Vorstellung neuer BMW 7er : Nun parkt er auch selbst

Wer hat die Nase vorne im Rennen um die technologische Spitze im Automobilbau? Ausgemacht wird das Rennen in der Oberklasse, wo Mercedes derzeit führt. Mit dem BMW 7er hat München nun nachgelegt. Das Auto ist durchdigitalisiert und parkt sogar selbst.

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Sanftere Formen, riesige Nieren: Der BMW 7er findet seine Form durch wenige Linien, die das aus breiter aussehen lassen. An den Abmessungen hat sich allerdings kaum etwas geändert.
Sanftere Formen, riesige Nieren: Der BMW 7er findet seine Form durch wenige Linien, die das aus breiter aussehen lassen. An den...Foto: Hersteller

Nirgendwo ist die Konkurrenz zwischen den deutschen Autobauern größer als in der Oberklasse. Hier fahren die Flaggschiffe, wie die Mercedes S-Klasse, der Audi A8 oder eben der BMW 7er. Hier wird nicht gekleckert sondern geklotzt. Neue Technologien feiern im automobilen Oberhaus Premiere, bevor sie in die Modellreihen weiter unten gereicht werden. Wer bei den Flaggschiffen in der Oberklasse die Nase vorne hat, der darf sich an der Spitze der technologischen Entwicklung sehen. Daher wundert es wenig, dass BMW seinen neuen 7er mit pompösen Weltpremiere in der Münchner BMW-Welt eingeführt hat. Obwohl die Stückzahlen in diesem Segment eher bescheiden sind. Von den drei deutschen Luxusdampfern wurden in Deutschland zusammen nicht mal mehr 15000 zugelassen. Mercedes hat mit rund 8600 Autos dabei derzeit die Nase weit vorne, die S-Klasse ist allerdings auch das jüngste Modell und erst zwei Jahre auf dem Markt. DIe Margen sind zwar hoch in dieser Klasse, aber die große Geld wird doch eher in den absatzstärkeren Segmenten weiter unten verdient. Es geht um Prestige, Image und darum, die technologische Speerspitze zu sein. Und es geht im die wichtigen Märkte in China, den USA und Nahost.

Da musste also was kommen. Und BMW hat geliefert. Die wohl wichtigste Premiere der Münchner in diesem Jahr wartet mit einem ganzen Arsenal an Neuheiten auf, die das Modell mindestens auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart bringen sollen. Augenfälligste Neuerung ist das nun elegantere und weniger wuchtige Design des BMW 7er. Das Auto wirkt jetzt wie aus einem Guss, trotz der nochmal gewachsenen Nieren im Kühlergrill. „Wir wollten möglichst wenig Linien verwenden und dem Siebener noch mehr Eleganz verleihen“, sagt Chefdesigner Adrian van Hooydonk. Das dürfte gelungen sein. Der neue BMW 7er ist wohl die eleganteste Interpretation der Oberklasse, welche die Münchner bisher auf die Räder gestellt haben. Vorbei die Zeiten Anfang der 2000er Jahre, als der Siebener, gezeichnet vom damaligen BMW-Chefdesigner Chris Bangle, mit seinem kantigen Heck und dem Stilbruch der runden Formen heftige Diskussionen auslöste. Dieser BMW 7er ist versprüht Dynamik und Eleganz gleichzeitig, hat aber auch nicht mehr den festen Charakter und die starke Unterscheidung zu der 5er-Baureihe etwa.

Tablet vorne, Tablet hinten im BMW 7er

Noch wichtiger ist allerdings die Technik bei solchen Modellen. Hier stehen die Neuerungen ganz im Zeichen der Digitalisierung. Vorbei die Zeiten in denen mit leistungsstarken Motoren, am besten noch Zwölfzylinder, geprotzt werden konnte. Heute zählen andere Werte. Die technische Revolution spielt sich heute im Innenraum ab.  BMW hat sein Cockpit und das Infotainmentsystem iDrive komplett erneuert. Frei konfigurierbare Kacheln im Tablet-Stil bieten den Passagieren sämtliche Optionen für die Bedienung an. Wesentliche Neuerung ist aber die Gestensteuerung, bei der zahlreiche Funktionen, wie etwa die Lautstärke oder das Suchen nach Radiosendern, mit einem Wink vor dem Display gesteuert werden können.

Viel Aluminium soll die hochwertige Ausrichtung des BMW 7er unterstreichen. Das Funktionen des gewachsenen, zentralen Displays kann nun über Gesten gesteuert werden.
Viel Aluminium soll die hochwertige Ausrichtung des BMW 7er unterstreichen. Das Funktionen des gewachsenen, zentralen Displays...Foto: Hersteller

Das Cockpit ist ebenfalls voll digital und passt sich dem eingestellten Fahrmodus an. Wird der sogenannte Fahrerlebnisschalter auf Comfort eingestellt, so erscheint es klassisch mit Rundinstrumenten, im Sportmodus etwa werden die Anzeigen auf das Wesentliche, also Geschwindigkeit, Drehzahl und eingelegter Gang, reduziert. Auch das Headupdisplay wurde erneuert und projiziert jetzt mehr Informationen auf einer 75 Prozent größere Fläche auf die Windschutzscheibe.

BMW 7er breitet den Lichtteppich aus

Digital geht es jetzt auch im Fond zu. Mit einem herausnehmbaren Tablet kann der gestresste Manager nun sämtliche Funktionen für sein Wohlbefinden hinten bedienen. Sei es die Massage über die beiden Einzelsitze, das Fond-Entertainment, die Klimaanlage oder schlicht die Einstellung der Sitze. Für eine Mütze Schlaf kann der Beifahrersitz auch nach vorne geklappt werden und eine separate Fußstütze fährt aus. Das ganze findet natürlich in hochluxuriösem Ambiente statt. Die Auswahl an Leder und Dekorfarben scheint fast grenzenlos. Passendes Ambientelicht in sechs verschiedenen Farben illuminiert den Innenraum. Selbst das Panorama-Glasdach wird in der passenden Farbe beleuchtet. Und der BMW 7er breitet seinen Fahrgästen gar einen Teppich aus Licht aus, wenn das Fahrzeug aus der Ferne entriegelt wird.

Eine der wenigen Kanten des BMW 7er findet sich am Heck. Auch außen haben die Designer mit reichlich Chrom gearbeitet.
Eine der wenigen Kanten des BMW 7er findet sich am Heck. Auch außen haben die Designer mit reichlich Chrom gearbeitet.Foto: Hersteller

Von außen kann der BMW 7er nun auch geparkt werden. In Kopfparklücken fährt das Auto dann selbsttätig ein, wobei der Fahrer die Steuerung über einen neu entwickelten Displayschlüssel übernimmt. Dafür muss das Auto allerdings mittig vor der Parklücke positioniert werden und darf sich höchstens anderthalb Fahrzeuglängen selbstständig bewegen. Da könnte man natürlich auch selbst reinfahren, aber immerhin hat das Herausquälen aus einem schmalen Türspalt, den so manche Parklücke dann nur noch zulässt, ein Ende. Teilautomatisiert fährt der BMW 7er auch im Stau und nun kann ein neuer Lenk- und Spurführungsassistent auch die Steuerung bis zu Geschwindigkeiten von 210 km/h unterstützen.  Eine Hand muss dabei allerdings immer noch am Lenkrad bleiben. Damit kann der 7er allerdings auch einem vorausfahrenden Fahrzeug folgen und schützt durch eine Stereokamera sowie Radarsensoren vor sich seitlich nähernden Fahrzeugen.

Luftfederung antizipiert über Navi Unebenheiten

Bei all der Digitalisierung es gibt auch noch automobile Kernwerte, mit denen sich der BMW 7er hervortun möchte. Als einen Technologietransfer von BMW i wollen die Münchner den neuen Carbonkern der Karosserie verstanden wissen. In einem Materialmix soll neben dem klassischen Stahlgerüst der kohlefaserverstärkte Kunststoff für mehr Steifigkeit bei geringerem Gewicht sorgen. 130 Kilo sollen so eingespart worden sein. Sparsamer ist auch das Laserlicht, das aus dem BMW i8 kommend in der Oberklasse Premiere feiert. Die Lichtautomatik kann bis zu 600 Meter voraus ausleuchten und soll ein Blenden des Gegenverkehrs ausschließen. Vollautomatisch, versteht sich. Serienmäßig ist der BMW 7er auf eine Luftfederung gebettet. Zusätzlich gibt es nun auch ein neues Anti-Wanksystem, das bei schneller Kurvenfahrt die Wankbewegungen minimiert und navigationsgestützt die Dämpfer auf rauhe Straßenverhältnisse vorab einstellt.

Voll digital: Das Tablet in der Mitte ist herausnehmbar und steuert alle wichtigen Funktionen für das Wohlbefinden und die Unterhaltung im Fond.
Voll digital: Das Tablet in der Mitte ist herausnehmbar und steuert alle wichtigen Funktionen für das Wohlbefinden und die...Foto: Hersteller

Schließlich wurde auch das Motorenangebot vollständig überarbeitet. Neue Reihen-Sechszylinder und ein weiterentwickelter V8-Motor werden die Luxuslimousine antreiben. In Kombination mit einem ebenfalls fortgeschrittenen Achtgang-Automatikgetriebe verspricht BMW bis zu zehn Prozent mehr Effizienz. Der BMW 730d soll so im Normverbrauch etwa auf 4,5 Liter für 100 Kilometer kommen. Der Höhepunkt in Sachen Motor für den BMW 7er kommt aber erst im kommenden Frühjahr auf den Markt. Dann wird ein Plugin-Hybrid namens 740e vorfahren, der einen Vierzylinder-Otto-Motor mit 236 PS mit einem 70 Kilowatt starken Elektromotor kombiniert. Der Siebener soll dann bis zu 40 Kilometer und bis zu 120 km/h rein elektrisch fahren können.

Seine offizielle Weltpremiere feiert der BMW 7er im September auf der IAA in Frankfurt. Ab Oktober soll er aber schon bei den Händlern stehen. Das irgendwann ein Zwölfzylinder folgen wird, gilt als ziemlich sicher. Ob es auch, wie bei Konkurrent Mercedes, einen Vierzylinder-Antrieb geben wird wollte BMW bisher nicht bestätigen. Das vielsagende Schweigen dazu deutet allerdings darauf hin.

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