Vorstellung Mitsubishi L200 : Vom Arbeitstier zum Allroundtalent

Revival der Pick-ups: Es kommt spürbar Wind auf in der Liga der Pritschenwagen. VW und Ford mischen schon länger mit, doch nun tüfteln auch Fiat und Renault - ja sogar Mercedes an ihrem Debüt. Grund genug sich die fünfte Generation des Traditions-Pick-ups Mitsubishi L200 genauer anzusehen.

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Vom Arbeitstier zum Allround-Talent: Der neue Mitsubishi L200 ist leichter, komfortabler und sparsamer geworden. Gleichzeitig ist er noch geländegängiger als sein Vorgänger.
Vom Arbeitstier zum Allround-Talent: Der neue Mitsubishi L200 ist leichter, komfortabler und sparsamer geworden. Gleichzeitig ist...Foto: Hersteller

Irgendwie standen sie in der Vergangenheit immer im Schatten der großen Geländewagen. So als schämten sie sich ihrer rustikalen Ausrichtung. Doch nun ist Bewegung in die Gilde der Pritschenwagen gekommen. Wie auf Verabredung scheint plötzlich fast jeder Hersteller an einem handlichen Pick-up der Ein-Tonnen-Klasse zu arbeiten. Sogar Mercedes entwickelt nun zusammen mit Nissan einen Pick-up. Vor wenigen Jahren noch wäre das in Stuttgart undenkbar gewesen und als Frevel verurteilt worden.

Nachdem Ford mit dem Ranger und VW mit dem Amarok schon vor Jahren eingestiegen sind, bereiten jetzt auch Fiat und Renault ihr Debüt vor. Dabei ist das Segment gar nicht so groß: Nur gut 15.000 dieser Pritschenwagen wurden im vergangen Jahr zugelassen. Das Feld wird angeführt vom Ford Ranger. Der Mitsubishi L200 ist nur Fünfter. Grund genug also, noch bevor der europäische Markführer Toyota den Hilux-Nachfolger zeigen wird und auch noch vor dem Start des neuen Nissan Navara, die nunmehr fünfte Generation des Traditions-Pick-up L200 vorzustellen.

Sparsam und wendig dank Leichtbau

Und die ist eine komplette Neukonstruktion, welche in diesem Segment die Messlatte in vielen Bereichen ein ganzes Stück höher legen wird. Der neue L200 ist dank des Einsatzes leichterer hochfester Stähle mit einem Leergewicht von 1875 Kilogramm in der Basisversion einer der leichtesten Pick-up, die Konkurrenten wiegen zwischen 1950 und 2400 Kilogramm. Der L200 kommt mit einem völlig neuen Vollaluminium-Vierzylinder-Dieselmotors mit 2,4 Liter Hubraum, der mit  15,5:1 vergleichsweise niedrig verdichtet ist, eine wartungsfreie Steuerkette besitzt,  und den es in zwei Leistungsstufen gibt: mit 154 und mit 181 PS. Der Neue von Mitsubishi weist jetzt die niedrigsten Verbrauchswerte im Segment aus, denn der Normverbrauch konnte gegenüber dem Vorgänger um durchschnittlich 1,1 Liter gesenkt werden. Statt bislang 7,7 bis 8,8 Liter sind es jetzt nur noch 6,4 bis 7,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer.

Den Mitsubishi L200 gibt es in zwei Modellvarianten: Als Doppelkabiner oder Club Cab. Letztere Ausführung - mit 1,85 Meter langer Ladepritsche - hat neuerdings vier Türen.
Den Mitsubishi L200 gibt es in zwei Modellvarianten: Als Doppelkabiner oder Club Cab. Letztere Ausführung - mit 1,85 Meter langer...Foto: Hersteller

Daran Anteil haben auch die neu entwickelte Sechgang-Handschaltung sowie die weiter entwickelte Fünfstufenautomatik mit Sport-Modus und Schaltpaddeln am Lenkrad, welche bereits im Pajero eingesetzt wird. Sie ist nun wartungsfrei, früher musste alle 80000 Kilometer das Öl gewechselt werden. Die Handschalter verfügen zudem nun über eine Kraftstoff sparende Start-Stopp-Automatik. Der neue L200 kann mit 11,8 Metern jetzt den kleinsten Wendekreis in diesem Segment vorweisen. Neben der erhöhten Anhängelast von bis zu 3,1 Tonnen verfügt das ESP nun über eine serienmäßige Gespannstabilisierungsfunktion. Neu ist auch die Berganfahrhilfe.

Mitsubishi L200 Club Cab jetzt mit vier Türen

Obwohl die Entwickler den Luftwiderstand von ehemals 0,46 auf den für diese Fahrzeugklasse beachtlichen Wert von 0,40 gesenkt haben und das Auto in jeder Dimension nur ein paar Millimeter gewachsen ist, wirkt der neue L200 viel wuchtiger als der Vorgänger. Er tritt mit seiner neuen Kantigkeit einfach selbstbewusster auf: Sieh her, ich bin der Arbeitskumpel, auf den Du Dich verlassen kannst. Aber nun gibt es viele Zubehörteile, womit sich der L200 aufhübschen lässt, und womit sich jeder seinen ganz individuellen L200 zusammenstellen kann. Diese Vielfalt gab es bislang so noch nicht.

Der neue L200 ist nach wie vor in zwei Karosserieversionen als Doppelkabiner und Club Cab erhältlich, wobei aber die Club Cab-Ausführung  mit 1,85 Meter lange Ladepritsche nun ebenfalls vier Türen besitzt. Die vorderen Haupttüren ergänzen schmale, hinten angeschlagene Fondtüren, die auch den Mitfahrern in der zweiten Reihe bequemen Ein- und Ausstieg ohne störende B-Säule ermöglichen. Ein Komfortgewinn.

Geländeuntersetzung im L200 jetzt erstmals mit 4H-Modus

Der neue Auftritt passt zur bewährten robusten Technik mit Leiterrahmen, hinterer Starrachse und permanentem Allradantrieb. Vom Vorgänger hat der neue L200 das permanente Allradsystem Super Select 4WD übernommen. Allerdings in der modifizierten Ausführung „Super Select 4WD II“, bei der für ein präziseres Handling das Drehmoment im Verhältnis 40 zu 60 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse aufgeteilt wird. Das System verfügt über eine Geländeuntersetzung, die nun bequem über einen Drehschalter in der Mittelkonsole wie beim Range Rover elektronisch aktiviert wird. Das ursprünglich für den Offroader Pajero entwickelte „Super Select“- System ermöglicht es, bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h zwischen Zwei- und Vierradantrieb zu wechseln, ohne anhalten zu müssen.

Arbeitstier in Lack und Leder: Beim Interieur hat sich Mitsubishi ins Zeug gelegt und den spröden Nutzfahrzeug-Charme ausgemerzt.
Arbeitstier in Lack und Leder: Beim Interieur hat sich Mitsubishi ins Zeug gelegt und den spröden Nutzfahrzeug-Charme ausgemerzt.Foto: Hersteller

Einzigartig im Pick-up-Segment ist in Verbindung mit der Geländeuntersetzung die Funktion 4H: Der permanente Allradantrieb gewährleistet bei allen Geschwindigkeiten und auf unterschiedlichsten Oberflächen, von asphaltierten Straßen bis hin zu unebenen und rutschigen Passagen, die Handlingsicherheit und sorgt auch in unbeladenem Zustand für bestmögliche Traktion. Für außergewöhnliche Geländegängigkeit sorgt ein sperrbares Mittendifferenzial, das im 4HLc-Modus die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse steuert. Alle Versionen können auf Tastendruck auch mit reinem Heckantrieb fahren. Die maximale Wattiefe beträgt stattliche 600 Millimeter.

Rustikal statt SUV

Wir waren überrascht, wie flott sich das große Auto bewegen lässt. Die 430 Newtonmeter des kernig klingenden 181-PS-Dieselmotors bringen die Fuhre ordentlich in Fahrt. Die empfehlenswerte Fünfstufenautomatik für 1800 Euro Aufpreis wechselt die Gänge ruckfrei, vor allem in schwerem Gelände ist sie mit ihrem weichen Anfahren ein Gewinn. Und mit erstaunlich wenig Anlauf schafft der L200 auf der Autobahn auch Tempo 180 (die offizielle Höchstgeschwindigkeit liegt bei 177 km/h). Dabei überrascht, wie leise dieses Auto für seine Verhältnisse ist. Man schaut mit Wohlgefallen auf das neue Armaturenbrett, das auch in einem normalen Pkw verbaut sein könnte. Eine solche Zwei-Zonen-Klimaautomatik wie im L200 findet man nur in wenigen Pick-ups. 

Beim Innenraum  wollten die Mitsubishi-Entwickler weg vom spröden Nutzfahrzeug-Charme. Und das ist ihnen gelungen. Das Arbeitstier darf sich in Lack und Leder kleiden. Und selbst nach drei Stunden Fahrt stellt man erfreut fest, dass die neu konstruierten Sitze nicht nur viel komfortabler sind, sondern auch einen richtigen Seitenhalt bieten. Das ist wichtig bei Geländefahrten. Und die Rundumsicht ist viel besser als in manchen der überstylten Pkw mit ihren Schießscharten-Fenstern.

Der neue Mitsubishi L200 lässt sich mit auf Wunsch mit verschließbarem Klappdeckel oder sogar festem Hardtop mit Schiebefenster bestellen. Damit wird er eine echte Alternative zum SUV, allerdings mit besseren Geländeeigenschaften.
Der neue Mitsubishi L200 lässt sich mit auf Wunsch mit verschließbarem Klappdeckel oder sogar festem Hardtop mit Schiebefenster...Foto: Hersteller

Dennoch sollte einem stets klar sein, dass es sich beim L200 letztlich um einen leichten Lkw mit Allradantrieb und blattgefederter Hinterachse handelt. Zwar ist diese nun länger geworden, so dass die progressive Vorspannung etwas gemildert ist, aber dennoch fährt sich dieser Pick-up rustikaler als ein SUV. Auf welligen Buckelpisten springt die Hinterachse schon mal und keilt gegen die Passagiere aus. Mit Zuladung federt der L200 besser. Dafür schlägt er sich im Gelände viel souveräner als die meisten der Boulevard-Geländewagen. Da kann er richtig schuften.

Lang wie die Mercedes S-Klasse

Die neuen Qualitäten des L200 machen ihn  zum vielseitigen Profi für die Profis und für viele Gewerke interessant. So kann er mit einem Kehrmaschinenaufsatz in Kommunen als Saubermann vom Dienst eingesetzt werden oder mit spezieller Kippfläche sogar als vollwertiger Schüttguttransporter fungieren. Rund 80 Prozent aller Verkäufe, so der deutsche Geschäftsführer Werner Frey,  gehen an gewerbliche Kunden wie Forstbetriebe, Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen. Doch in der fünften Generation kann der L200 nun mehr als nur malochen, er ist nun durchaus eine bewusste Alternative zum SUV, für alle, die etwas Anderes als alle andere fahren wollen. Die können den L200 auch luxuriös genießen. In der Top-Variante, für die allerdings mindestens 38.490 Euro hingeblättert werden müssen, rollt dieser Mitsubishi mit Digitalradio, Bildschirm-Navigation, beheizten und elektrisch verstellbaren Ledersitzen, schlüssellosem Schließsystem sowie Bi-Xenonscheinwerfern vor.

Selbst bei den Assistenten ist der Pick-up ordentlich ausgerüstet: Rückfahrkamera mit Hilfslinien für exaktes Rangieren und Spurhalte-Assistent sind je nach Ausstattung serienmäßig. Der neue L200 ist quasi eine Allzweckwaffe mit verbesserter Reisefähigkeit geworden. Mit der Doppelkabine gibt es  in der zweiten Reihe ordentliche Raumverhältnisse, so dass fünf Personen in diesem Allrounder anständig reisen können. Und die Grundvariante „Club Cab“ bietet immerhin Raum für zwei weitere Fahrgäste. Und wer einen verschließbaren Klappdeckel oder gar ein festes Hardtop mit Schiebefenster ordert, der hat einen Riesenraum für Hobbydinge aller Art. In der Stadt muss er jedoch bei der Parkplatzsuche immer daran denken, dass der L200 mit 5,21 Meter so lang wie eine lange Mercedes S-Klasse ist. Aber mit ihm fällt man vor der Oper mehr auf.

Weltweit wurden mehr als vier Millionen L200 verkauft

Der neue L200 startet am 26. September, kann jedoch bereits bestellt werden. Die Club Cab-Version mit 154 PS, Schaltgetriebe, Allrad und Klimaanlage kostet 26.290 Euro, 1000 Euro weniger als der Vorgänger. Und die Doppelkabine mit 154 PS kostet 28.490 Euro, 300 Euro weniger als der Vorgänger. Die 181-PS-Version ist immer 6600 Euro teurer, weil sie an eine bessere Ausstattung gebunden ist.

Und der L200 hat solche Vorschußlorbeeren bekommen, dass die Mitsubishi-Leute schier aus dem Häuschen sind. Schon 700 Menschen haben den neuen L200, ohne ihn jemals gefahren zu sein, blind geordert. Im ganzen Jahr 2014 konnten vom aktuellen L200 lediglich 1018 Stück abgesetzt werden. Die Japaner rechnen für das nächste Jahr mit 2500 Verkäufen. Das wäre mehr als eine Verdopplung. Und es könnten sogar noch etwas mehr werden, denn der L200 bekommt laut einer Vereinbarung mit Fiat Chrysler Automobiles 2016 einen Zwillingsbruder mit Fiat-Emblem! Wie sich das entwickeln wird, weiß noch keiner. Doch Mitsubishi hat dem Klon etwas Entscheidendes voraus: die Tradition und das Qualitätsversprechen. Seit dem Start im Jahre 1976 sind weltweit mehr als vier Millionen L200 in über 150 Ländern verkauft worden. Und immerhin 60000 Leute haben sich hierzulande seit dem Start im Jahre 1993 für den L200 entschieden. Und als Einziger im deutschen Pick-up-Segment verfügt der L200 über eine Fünfjahres-Vollgarantie. Das zählt quasi doppelt.

PS. Freizeitsportler, welche die neue Fähigkeit des Mitsubishi L200 nutzen möchten, nun bis zu 3,1 Tonnen an den Haken nehmen zu können, sollten ihre Fahrten jedoch gut planen. Weil der L200 als Nutzfahrzeug gilt, darf er mit einem Hänger nicht an Sonntagen auf deutschen Straßen unterwegs sein. Solo schon. Deutsches Recht ist nicht immer einfach zu verstehen.

 

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