Vorstellung neuer VW Passat : Der XXL-Golf

Dynamischer, exklusiver, selbstbewusster: Der neue VW Passat ist die mittlerweile achte Auflage des Bestsellers aus Wolfsburg - und läutet innen und außen eine neue Zeitrechnung ein.

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Bestseller: Der neue Passat ist bereits die achte Auflage des Mittelklassewagens von Volkswagen und soll im November auf den Markt kommen.
Bestseller: Der neue Passat ist bereits die achte Auflage des Mittelklassewagens von Volkswagen und soll im November auf den Markt...Foto: dpa

Er läuft und läuft und läuft. Nein, nicht der VW Golf, sondern der VW Passat. Seit dem Markstart vor nunmehr 41 Jahren wurden über 22 Millionen dieses Mittelklasseautos gebaut und verkauft. Damit ist er der erfolgreichste Geschäftswagen Europas. Vom aktuellen seit 2010 produzierten Modell der mittlerweile siebten Generation sind es auch schon wieder knapp 1,1 Millionen Exemplare. Eine Erfolgsgeschichte also. Halt, in jüngster Zeit schwächelte der Passat. In guten Jahren verkaufte VW hierzulande über 100000 Passat. Doch der Absatz sank stetig. 2012 waren es  noch 89333 Autos und im vergangenen Jahr nur 61088 Passat. Um die gesunkene Nachfrage auszugleichen, mussten im Stammwerk Emden ab und an die Bänder angehalten werden. Nun also soll es Nummer Acht richten und der zuletzt stockenden Erfolgsgeschichte neuen Auftrieb geben.

Die großen Vier hängen alle ab
Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes 2013, um zu erkennen: Der Wolfsburger war auch im letzten Jahr Liebling der deutschen Autokäufer, führte die Statistik mit 244 249 Verkäufen segmentübergreifend mit weitem Abstand an. Auch auf den folgenden Plätzen landen erwartungsgemäß die großen Hersteller.Weitere Bilder anzeigen
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04.02.2014 14:18Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des...

Nummer Acht, dessen Entwicklung bereits vor vier Jahren begonnen hat, ist zwar nicht das achte Weltwunder, doch eine Zäsur in der Geschichte dieses Mittelklassemodells aus Niedersachsen. Denn es startet nun die erste Passat-Generation, welche auf dem neuen Modularen Querbaukasten des Konzerns basiert. Und der eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Hinter dieser kryptischen Bezeichnung (abgekürzt MQB) verbirgt sich ein technisches Entwicklungs-Highlight, das den Weg zu einer heute noch ungeahnt großen Spielwiese für Techniker aufzeigt. Lediglich der Abstand zwischen der vorderen Radmitte und dem Gaspedal ist noch einheitlich. Alle anderen Parameter wie Spurbreite und Radstand sind ohne zu großen Aufwand variabel. Durch die Verwendung hochfester, warm geformter Stähle sinkt das Gewicht um mindestens 40 Kilogramm. Im Falle des neuen Passat sind es gar 85 Kilogramm.

Optisch macht der neue Passat auf kleinen Phaeton

Auf diese MQB-Weise tritt der neue Passat mit einer völlig neuen Mischung auf: Optisch macht er mit seiner neuen Kantigkeit und dem selbstbewussten Grill auf kleinen Phaeton. Technisch ist er in Wirklichkeit eine geschickte Modifikation des neuen Golf VII. Und das ist nicht im schlechten Sinne gemeint. Denn das bedeutet auch Abkehr von einer früheren Maxime, dass Nachfolger immer größer werden müssen als ihre Vorgänger. Passat Nummer Acht ist wegen MQB außen nicht viel größer, aber innen viel geräumiger. Die nun 4767 Millimeter lange Mittelklasse-Limousine ist zwei Millimeter kürzer, 14 Millimeter flacher, bietet jedoch innen 33 Millimeter mehr Innenraumlänge. Denn der Radstand wuchs um 79 Millimeter auf 2791 Millimeter; die Überhänge wurden kürzer. Die vorderen Räder wanderten 29 Millimeter Richtung Frontspoiler, die hinteren 17 Millimeter Richtung Heckstoßfänger. Dennoch wuchs das Kofferraumvolumen um 21 auf 586 Liter. Allerdings geriet die innere Stufe sehr hoch.

Neue Mischung: Optisch macht der Passat mit seiner neuen Kantigkeit auf kleinen Phaeton.
Neue Mischung: Optisch macht der Passat mit seiner neuen Kantigkeit auf kleinen Phaeton.Foto: Promo

Die veränderten Proportionen lassen den Neuen gestreckter, dynamischer erscheinen: Der alte Biedermann hat seine Biederkeit abgelegt! Ja, er legt sogar vor: Mit seinen neuen Leuchten. Beim Richtungswechsel blinkt das Auto mit dem Tagfahrlicht.  Denn die weißen LED können bei Bedarf auch gelb leuchten. In der Topversion wechselt das hintere LED-Licht beim Bremsen von einer horizontalen Linie in eine vertikale. Ein cleverer Sicherheitsgewinn für die Nachfolgenden, die so gewarnt werden.

Bei einer ersten exklusiven Sitzprobe überrascht der neue Passat. Innen ist eine neue Zeitrechnung angesagt. Zwar wirkt das Cockpit so bekannt-heimelig wie früher, und doch ist alles so neu, teils ganz anders. VW klotzt. Chromleisten hier und da, dann die beiden dicken Querspangen des neuartigen sogenannten horizontalen Lüftungsbandes über die gesamte Cockpitbreite. Die Konzernschwester Audi wird sich warm anziehen müssen. Denn feinere Kunststoffe, Holz, Leder und ein völlig neues Infotainmentsystem auf aktuellem Stand schaffen eine Wohlfühlatmosphäre, die nichts mehr von der früheren Piefigkeit an sich hat.

Saftige Aufpreise

Der acht Zoll große Bildschirm ist bereits aus dem neuen Golf bekannt. Allerdings sitzt er  im neuen Passat ebenfalls zu tief. Auch das überfrachtete Lenkrad stammt aus dem Golf. Internetanschluss und Echtzeitnavigation sind nun im Passat keine Fremdworte mehr. Die Elektronikarchitektur des Modularen Querbaukasten (von VW als Modularer Infotainmentbaukasten bezeichnet) erlaubt  Einbindung von Smartphones, deren Oberflächen auf dem Berührungsbildschirm gespiegelt werden können.

Hochwertig: VW klotzt im Innenraum. Chromleisten hier und da - Konzerntochter Audi wird sich warm anziehen müssen.
Hochwertig: VW klotzt im Innenraum. Chromleisten hier und da - Konzerntochter Audi wird sich warm anziehen müssen.Foto: Promo

Und gegen teils saftige Aufpreise gibt es  Extras aus der Oberklasse: LED-Scheinwerfer, elektrische Türzuziehhilfe sowie voll digitale Anzeigen wie in der S-Klasse. Gegen Aufpreis lässt sich das 12,3 Zoll große Display aus dem neuen Audi TT ordern, das mit seinen 1440 mal 540 Pixeln gestochen scharf sämtliche Informationen anzeigt – ob Tacho und Drehzahl, oder Navigationshinweise. Das ist neu in der Mittelklasse. Und als erster VW bekommt der Passat optional ein Head-up-Display. Die Daten werden auf eine ausfahrbare Scheibe (wie bei Mazda) projiziert. Für das Auge scheinen sich die Anzeigen zwei Meter vor dem Auto zu befinden. VW verspricht eine höhere Qualität der Anzeige als bei anderen Systemen dieser Art. Die weiter entwickelten Sitze erhalten Kühlungs- und Massagefunktionen.

Trotz 14 Millimeter geringerer Außenhöhe soll die Kopffreiheit besser geworden sein. Der Trick ist auf der Fondbank zu sehen. Die ist nämlich etwas tiefer eingebaut und die Sitzfläche schräg nach hinten geneigt. Großgewachsene über 1,85 Meter sitzen dadurch nicht sehr bequem; zudem mangelt es ihnen an Beinauflage.

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