• Arbeitstier trägt jetzt Sonntagsfrack - Vorstellung: Der neue Mercedes Vito 2014 im Fahrbericht

Vorstellung Mercedes Vito 2014 : Arbeitstier trägt jetzt Sonntagsfrack

Mit der Neuauflage des Mercedes Vito will Daimler dem Platzhirsch VW T5 aus Wolfsburg weitere Marktanteile abnehmen. Dazu bedient er sich den guten Eigenschaften seiner Schwester, der Mercedes V-Klasse.

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Zeigt jetzt Nase: Der Mercedes Vito hat die Front seiner Schwester, der V-Klasse abbekommen. Das Nutzfahrzeug gibt es in drei verschiedenen Längen. Foto: promo
Zeigt jetzt Nase: Der Mercedes Vito hat die Front seiner Schwester, der V-Klasse abbekommen. Das Nutzfahrzeug gibt es in drei...Foto: promo

Sie sind klein, wendig und für die Stadt ebenso geeignet wie für den langen Autobahntransport: Kompakte Transporter sind beliebt bei Handwerkern, Kurierdiensten und auf der Baustelle. Anders als bei den großen Nutzfahrzeugen, wo der Sprinter von Mercedes den Markt beherrscht und Volkswagen mit seinem Crafter hinterher fährt - übrigens auf der gleichen Basis - kämpft der Mercedes Vito gegen die Caravellen und Transporter aus Wolfsburg den Kampf David gegen Goliath. Im vergangenen Jahr blieb der Vito mit 5557 Zulassungen auf einem bescheidenem Niveau, während sich Volkswagen über 32684 Anmeldungen freuen durfte. Das mochte man in Stuttgart so nicht hinnehmen und hat, nach dem Start der neuen V-Klasse als Oberklasse-Van nun auch die Allzweckwaffe Vito neu gelauncht.

Die Verwandtschaft mit dem schwäbischen Luxus-Bus, der in diesem Frühjahr auf den Markt stürmte und seither recht viele Lorbeeren einheimsen konnte, ist dem Mercedes Vito buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Vorne ragt die Nase nun hervor und fällt nicht mehr flach ab, die Scheinwerfer tragen LED-Tagfahrlichter. "Die Familienähnlichkeit zwischen Vito und Sprinter ist größer geworden", sagt Felix Braun vom Marketing und das hat den Mercedes Vito durchaus hübscher gemacht. Vom Luxus-Van bis zum großen Transporter haben die Mercedes-Nutzfahrzeuge wieder ein gemeinsames Gesicht.

Motorenpalette wird sukzessive auf Euro 6 umgestellt

Nun wird aber ein Nutzfahrzeug weniger an der Schönheit, als an knallharten Fakten gemessen. Und da hat Mercedes hart gearbeitet um den Branchenprimus endlich mal nachhaltig ein Bein stellen zu können. Braun drückt es so aus: "Ein Nutzfahrzeug muss verfügbar sein." Das würde jeder Gewerbetreibende bestätigen. Die Versicherer haben den Mercedes Vito zumindest schon mal ganz nett eingestuft. In der Teilkasko ist der Vito als 111 CDI beispielsweise um zwei Klassen heruntergestuft worden, bei der Vollkasko ist es eine Klasse. Auch die Service-Intervalle konnte Mercedes auf 40 000 Kilometer oder zwei Jahre nach oben schrauben. In der Summe sei "der neue Vito ein TCO-Champion", sagt der Projektleiter von Mercedes für den Vito, Klaus-Jürgen Benzinger. Diese "Total Cost of Ownership", also die Kosten, die ein Fahrzeug in der Summe beim Besitzer anhäuft, ist für kühle Rechner aus dem Gewerbe eine entscheidende Messgröße. Da spielt natürlich auch die Schadstoffklasse eine gewichtige Rolle. Hier fährt nur der stärkste Diesel mit 190 PS schon mit Euro 6 vor. Der Rest der Motorenpalette wird sukzessive nachgezogen.

Praktisch: Mit einem speziellen Zoom lässt sich die Rückfahrkamera auf die Anhängevorrichtung vergrößern. So sollte es für eine einzelne Person möglich sein einen Hänger zu koppeln. Foto: promo
Praktisch: Mit einem speziellen Zoom lässt sich die Rückfahrkamera auf die Anhängevorrichtung vergrößern. So sollte es für eine...Foto: promo

Zum Sparen hat sich Mercedes aber noch weitere Dinge einfallen lassen. Beispiel Navigationssystem: In der Vito-Baureihe wird nicht das superschicke, aber eben auch superteure Comand-System aus den Pkw-Baureihen angeboten. Vielmehr gibt es hier eine kostengünstigere Variante namens "Audio 15", die über ein 5,8 Zoll großes Display navigiert und unterhält. Vorteil: Das System ist schon für knapp 1000 bis zu 1300 Euro, je nach Modell, zu haben. Die Bestellraten seien bereits im Vorfeld deutlich nach oben gegangen, heißt es bei Mercedes.

88-PS-Diesel schlägt sich wacker

Auch auf der Antriebsseite hat Mercedes die Kosten gedrückt. Der Vito ist das einzige Nutzfahrzeug, das es wahlweise mit Heck- oder Frontantrieb geben wird. Im kommenden Jahr stößt auch noch der Allradantrieb dazu. Die Frontantriebsvarianten sind dann den kleineren Motorisierungen vorbehalten. Und hier stellt sich mit dem 109 CDI ein gänzlich neuer Antrieb vor. Der 88 PS starke Motor ist sozusagen das neue Zugpferd im unteren Preissegment für den Vito. Wir durften ihn als "Mixto" direkt zu einer ersten Probefahrt ausführen. Das Fahrzeug ist auf den Einsatz als Lieferwagen in der Stadt konzipiert. Fairerweise hat Mercedes auch gleich eine Last von geschätzten 100 Kilo ins Heck geschnallt und so musste der Vierzylinder-Common-Rail-Selbstzünder mit einem Hubraum von 1,6 Liter dann auch wirklich etwas schuften. Das hat er aber ganz ordentlich gemacht, wenngleich sich das Motörchen bei voller Ladung sicherlich noch mal schwerer tun dürfte. Mit einem Einstiegspreis von 21 408 Euro brutto für den Kastenwagen ist die Kombination die günstigste Variante, Mercedes Vito zu fahren.

Im Vergleich zu V-Klasse ist das Interieur des Mercedes Vito schlichter gehalten. Das Navigationssystem ist eine Sonderlösung, die im Vergleich zu den Navis aus dem Mercedes-PKW-Bereich deutlich günstiger ist. Foto: promo
Im Vergleich zu V-Klasse ist das Interieur des Mercedes Vito schlichter gehalten. Das Navigationssystem ist eine Sonderlösung, die...Foto: promo

Und das Fahren macht, dank der sehr direkt agierenden elektromechanischen Lenkung und dem ausreichend straffen Fahrwerk, auch Spaß. Letzteres ist bei den Kastenwagen-Versionen noch etwas strammer ausgelegt als bei den Personen-Transportern namens "Tourer". Hier wird ein Komfortfahrwerk verbaut, das auch mit einer anderen Dämpferkennung arbeitet. Und die verträgt sich auch mit stärkeren Motorisierungen, wie uns dann der Mercedes Vito 119 CDI auf kurviger Strecke bewiesen hat. Mit seinen 190 PS und 440 Newtonmeter (zwischen 1400 und 2400 Umdrehungen pro Minute) spielt dieser Motor natürlich in Sachen Agilität in einer anderen Liga als der 109 CDI mit seinen 230 Nm.

Der Mercedes Vito 109 CDI mit seinen 88 PS eignet sich vor allem für Gewerbetreibende, die eher selten aus der Stadt heraus fahren. Dafür bildet der neue Motor einen günstigen Einstieg in die Baureihe. Foto: promo
Der Mercedes Vito 109 CDI mit seinen 88 PS eignet sich vor allem für Gewerbetreibende, die eher selten aus der Stadt heraus...Foto: promo

Preisspanne für den Mercedes Vito bis zu 50 000 Euro

So günstig wie die Kastenwagen sind die Personentransporter oder die mit fünf Plätzen und verkürztem Frachtraum ausgestatteten Mixto freilich nicht. Der günstigste Tourer Base kostet mit dem kleinen Diesel mindestens 30 118 Euro mit kurzem Radstand, beim langen sind es 30 987 und beim extralangen 31 856 Euro. Die gut ausgestattete Tourer-Select-Variante kommt dann schon auf 39 757 Euro und wenn der 190-Diesel an Bord sein soll sind 50 456 Euro zu überweisen. Beim Mixto beginnt die Preisliste bei 28 809 Euro und erreicht 39 508 Euro für eine Basisversion.

Damit schlägt sich der Mercedes Vito im Preisvergleich mit dem Goliath Wolfsburg namens T5 Transporter in der Summe ganz ordentlich. Besonders, da mit dem kleinen Diesel nun auch das untere Preissegment abgedeckt wird. Und da sich der Neue auch bei den Fahreigenschaften, vor allem mit Heckantrieb, ebenfalls sehen lassen kann, könnte der Angriff mit dieser Modellgeneration erfolgreicher verlaufen. In Hannover, wo VW gerade eifrig am Nachfolger T6 arbeitet, dürfte man das Arbeitstier von Mercedes sicher ernst nehmen.

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