Vorstellung Mercedes V-Klasse : Aller Laster Ende

Vom Nutzfahrzeug zum Luxusvan: Mercedes bringt die V-Klasse zurück - mit Innenraum und Fahrzeugtechnik, die so gar nichts mehr von einem Transporter an sich haben.

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Neue Mercedes V-Klasse: Längst kein Nutzfahrzeug mehr.
Neue Mercedes V-Klasse: Längst kein Nutzfahrzeug mehr.Foto: promo

Bulli? Na klar, das ist doch der VW T2, der VW Bus.  1950 begann die Serienproduktion; mittlerweile gibt es ihn in der fünften Generation. Millionenfach geliebt und bewährt.  Und ausgezeichnet: 1992 wurden der T4 und 2004 der aktuelle T5 zum "Van of the Year" gewählt. Und die ehemalige V-Klasse, die seit 2003 als Viano (Busversion) und Vito (Kastenversion) firmiert, was ist mit der? Die kennen nur wenige. Denn bislang gehörte sie im Daimler-Konzern zur Spezies der Nutzfahrzeuge; als Laster für die Handwerker oder als Shuttlefahrzeug. Kaum eine echte Konkurrenz für das allseits bekannte T-Modell von VW.

Das soll sich nun ändern, und darum ändert Mercedes seine Strategie. Mit der neuen Einordnung in die Personenwagensparte sowie der Rückbesinnung auf die alte Bezeichnung V-Klasse soll endlich aller Laster Ende sein. Seht her, die neue V-Klasse ist jetzt ein echter Mercedes-Personenwagen – nur eben der größte im Programm.

Blick nach Innen: Auf der Premiere des neuen Modells zeigte Mercedes viel Leder und gewohnt hochwertige Technik im Interieur.
Blick nach Innen: Auf der Premiere des neuen Modells zeigte Mercedes viel Leder und gewohnt hochwertige Technik im Interieur.Foto: dpa

Transportcharme adé

Entsprechend geklotzt wurde im Innenraum, welcher – nach einer ersten Sicht – so gar nichts mehr von einem Transporter an sich hat. Die Armaturentafel stammt im Grundlayout aus der neuen C-Klasse ab; die Drück- und Drehschalter kennt man ebenfalls aus A- und C-Klasse. Ebenso wie das neue Lenkrad sowie den bis zu 8,4 Zoll großen freistehenden berührungsempfindlichen Bildschirm, der so edel aussieht wie ein iPad. Dagegen wirkt nun der VW T5 wie ein Transporter.  Sogar Leder mit schicken Ziernähten kann der V-Klasse-Kunde (natürlich für viel Geld) für das Cockpit-Oberteil wählen. Transportcharme war gestern und ist heute vergessen.

Serienmäßig ist die V-Klasse im Fond mit vier wirklich sehr bequemen Einzelsitzen ausgerüstet, die sich vielfach neigen, klappen, verschieben, drehen und sogar ausbauen lassen. Bei einem Gewicht von gut 30 Kilogramm pro Sitz ist dies allerdings keine leichte Sache. Wer will, kann aber auch Dreierbänke ordern, wobei die dritte Reihe eine optionale Bettenfunktion bietet. Für die zweite Reihe ist ein optionales Tischmodul im Angebot. Was der Spaß im Einzelnen kostet, will Mercedes jedoch erst im März verraten.

Viel S-Klasse-Technik

Teuer dürfte es auf jeden Fall werden, denn – gemäß dem neuen Personenwagen-Luxus-Anspruch – gibt es nun in der V-Klasse vieles aus der S-Klasse. So automatischer Abstandstempomat auf Radarbasis, aktiver Einparkassistent, Verkehrsschilder-Erkennung, elektronisch geregelter Seitenwindausgleich, Müdigkeitswarner und eine Thermotronik-Klimatisierung sowie ein exzellentes Burmester-Soundsystem auf S-Klasse-Niveau. Erstmals wird – wie bei BMW – eine separat aufklappbare Heckscheibe angeboten. Und gegen Aufpreis öffnet die riesige Heckklappe elektrisch.

Für den Antrieb stehen nun nur noch drei Dieselaggregate zur Auswahl. Eigentlich handelt es sich lediglich um einen Selbstzünder, einen Biturbo-Vierzylinder mit 2,1 Liter Hubraum, der auch in der A- und S-Klasse eingesetzt wird. Es gibt ihn hier in drei Leistungsklassen: im V 200 CDI mit 136 PS und 330 Nm Drehmoment, im V 220 CDI mit 163 PS und 380 Nm Drehmoment sowie im vorläufigen Topmodell V 250 Bluetec mit 190 PS und 440 Nm Drehmoment.

Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche auf der Präsentation der neuen V-Klasse: Der Van soll noch stärker mit dem VW T5 konkurrieren.
Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche auf der Präsentation der neuen V-Klasse: Der Van soll noch stärker mit dem VW T5...Foto: dpa

Fragezeichen bei der Federung

Die beiden schwächeren Motoren werden serienmäßig mit einer Sechsgang-Handschaltung ausgerüstet; der Top-Antrieb erhält die bekannte, allerdings nicht immer optimal arbeitende Siebengangautomatik. In allen Versionen werden nur die Hinterräder angetrieben. Die Anhängelast beträgt, je nach Motorisierung, zwei bis 2,5 Tonnen und liegt damit im Klassendurchschnitt. Später sollen auch ein Allradantrieb sowie stärkere Motoren angeboten werden.

Blicken wir kurz zurück. Gegenüber dem VW T5 hatte der Mercedes Viano/Vito bislang einen spürbaren Nachteil: seine rustikale Federung. Wer schon einmal in diesem Personen-Laster mitgefahren ist, weiß, wovon die Rede ist. Nun darf Mercedes beim Nachfolger nicht den gleichen Fehler machen wie bei der neuen A-Klasse. Die ist nämlich im vergangenen Jahr mit viel zu straffer, ja geradezu harter Federung auf den Markt gekommen. Erst nach gut einem Jahr reagierten die Stuttgarter auf die heftige Kritik der Kundschaft – und machten ihren Neuling bandscheibenfreundlicher. Will man den erfolgreichen VW T5 ernsthaft angreifen, darf dies nicht noch einmal passieren. Der hat nämlich einen Komfort-Vorsprung. Noch?

Ab Ende Mai kann die neue V-Klasse gekauft werden; Bestellungen werden bereits ab 6. März entgegen genommen. Allerdings vorerst nur für die Langversion (5,14 Meter) zum happigen Preis von 42900 Euro. Die kompakte Version (4,90 Meter) und die extralange Version (5,37 Meter) folgen im Laufe des Jahres. Und binnen Jahresfrist startet der Nachfolger T6 von VW. Jetzt kommt also Bewegung in diese "neue" Klasse der Großraum-Limousinen. Wahrscheinlich jedoch auch bei den Preisen.

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