 Zentimeter auf jetzt 4,66 Meter.

Der Lohn ist ein Innenraum, der fast schon weitläufig wirkt und in dem Erwachsene auch auf der Rückbank aufrecht und auch auf Langstrecken bequem mitfahren können. Auch der Kofferraum ist mit 550 Litern großzügig - zumal sich die Rückbank natürlich geteilt umlegen lässt und dann noch einmal mehr Platz zur Verfügung steht.

Wilde Material-Zusammenstellungen für Mercedes GLC möglich

Die Verarbeitung wirkt edel, allerdings ist bei der Auswahl von Farben und Oberflächen ein gutes Auge gefragt. Denn da sich beim Mercedes GLC vieles miteinander kombinieren lässt, kann man auch ziemlich wilde Zusammenstellungen an Material zusammenbuchen - mattes Holz plus Alu plus andersfarbiges Leder mit noch mal anders abgesteppten Türverkleidungen, das ist schon ziemlich heftig.

Das Interieur wurde der aktuellen Designlinie der Daimler-Pkw angepasst. So ist auch der Mercedes GLC innen sehr hochwertig auszustatten. Das entsprechende Budget vorausgesetzt.
Das Interieur wurde der aktuellen Designlinie der Daimler-Pkw angepasst. So ist auch der Mercedes GLC innen sehr hochwertig...Foto: Hersteller

Aber damit genug von außen in das Auto hineingeguckt. Wie fährt Mercedes' Neuer denn eigentlich? In erster Linie ist der Mercedes GLC ein komfortabler Reisewagen. Er gleitet dahin, zieht in allen Motorvarianten gut durch. Er rollt weich ab und Geräusche von draußen dringen nur sehr gefiltert in den Innenraum. Die neu entwickelte Neun-Gang-Automatik tut dazu ihr Übriges.

Lenkung arbeitet präzise und leichtgängig

Zumindest dann, wenn man reist und keine Rallye fährt. Denn wenn es doch mal schnell gehen soll, dann wäre bei der Steuerung der Schaltvorgänge noch Luft nach oben. Wenn volle Beschleunigung gefragt ist, dann scheint sich der Automat im Komfortmodus fast zu erschrecken: er schaltet erst drei Gänge runter, dann sofort wieder einen hoch, das ist ein wenig rucklig. Wählt man stattdessen die „Sport“-Schaltcharakteristik, dann erledigt das Getriebe solche Übungen zwar eleganter und spontaner, dafür wollte es aber zumindest in unserem Testwagen auf der Landstraße partout nicht über die fünfte Fahrstufe hinaus hochschalten. So rollt man dann mit 3500 Umdrehungen dahin und ist bereit für die nächste Kurve, die nicht kommt.

Käme sie dann doch, könnte man sie allerdings ausgesprochen zügig nehmen. Mercedestypisch ist die Lenkung sehr leichtgängig und lässt sich genau zirkeln.

Die Ladekante des Mercedes GLC recht hoch geraten, was bei SUVs ein Stückweit bauartbedingt ist. Ansonsten kann der Stuttgarter aber auch mit Nutzwert glänzen.
Die Ladekante des Mercedes GLC recht hoch geraten, was bei SUVs ein Stückweit bauartbedingt ist. Ansonsten kann der Stuttgarter...Foto: Hersteller

Zum Start im September bietet Mercedes den GLC mit drei Motoren an: als 220d und 250d mit 170 beziehungsweise 204 Diesel-PS sowie als 250er Benziner, der 211 Pferdestärken anzubieten hat. Zum Jahresende kommt dann noch ein Plug-in-Hybrid mit beeindruckenden 320 PS Systemleistung hinzu. Allerdings auch mit einem 150 Liter kleineren Kofferraum.

Grundpreis von rund 45 000 Euro für Mercedes GLC

Bei den Testfahrten machte der Benziner den leichtfüßigsten Eindruck, für die Diesel spricht dagegen der Verbrauch: mit je 5,5 Liter auf 100 Kilometer gibt Mercedes die beiden Motoren an, allerdings ergab unsere Testfahrt Werte um acht Liter. Beim Benziner war das Bild ähnlich: 7,1 Liter Normverbrauch gegenüber etwa zehn auf der (natürlich ganz individuellen) Testrunde.

Die verschiedene Fahr-Modi des Mercedes GLC sind eher für die Straße gedacht. Für das Gelände stehen weitere Offroad-Programme zur Verfügung. Mechanisch geht hier nichts mehr. Wie schon beim Vorgänger wird alles elektronisch geregelt.
Die verschiedene Fahr-Modi des Mercedes GLC sind eher für die Straße gedacht. Für das Gelände stehen weitere Offroad-Programme zur...Foto: Hersteller

A propos Geld: Wer Mercedes GLC fahren will, der muss dafür mindestens 44 506 Euro ausgeben. Dafür gibt es den Benziner, die beiden Diesel kosten 44 863 und 46 410 Euro. Dafür ist die Serienausstattung so, dass man wenig vermisst: Das Modell kommt immer mit Automatik, Allrad, Klimaautomatik, Tempomat, einstellbaren Dämpfern und diversen Assistenten. Unter anderem sind Müdigkeitswarner, Brems- und Seitenwindassistent immer an Bord.

Für USA und China leucht auch der Stern des Mercedes GLC

Für das Plus an Komfort ist der Mercedes GLC in allen Dimensionen gewachsen, was sich positiv im Innenraum bemerkbar macht.
Für das Plus an Komfort ist der Mercedes GLC in allen Dimensionen gewachsen, was sich positiv im Innenraum bemerkbar macht.Foto: Hersteller

Wer noch mehr will, der kann ein Zusatzpaket für den Mercedes GLC dazu buchen, das Fußgängererkennung, Kreuzungsassistent, Totwinkelwarner und einen Helfer bietet, der den Wagen im Stop-and-Go entlang der Fahrbahnmarkierungen automatisch durch den Stau steuert, 2500 Euro sind dafür anzulegen. Auch Head-up-Display (1178 Euro), LED-Licht (1725 Euro), Keyless Go (ab 199 Euro), Rückfahrkamera (476 Euro) oder selbstständiger Einparker (1225 Euro) machen das Leben im GLC schöner. Wer gern Musik hört, sollte nicht vergessen, die Anschlüsse für iPod und Micro-USB mitzubuchen, die sich Mercedes mit 59,50 Euro extra bezahlen lässt. Und wer es kuschelig mag, wählt Ambient Light in vielen verschiedenen Farbtönen (261 Euro).

Allerdings wird mit der Zahl der Extras auch die Bedienung komplexer. Vieles wird via Touch-Pad konfiguriert, in den Untermenüs findet man die erstaunlichsten Konfigurationsmöglichkeiten, etwa für Fahrwerk oder Beleuchtung. Allerdings findet sich deshalb manchmal erst im dritten Versuch das, was man sucht.

Die USA und China, so sagt das Marketing von Mercedes, gehören zu den wichtigsten Märkten für den neu entwickelten GLC. Und vielleicht hat man ja auch mit Blick auf die neuen Reichen dort ein weiteres Extra entwickelt, das der Prospekt fast verschämt unter „ferner liefen“ versteckt. Den Stern am SUV gibt es auch beleuchtet - macht 309 Euro, bitteschön.

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