• Vorstellung neuer Ford Mondeo : Der neue Ford Mondeo kommt spät, aber dafür umso besser

Vorstellung neuer Ford Mondeo : Der neue Ford Mondeo kommt spät, aber dafür umso besser

So viel Verspätung hatte wohl noch kein Modell vor ihm: Der Ford Mondeo rollt nach zweieinhalb Jahren nun endlich im kommenden Jahr zu den Händlern. Die dürften ihn sehnlichst erwarten, denn die Konkurrenz hat in der Zwischenzeit kräftig nachgelegt.

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Gefräßiger Schlund. Der Ford Mondeo macht optisch mehr denn je auf Aston Martin. Was er äußerlich verspricht kann er vom Fahrverhalten her aber auch halten.
Gefräßiger Schlund. Der Ford Mondeo macht optisch mehr denn je auf Aston Martin. Was er äußerlich verspricht kann er vom...Foto: Promo

Das hat bestimmt jeder schon einmal erleben müssen: Verschiedene Umstände können sich zu einem unglücklichen Ganzen verketten. Wie beim neuen Ford Mondeo. Selten hat ein angekündigtes Modell so lange auf sich warten lassen. Frühjahr 2015 kommt er nun endlich zu uns. Mit gut zweieinhalb Jahren Verspätung, denn seit 2012 fährt er bereits als Fusion auf Amerikas Straßen umher - und zwar mit großem Erfolg. Der Hintergrund: Ford musste erst das wegen der Krise geschlossene Montagewerk im belgischen Genk abwickeln und gleichzeitig die Fabrik im spanischen Valencia auf die Mondeo-Produktion umstellen. Durch diese Verspätung haben sich allerdings Dinge geändert: Da ist zum Beispiel die achte Generation des VW Passat, die jetzt startet. Da ist der überarbeitete Opel Insignia und der aufgefrischte Peugeot 508. Alles neue Konkurrenten, die es so vor zwei Jahren noch nicht gegeben hat.

Mit Mondeo Nummer vier hat Ford ein schönes Auto auf die Räder gestellt. Sozusagen der Aston Martin für das Volk mit dem charakteristischen Kühlergrill des Briten, dem scharfen Knick in der Flanke und den Powerdomes auf der Motorhaube. Für 1250 Euro extra gibt es die Scheinwerfer als adaptive LED-Strahler mit 188 Leuchtdioden, die um ein vorher fahrendes Auto „herumleuchten“ können. Und dazu gesellen sich LED-Blinker mit spezieller Wischfunktion, wie sie auch Audi anbietet.

Agil: Im neuen Ford Mondeo haben die Konzerntechniker mal wieder ihr Können bewiesen.
Agil: Im neuen Ford Mondeo haben die Konzerntechniker mal wieder ihr Können bewiesen.Foto: Promo

Die Passagiere sitzen auch im Fond bequem

Anders als in den USA startet er bei uns nur als fünftürige Fließheck-Limousine sowie als Turnier, wie Ford seinen Kombi bezeichnet. Der Viertürer ist ausschließlich mit einem Hybridantrieb mit 187 PS Systemleistung zu haben, dürfte hierzulande aber eher eine Nischenrolle spielen. Und das, obwohl er sich ausgesprochen gut fahren lässt und mit 34 950 Euro noch bezahlbar ist. Das wichtigste Modell bleibt der Turnier: acht von zehn Ford Mondeo sind Kombis.

Trotz unverändertem Radstand von 2,85 Metern (Passat 2,79 Meter) ist das Kofferraumvolumen des Turnier um 25 Liter geschrumpft. Selbst ohne Reserverad schluckt der neue Mondeo-Kombi mit einem Volumen von 550 bis 1630 Liter 150 Liter weniger als der neue VW Passat Variant, der 650 bis 1780 Liter Volumen zu bieten hat. Für die Passagiere herrscht indes im Ford Mondeo kein Mangel. Im Fond sitzen sie bequem und erfreuen sich üppiger Beinfreiheit. Gut, dass Ford der Versuchung widerstanden hat, den Kombi so modisch zu gestalten wie Audi. So sind die Fenster keine dieser Schießscharten. Die Rundumsicht geht in Ordnung.

Der Ford Mondeo verwandelt sich in einen handlichen Kompakten

Seine Stärke spielt der Kölner beim Fahren aus. Denn auch beim neuen Ford Mondeo haben die Ford-Techniker einmal mehr - in guter Tradition ihr Können bewiesen, ein Fahrwerk so ausgewogen und dennoch so agil abzustimmen, wie das nur wenige andere Hersteller können. Und zwar mit ganz konventionellen Mitteln. Der Ford Mondeo verfügt nun über eine neue aufwendige Hinterachskonstruktion mit Integral-Lenker sowie über eine passive Mitlenk-Funktion. Dabei ist der Spagat gelungen, die Dynamik nicht auf Kosten des Komforts zu optimieren. Schlechte Straßenpassagen bügelt der Kölner ebenso elegant wie geräuschlos glatt.

Wer im Topmodell Titanium noch das 2000 Euro teure Komfortpaket mit elektrisch verstellbaren Sitzen und Radar-basiertem Abstandstempomat bestellt, bekommt auch die variable Dämpferregelung mitgeliefert, die es leider nicht als Extra gibt. Die wäre angesichts der Qualität des Normalfahrwerks eigentlich gar nicht nötig, doch sie bringt einen zusätzlichern Effekt: Mit ihr verwandelt sich der große Ford Mondeo fahrdynamisch in einen handlichen Kompakten. Im Sportmodus überzeugt die Limousine auch in schnell gefahrenen Kurven mit einem so unproblematischen Eigenlenkverhalten, dass selbst bei nicht so geübten Fahrern Vertrauen geschaffen wird.

Übersichtlich: Das Cockpit im neuen Ford Mondeo.
Übersichtlich: Das Cockpit im neuen Ford Mondeo.Foto: Promo

Das Cockpit wurde entrümpelt

Und auf der Autobahn glänzt der Ford Mondeo mit geradezu stoischer Richtungsstabilität. Garniert wird das Ganze - sozusagen das i-Tüpfelchen - mit einem feinen Federungs- und Geräuschkomfort, der ihn in den oberen Bereich dieser Klasse bringt. Leider lässt sich das variable Fahrwerk nicht direkt über einen Knopf im Cockpit verstellen. Ford versteckt die Einstellung der dreistufigen Fahrdynamikregelung im vierten (!) Untermenü.

Deutlich einfacher bedienen lässt sich nun das Mondeo-Cockpit, weil Ford es entrümpelt hat. Statt vieler Knöpfe ein großer berührungsempfindlicher Bildschirm. Über ihn oder über die neue Sprachsteuerung SYNC 2 lassen sich alle Funktionen steuern. Denn wie schon der überarbeitete Ford Focus hört auch der Ford Mondeo aufs Wort. Die Sprachsteuerung SYNC 2 versteht sogar schwäbisch und sächsisch!

Umfangreiche Fahrassistenzsysteme: Im neuen Ford Mondeo debütiert der Pre-Collision-Assist mit Fußgängererkennung.
Umfangreiche Fahrassistenzsysteme: Im neuen Ford Mondeo debütiert der Pre-Collision-Assist mit Fußgängererkennung.Foto: Promo

Viele Fahrassistenzsysteme

Wir sind den neuen 160-PS-Benziner und den neuen 180-PS-Diesel gefahren - und regelrecht begeistert. Sie sind die passenden Antriebsquellen, um das hohe Fahrdynamikpotential auszuloten. Die Triebwerke, sehr gut gedämmt, arbeiten leiser als im Passat. Per Sechsgang-Handschaltung lassen sich die Gänge leicht und exakt wechseln. Doch oft muss man nicht schalten, denn sowohl Benziner als auch Diesel glänzen mit sehr gutem Durchzug. Sie prädestinieren ihn als veritablen Reisewagen.

Wie es sich für ein neues Auto gehört, rüstet Ford den Neuen mit einer Armada von Fahrerassistenzsystemen aus, so dass er auch hier nun auf der Höhe der Zeit ist. Selbst Ausstattungsdetails aus der Oberklasse sind nun für diesen Mittelklässler zu bekommen. So schützt zum Beispiel ein spezieller Gurt-Airbag die Fondpassagiere auf den Außenplätzen. Vor allem Kinder kann das 300 Euro teure Sicherheitssystem, das es bislang nur in der Mercedes S-Klasse gibt, im Falle eines Unfalls vor Verletzungen im Hals- und Brustbereich bewahren. Denn dieser neuartige Airbag vergrößert die Auflagefläche blitzschnell um das Dreifache. So debütiert im neuen Ford Mondeo auch der „Pre-Collision-Assist“ mit Fußgängererkennung. Dieser erkennt Personen und bremst automatisch, wenn der Fahrer nicht reagiert. Serienmäßig ist das MyKey-Schlüsselsystem an Bord. Damit lassen sich per codierbarem Zweitschlüssel sowohl Höchstgeschwindigkeit als auch Lautstärke der Audioanlage begrenzen, wenn der Nachwuchs zu seiner ersten Ausfahrt aufbrechen darf. Clever!

Auslieferung ab Ende des Jahres

Und die Preise? Bleiben fast gleich. Mit dem neuen 160 PS starken 1,5-Liter-Benziner kostet die Fließhecklimousine ab 27 150 Euro. Der Turnier ist stets 1000 Euro teurer. Der 180-PS-Diesel beginnt bei 31 450 Euro. Der Hybrid steht mit 34 950 Euro in der Preisliste, ist damit vergleichsweise günstig.

Der neue Mondeo kann ab sofort bestellt werden. Erste Autos sollen noch Ende dieses Jahres ausgeliefert werden. Offizieller Marktstart ist der 7. Februar 2015. Dann dürfte der Nachzügler durchaus für frischen Wind in dieser Klasse sorgen. Denn nicht jeder, der zu spät kommt, wird dafür im (Auto-)Leben auch wirklich bestraft. Das hat VW bereits mehrfach demonstriert. Warum sollte das bei Ford nicht auch klappen? Zumal die Kölner noch einiges in Petto haben: Mitte 2015 startet auch im Mondeo der preisgekrönte Einliter-EcoBoost-Dreizyli der mit 125 PS. Am anderen Ende kommt ein 210 PS starker Bi-Turbo-Diesel, und erstmals wird es dann auch einen Mondeo mit elektronisch geregeltem Allradantrieb geben.

Ewig junges Wildpferd
Der Verkaufsschlager und sein Macher: Henry Ford II. mit einem Ford Mustang auf der New Yorker Weltausstellung 1964.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: Promo
30.04.2014 13:17Der Verkaufsschlager und sein Macher: Henry Ford II. mit einem Ford Mustang auf der New Yorker Weltausstellung 1964.

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