Vorstellung Mitsubishi Outlander : Besonders gut als Steckdose

Rundum aufgefrischt: Der neue Mitsubishi Outlander kommt dynamischer und komfortabler daher. Besonders der Plug-in-Hybrid konnte bei unserer Testfahrt überzeugen.

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Aufgefrischt: Der neue Mitsubishi Outlander hat ein Rundum-Facelift erhalten. Etwas 100 Details sollen überarbeitet worden sein.
Aufgefrischt: Der neue Mitsubishi Outlander hat ein Rundum-Facelift erhalten. Etwas 100 Details sollen überarbeitet worden sein.Foto: Hersteller

Mitsubishi geht es derzeit richtig gut. Fast 24.000 Autos konnten die Japaner laut Kraftfahrtbundesamt in den ersten acht Monaten hierzulande absetzen – gut 10.000 mehr als im Vorjahr. Und jeder dritte in Deutschland verkaufte Mitsubishi ist ein Outlander. Und der wurde jetzt nicht nur überarbeitet, er ist auch der erste Mitsubishi mit der neuen Designsprache Dynamic Shield, die schrittweise bei allen Autos dieser Marke eingeführt werden soll. Wir sind den neuen, der seit dem 26. September bei den Händlern steht, eine Runde gefahren.

Die erste Überraschung: Das aufgefrischte SUV sieht aus wie ein völlig neues Auto! Die schlauen Japaner haben es nämlich an den entscheidenden Stellen so gezielt verändert, dass diese Modellpflege nach mehr aussieht. Über 100 Punkte sollen „angefasst“ worden sein. Dabei haben sich die Japaner allerdings größere Eingriffe ins Blech erspart, denn die hätten neue und damit teure Werkzeuge erfordert.

Ein Sportler war der Outlander noch nie

Das neue Gesicht fällt in der Masse der SUV garantiert auf. Es wird von zwei großen bumerangförmigen Chromspangen beherrscht, die dem Auto Breite und Präsenz verleihen. Für Modernität sorgen die LED-Hauptscheinwerfer, über die der Outlander ab Ausstattungslinie "Plus" verfügt. Die Seitenschweller haben – wie beim Audi Q7 – eine Metallleiste bekommen, die für eine gestrecktere Silhouette sorgen soll.

Und auch das Heck wirkt jetzt stattlicher, weil die nun geteilten Rückleuchten das Auto in die Breite ziehen, und die stärker strukturierte Heckklappe auch hier Dynamik ins Spiel bringt. Leider hat die Hecklappe es nach wie vor nicht eilig: Bei der elektrischen Variante brauchen die E-Motoren noch immer endlos scheinende 13 Sekunden für den Schließvorgang.

Die stärker strukturierte Heckklappe und die geteilten Rückleuchten ziehen den neuen Mitsubishi Outlander optisch in die Breite. Leider braucht die elektrisch betriebene Heckklappe immer noch 13 Sekunden für den Schließvorgang.
Die stärker strukturierte Heckklappe und die geteilten Rückleuchten ziehen den neuen Mitsubishi Outlander optisch in die Breite....Foto: Hersteller

Das Platzangebot des 4,70 Meter langen SUV ist fast schon üppig. Zumindest, wenn nur vier Personen an Bord sind. Für die gibt es dann auch reichlich Platz für das Reisegepäck. Denn der Kofferraum bietet mit einem Volumen zwischen 463 und 1602 Litern eine klassenübliche Transportkapazität an.

Gezielt wurden jene technischen Punkte überarbeitet, wo ein Nachholbedarf erkannt wurde. So bei der Dynamik. Ein Sportler war der Outlander noch nie. Deshalb wurde die elektromechanische Lenkung stark überarbeitet. Sie agiert jetzt feinfühliger, spricht direkter an und vermittelt dank verbesserter Rückmeldung ein agileres Fahrerlebnis. Nur um die Mittellage agiert sie noch immer zu indifferent.

Nun, ein richtiger Sportler ist auch jetzt nicht aus dem großen SUV geworden. Dennoch lässt sich der Outlander nun handlicher bewegen, weil der vordere Fahrwerksquerträger steifer ausgelegt wurde, Federn und Stoßdämpfer mit geänderten Kennungen eingesetzt sowie der Dämpferdurchmesser an der Hinterachse vergrößert wurde. Für das gnadenlose Kurvenräubern ist dieses geräumige Familien-SUV ja ohnehin nicht ausgelegt. Sein Revier ist vielmehr, vor allem in der 150 PS starken Diesel-Version mit sieben Sitzen (ab 31.490 Euro für den Fronttriebler und ab 33490 Euro für den Allradler), das komfortable Abspulen langer Distanzen. Und das kann der Outlander nun noch etwas besser. Er ist ein Reiseauto der besonderen Art.

Familien-SUV mit verbessertem Komfort

Zum Langstreckenkomfort tragen auch die stärker ausgeformten, richtig bequemen Sitze sowie das aufgewertete Interieur bei. Denn je wohler man sich in einem Auto fühlt, desto stressfreier ist man auch nach Stunden noch darin unterwegs. Die Mittelkonsole wurde neu gestaltet, der Getriebewählhebel sieht jetzt aus wie ein kompakter Joystick. Ebenfalls neu ist das Navigationssystem, es reagiert nun schneller, lässt sich jedoch erst nach einer gewissen Eingewöhnung auch rasch bedienen.

Ein lautes Auto war der Outlander auch in der Vergangenheit nicht. Dennoch wurden am Fahrwerk und an der Karosserie rund 30 Punkte gefunden, die akustisch optimiert worden sind. Hinzu kommen zusätzliche Dämmstoffe, schalldämmende Frontverglasung und veränderte Türdichtungen, die gerade den Hybrid-Outlander zu einem bemerkenswert leisen Auto gemacht haben. Diesen stark verbesserten Geräusch-Komfort spürt man selbst beim überarbeiteten Diesel-Modell schon auf den ersten Minuten.

Auch im Interieur hat sich einiges getan: Bessere Sitze, eine neu gestaltete Mittelkonsole, ein handlicher Schalthebel und ein schnelleres Navigationssystem tragen ihren Teil zum verbesserten Komfort des neuen Mitsubishi Outlander bei.
Auch im Interieur hat sich einiges getan: Bessere Sitze, eine neu gestaltete Mittelkonsole, ein handlicher Schalthebel und ein...Foto: Hersteller

Wer nur wenige Kilometer im Jahr fährt, sollte sich für den Benziner mit Frontantrieb, 150 PS und Fünfgangschaltung interessieren. Dessen spezieller Aktionspreis ist ein Knaller: 20.990 Euro, schon mit Klimaautomatik, Soundsystem, sieben Airbags, Tempoautomatik inklusive Geschwindigkeitsbegrenzer. Damit ist der geräumige Familien-Outlander gut 9000 Euro günstiger als ein fünftüriger viel kleinerer VW Golf mit 150 PS und Allrad.

Besonders bemerkenswert: der Plug-inHybrid

Das interessanteste Modell jedoch ist der Plug-in-Hybrid-SUV. Der geht jetzt bereits in seine zweite Generation, während andere Hersteller erst noch auf den Markt kommen. Der Outlander Hybrid wurde bei dieser Überarbeitung verschlankt und die Elektronik geändert. Damit sinkt der Normverbrauch von 1,9 Liter pro 100 Kilometer um 0,1 Liter. Ihn zeichnet eine Besonderheit aus: Zwischen Vorder- und Hinterachse gibt es keine mechanische Verbindung, dennoch ist dieser Outlander ein waschechter Allradler, mit dem man sogar ins Gelände fahren kann. Beide E-Motoren werden von der "Super All Wheel Control" aus dem Rallyeauto Lancer Evolution gesteuert. Dieser Outlander fährt stets elektrisch an und bis Tempo 120 bleibt der Verbrenner bis zu 52 Kilometern außen vor. Die E-Motoren sprechen nun direkter an, so dass man an der Ampel schneller wegkommt.

Vom komplizierten Zusammenspiel spürt man nichts. Trotz spektakulärem Antrieb fährt sich dieses Auto völlig unspektakulär. Insgesamt fährt dieser Mitsubishi nach der Überarbeitung extrem leise. Drückt man Charge, lädt der Motor über den Generator bei Bedarf die Batterie auch während der Fahrt; im Stand dauert das Aufladen gut 40 Minuten bei rund 1200 Touren. Drückt man Save, behält die Elektronik sozusagen den aktuellen Ladezustand der Batterie bei, so dass man sicher sein kann, genügend Saft zu haben für rein elektrisches Fahren am Nachbargrundstück vorbei. In der Regel fährt das Auto elektrisch, so oft es geht. Bei uns waren es bei der Testfahrt über 50 Prozent. Mit leerer Batterie, was eigentlich kaum vorkommt, liegt der theoretische Verbrauch dann bei 5,8 Litern auf 100 Kilometer. Selbst das wäre ein sehr guter Wert für diesen 1,9-Tonner.

Jetzt mit Steckdosenanschluss: Mitsubishi hat am 26.09. den Geländewagen Outlander mit Plug-in-Hybrid-Antrieb auf den Markt gebracht.
Jetzt mit Steckdosenanschluss: Mitsubishi hat am 26.09. den Geländewagen Outlander mit Plug-in-Hybrid-Antrieb auf den Markt...Foto: Hersteller

Das Beste zum Schluss. Die Japaner spielen das bekannte Spiel der Autoindustrie, dass ein überarbeitetes Auto ruhig teurer werden dürfe, erfreulicherweise nicht mit. Trotz optischer Aufwertung und technischen Verbesserungen sowie aufgewerteter Ausstattung kostet das Basismodell des Hybrid-Outlanders mit einem Aktionspreis von 35.990 Euro bis 31. Dezember 2015 sogar 4000 Euro weniger als bisher. Wer den Aktionspreis von 46.990 Euro für das Topmodell bezahlt, bekommt ein All-Inklusive-Auto, bei dem Aluräder, Lederausstattung, Licht- und Regenssensor, elektrische Außenspiegel und Heckklappe, Radio-CD-Soundanlage, Glas-Hub-Schiebdach, Navigationssystem, LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Spurhalte-Assistent, Auffahr-Warnsystem und vieles mehr an Bord sind.

Serie bei allen Outlander ist nun, zusätzlich zu der Anfang 2015 auf fünf Jahre erweiterten Herstellergarantie bis 100.000 Kilometer, auch nun noch eine erweiterte Herstellergarantie für die Fahrbatterie auf acht Jahre, die bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern gültig ist.

Ein Outlander mit "Notstromaggregat"

Die Japaner setzen weiterhin auf die Plug-in-Hybrid-Technik. In fünf Jahren soll jeder fünfte produzierte Mitsubishi mit dem kombinierten Elektro-Verbrennungsantrieb fahren. Und dieser Mitsubishi Plug-in-Hybrid Outlander hat sogar sehr viel mit der holpernden Energiewende bei uns zu tun. Denn dieser neuartige Hybrid hat eine Besonderheit: Er kann als fahrbares „Notstromaggregat“ fungieren; übernimmt quasi die Funktion eines mobilen Pufferspeichers. Bidirektionales Laden nennt Mitsubishi diese Fähigkeit des Plug-in-Hybrid Outlander und neuerdings auch des überarbeiteten Electric Vehicle (die Weiterentwicklung des früheren i-MiEV), Strom, der in das Fahrzeug eingespeist wurde, jederzeit und überall wieder abzugeben.

In Japan spielt er diese wichtige Rolle bereits seit drei Jahren, um im Bedarfsfalle ein Haus bis zu zehn Tage mit elektrischer Energie zu versorgen. Das funktioniert im Idealfall so: Ein Hausbesitzer mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, speist den überschüssigen Strom in die 80-Zellen-Lithium-Ionen-Batterie mit 300 Volt und 12 kWh Leistung des Outlander ein. Damit kann der maximal 52 Kilometer weit rein elektrisch fahren. Und zwar ohne Stromkosten!

Und auch noch emissionsfrei, da die Energie ja aus einer erneuerbaren Energiequelle kommt. Wird der Outlander weniger als diese 52 Kilometer bewegt oder in der Firma „aufgetankt“, kann er abends sauberen Strom in das Haus abgeben oder unterwegs, auf dem Campingplatz beispielsweise, als Stromanschluss fungieren. Viele, viele Plug-in-Hybride dieser Art als ins Hausnetz integrierte Pufferspeicher könnten dazu beitragen, kleine intelligente Stromnetze zu schaffen, um mit der Immobilie Energie zu sparen und dennoch umweltverträglich mobil zu sein. Das sind ganz neue Aussichten, die sofort umzusetzen wären, wenn alle die nötige Bereitschaft und das unabdingbare Verantwortungsbewusstsein zeigen würden.

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