Vorstellung Mini Clubman : Aus Mini wird Maxi

Mini macht sich lang und geräumig. Der neue Kombi Clubman streckt sich mit 4,25 Metern in die Premium-Kompaktklasse.

Frank Wald
Aus Mini wird Maxi: Der Kombi Clubman macht mit seinem neuen Platzangebot sogar dem Audi A3 Sportback Konkurrenz.
Aus Mini wird Maxi: Der Kombi Clubman macht mit seinem neuen Platzangebot sogar dem Audi A3 Sportback Konkurrenz.Foto: Hersteller

Wie cool, sagten die ersten, als der Mini Clubman 2007 mit anderthalb Türen auf der Beifahrerseite und zweiflügeliger Hecktür vorgestellt wurde. Wie unpraktisch, fanden diejenigen, die sich tagein tagaus durch die gegenläufig öffnende halbe Tür rein und raus zwängen mussten. Und wie dumm, meinten die Briten, weil Fondpassagiere im Linksverkehr immer nur auf der „gefährlichen“ Seite aussteigen konnten. Auf vielfachen Kundenwunsch hat die BMW-Tochter den neuen Mini Clubman nun „erstmals an den Anforderungen der Kompaktklasse orientiert“. Soll heißen: Der Mini wurde zum Maxi. Schluss mit den Spleens.

Länge und Radstand sind nun auf 4,25 Meter, respektive 2,67 Meter gestreckt, das Gepäckvolumen ist deutlich vergrößert und die hinteren Passagiere dürfen künftig auf beiden Seiten ganz bequem durch gewöhnliche Türen einsteigen. Geblieben sind allein die schrulligen Split-Doors am Heck, die auf Wunsch nun auch berührungslos mit einem Schwenk unter der Heckschürze aufklappen (390 Euro), geschlossen aber weiterhin mit breitem Mittelsteg die Sicht im Rückspiegel behindern.

Neue Fahrprogramme sorgen im Mini Clubman für Go-Kart-Feeling

Dafür öffnen sie hinter den Rücksitzen richtig viel Raum, volle 360 Liter schluckt der Mini-Kombi nun. Exakt soviel wie Konzernkollege BMW 1er und kaum weniger als der Audi A3 (365 Liter). Wenn man die optional im Verhältnis 40:20:40 teilbaren Rücksitzlehnen (200 Euro) komplett umklappt, werden sogar 1250 Liter daraus. Das schafft nicht mal der Audi A3 Sportback (1220 Liter), für den der Mini-Kombi ein echter Rivale werden kann. Uns auch auf den Rücksitzen macht der Mini jetzt ordentlich Platz. Stolze 27 Zentimeter länger und neun Zentimeter breiter als der Fünftürer sowie zehn Zentimeter mehr Radstand ergeben ein ungewöhnlich geräumiges Ambiente und bequeme Bein- und Kniefreiheit. Allein überm Scheitel ist nicht allzu viel Luft.

Unverkennbar Mini: Das tellergroße Zentraldisplay und die charakteristischen Kippschalter wirken gewohnt verspielt, Materialien und Verarbeitung sind aber insgesamt noch hochwertiger geworden.
Unverkennbar Mini: Das tellergroße Zentraldisplay und die charakteristischen Kippschalter wirken gewohnt verspielt, Materialien...Foto: Hersteller

Das Interieur wirkt hochwertiger, wenngleich ebenso verspielt wie bisher, mit tellergroßen Zentraldisplay und den charakteristischen Kippschaltern darunter sowie über Kopf für diverse Funktionen wie Klimaanlage oder Panorama-Glasschiebedach (980 Euro). Neu ist ein Head-up-Display, das die aktuelle Geschwindigkeit, Navi-Hinweise oder Verkehrszeichen nicht in die Frontscheibe, aber auf eine ausfahrbare Scheibe projiziert. Nicht schön, aber es erfüllt seinen Zweck. Wenn auch mit 600 Euro extra nicht gerade billig. Zumal ein CD-Radio mit 6,5-Zoll-Bildschirm und Bluetooth-Anschluss (500 Euro) oder das Navi-System Professional mit 8,8-Zoll-Display, 3D-Grafik und Touchpad im Controller immer (2060 Euro) dazu geordert werden muss.

Dagegen fallen mit 180 bis 280 Euro die Mini Driving Modes kaum mehr ins Gewicht, machen aber unterwegs großen Spaß. Die Fahrprogramme „Green“, „MID“ und „Sport“ lassen sich durch einfachen Dreh an der Umrahmung der Schaltkulisse aktivieren. Spürbar werden anschließend Gasannahme, Lenkung und, falls eingebaut (500 Euro), auch die Dämpfer in aufsteigender Linie scharf gestellt. Damit stellt sich das Go-Kart-Feeeling auch mit der Langversion ein.

Der Mini Clubman macht Spaß, aber hat seinen Preis

Immer vorausgesetzt, man hat den richtigen Motor gewählt, von denen je drei als Diesel und Benziner angeboten werden. Topmodell und Powerpack schlechthin auch hier der Cooper S mit dem 192 PS/141 kW starken Vierzlinder-Direkteinspritzer-Turbo, der den Wagen leichtfüßig durch Stadtgewusel und Kurvenparcours treibt. In knapp sieben Sekunden ist der Wagen auf Tempo 100. Noch einen Tick schneller und entspannter geht es mit der erstmals eingesetzten optionalen 8-Gang-Steptronic-Automatik (1950 Euro).

Schluss mit den Spleens: Die Neuauflage des Mini Clubman wird länger und braver. Einige störende Eigenheiten hat der Brite mit bayerischen Wurzeln abgelegt.
Schluss mit den Spleens: Die Neuauflage des Mini Clubman wird länger und braver. Einige störende Eigenheiten hat der Brite mit...Foto: Hersteller

Interessant, aber leider noch nicht zu "er-fahren": die neuen Dreizylindermotoren als Benziner mit 102 PS/75 kW (One) und 136 PS/100 kW (Cooper) sowie als Diesel (One D) mit 116 PS/85 kW. Letzterer soll sich mit nur 3,8 -3,9 Liter (99 -104 g/km CO2) nach Norm beschränken. Daneben sind noch zwei weitere 2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 150 PS /110 kW (Cooper D) und 190 PS/141 kW (Cooper SD) im Angebot. Beide sind ebenso mit dem neuen 8-Gang-Steptronic-Getriebe bestellbar.

Leider ist der Spaß mal wieder nicht besonders günstig. Neben dem Topmodell Cooper S (27.500 Euro) startet der Mini Clubman am 26. Oktober zunächst als mittlerer Cooper (136 PS) schon ab 23.900 Euro. Mit dem 150 PS starken Dieselpendant werden aber mindestens 26.900 Euro fällig. Und die Aufpreisliste ist lang und kostspielig. Neben der erwähnten Einzeloptionen sowie den bekannten Komfort- und Funktionspakete Salt (1050 Euro), Pepper (2450 Euro) und Chili (ab 4150 Euro) kosten auch fast alle Assistenzsysteme wie Abstandstempomat, Fernlichtautomatik, Verkehrszeichenerkennung, Auffahrwarner mit Anbremsfunktion (990 Euro), Rückfahrkamera (380 Euro) oder Parkpieper vorn und hinten (800 Euro) extra.

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